Sport | Wintersport
01.03.2013

Weirather gewinnt, Fenninger Vierte

Die Liechtensteinerin feiert in Garmisch ihren ersten Weltcup-Sieg. Maze und Mancuso teilen sich Rang zwei.

Ob nun wirklich alle knapp 35.000 Liechtensteiner einander um den Hals gefallen sind und ob der 1. März nun zum neuen Staatsfeiertag ausgerufen wird anstelle des 15. August – man weiß es nicht. Tatsache aber ist, dass Tina Weirather an diesem 1. März 2013 im Super-G von Garmisch-Partenkirchen den ersten Weltcupsieg für das kleine Fürstentum seit dem 18. Jänner 2008 eingefahren hat, fünf Jahre nach dem Erfolg von Marco Büchel in Kitzbühel, auch damals wurde ein Super-G gefahren.

Und Tina Weirather hat den ersten Liechtensteiner Damen-Sieg seit dem 21. November 2002 geholt, seit Birgit Heeb-Batliners Erfolg im Riesenslalom von Park City (USA). Seit Anfang Dezember und der in Lake Louise erlittenen Schuhrandprellung war die 23-Jährige nicht mehr auf Touren gekommen. „Sie konnte einen Monat überhaupt nicht Ski fahren, und dann war die Form weg“, erklärte Papa Harti Weirather, der mit Mama Hanni Wenzel zum Überraschungsbesuch vor Ort war.

Belohnter Kampf

Es sollte sich lohnen: 74. Weltcuprennen der Tochter, erster Sieg. „Es ist unglaublich nach den letzten Wochen und Monaten, wo ich wirklich zu kämpfen hatte“, sagte Tina Weirather, die sich die Folgen der Prellung „lange nicht eingestehen“ wollte. „Beim normalen Gehen hat’s ja auch nicht wehgetan, aber beim schnellen Skifahren kommt halt extrem viel Druck aufs Schienbein.“

Schon am 21. November 2002 war Julia Mancuso mit von der Weltcup-Partie, die Amerikanerin qualifizierte sich seinerzeit nicht für den zweiten Lauf, Freitag wurde sie Zweite, ex aequo mit der in diesem Winter überragenden Slowenin Tina Maze; schon damals mit dabei war auch Nicole Hosp (Out in zweiten Durchgang), die heute Fünfte wurde; und schon damals mit dabei war Maria Riesch (noch ohne Höfl), die trotz Magen-Darm-Problemen im ersten ihrer drei Heimrennen Elfte wurde.

Anna Fenninger war 2002 13 Jahre jung und noch vier Jahre vom Weltcupdebüt entfernt, heute war sie als Vierte die beste Österreicherin. Die Einfahrt in den Zielhang gelang der 23-jährigen Adneterin nicht wunschgemäß, „das hat viel Speed gekostet“, die Zufriedenheit war dennoch vorhanden, zumal ja am Samstag (10.30 Uhr, live ORF eins), am gleichen Ort abgefahren wird und am Sonntag noch ein Super-G auf dem Programm steht.

Die Topfavoritin ist freilich in beiden Bewerben Tina Maze, die am Freitag ihren Vorsprung im Gesamtweltcup auf die Zweite (Maria Höfl-Riesch) auf mehr als 100 Prozent der Punkte steigerte (1924:910) und mit dem 19. Podestplatz der laufenden Saison eine neue Bestmarke aufstellte. Wie das geht? Die Antwort ist einfach: „Wenn du gut fährst, klappt auf einmal alles.“

1. Tina Weirather LIE 1:19,82
2. Julia Mancuso USA 1:19,94
. Tina Maze SLO 1:19,94
4. Anna Fenninger AUT 1:20,10
5. Nicole Hosp AUT 1:20,11
6. Carolina Ruiz Castillo ESP 1:20,15
7. Marion Rolland FRA 1:20,48
8. Nicole Schmidhofer AUT 1:20,50
9. Laurenne Ross USA 1:20,57
10. Viktoria Rebensburg GER 1:20,62

Happy End für Tina Weirather

Mit dem ersten Weltcupsieg hat Tina Weirathers Leidensgeschichte ein (vorläufiges) Happy End gefunden: Im März 2007 zog sich die Liechtensteinerin bei einem Sturz im Abfahrts-Training in Lenzerheide Kreuzbandrisse in beiden Knien zu, ein Jahr später riss sie sich im Riesentorlauf-Training im Pitztal das Kreuzband im rechten Knie.

Das letzte Mal richtig böse erwischte es sie am 23. Jänner 2010 bei einem Sturz in der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo - abermals Kreuzbandriss. Da dachte sie auch ans Aufhören. "Da war ich wirklich nahe dran, alles hinzuschmeißen. Aber ich habe relativ schnell gemerkt, dass es keinen Sinn macht, weil mir nichts so viel gibt wie Skifahren", sagte sie rückblickend.

Im Oktober 2011 gab Weirather in Sölden ihr Comeback und lieferte einen starken Winter mit den ersten Podestplätzen ihrer Karriere ab, den Abfahrtsweltcup beendete sie an zweiter Stelle. In diesem Winter wurde die aufstrebende Athletin von einer in Lake Louise zugezogenen Schuhrandprellung gebremst.

"Wenn du schnell Skifahren willst, brauchst du viel Druck auf das Schienbein. Und das ging danach nicht", sagte die Athletin, die nach sechs Stockerlplätzen nun in ihrem 74. Weltcuprennen erstmals ganz oben stand. "Das ist nach den vergangenen Wochen und Monaten, wo ich so zu kämpfen gehabt habe, unglaublich. Ich habe hart daran gearbeitet. Es ist gar nicht so einfach, dass man aus einem Tief wieder rauskommt", erzählte sie.

"Ein Horror und wunderschön"

Weirather war schon mit Nummer drei ins Rennen gegangen. Bis ihr Sieg feststand, musste sie lange warten. "Das war ein Horror und wunderschön. Ich war komplett nervös, das war Nervenkitzel pur." Unter den Zuschauern waren auch die Eltern, die ihre Tochter mit dem Besuch überrascht hatten. "Die Freude ist riesengroß, aber für mich ist wichtig, dass sie gesund ins Ziel kommt", sagte Wenzel. "Es freut uns unglaublich. Wir haben mit allem heute gerechnet, aber damit nicht", sagte Papa Weirather.

Tina Weirather knüpfte an die Familientradition an, Harti Weirather war in seiner Karriere in sechs Weltcup-Abfahrten erfolgreich, Hanni Wenzel in insgesamt 33 Rennen (12 Riesentorläufe, 11 Slaloms, 8 Kombinationen, 2 Abfahrten).