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Sport Wintersport
01/19/2022

Warum die olympischen Rodler der Liebeskummer plagt

Wohngemeinschaft - Österreichs Rodel-Stars gehen als Vorsichtsmaßnahme auf Distanz zu ihren Frauen.

von Christoph Geiler

Wolfgang Kindl hat seine Ehe gerade auf Eis gelegt. Nicht, dass der Rodelweltmeister mit seiner Frau jetzt gleich Schlitten fahren würde, aber er geht ganz bewusst auf Distanz. „Das war ein Vorschlag meiner Frau“, erzählt der 33-Jährige. „Und das macht auch so Sinn.“

Deshalb lebt Wolfgang Kindl neuerdings in einer Männer-WG mit Nico Gleirscher, noch so ein Kunstbahnrodler, der seine Lebensgefährtin verlassen hat. „Es ist hart, aber uns bleibt gar nichts anderes übrig. Es ist besser, wir bleiben unter uns“, sagt Gleirscher.

Kontakte abgebrochen

Wegen Olympia haben Österreichs Kunstbahnrodler gerade ein wenig Liebeskummer. Sämtliche Athleten, die in Peking starten, haben ihre Allerliebsten vor Wochen das letzte Mal in den Arm genommen. Aus Sorge, sich mit Corona zu infizieren und deshalb die Winterspiele zu verpassen, ist das Rodel-Team eng zusammengerückt und hat nahezu alle persönlichen Kontakte zur Außenwelt abgebrochen. Madeleine Egle, Hannah Prock und Lisa Schulte teilen sich eine Ferienwohnung, Doppelsitzer Lorenz Koller hat die Müller-Brüder bei sich aufgenommen, das Krafttraining spulten die Rodler zuletzt in der privaten Kraftkammer von Verbandspräsident Markus Prock im Stubaital ab.

"Auch schon egal"

„Selbst wenn jeder von uns extrem aufpassen würde, wenn er heimfährt: Die Wahrscheinlichkeit, dass man dann Corona kriegt, ist einfach viel höher. Auch wenn es wirklich nicht angenehm ist“, sagt Routinier Wolfgang Kindl. „Ich habe meine Frau schon seit mehr als zwei Wochen nicht mehr gesehen. Noch drei Wochen länger, bis ich von Olympia zurück bin, ist jetzt aber auch schon egal.“

Nur David Gleirscher schlief auf dem Weg vom Weltcup in Oberhof zur EM am Wochenende in Sankt Moritz noch zwei Nächte daheim. Der Olympiasieger von 2018 ist zweifacher Familienvater und brachte es nicht übers Herz, seine Kinder vor der Abreise nach Peking nicht mehr zu sehen. „Es ist brutal zach.“

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