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Sport Wintersport
12/26/2021

Warum sich Popstar Falco nach einem deutschen Skispringer benannte

Die Vierschanzentournee feiert ein rundes Jubiläum. Die alljährliche Schanzenshow hat viel Tradition und noch mehr Anekdoten zu bieten.

von Günther Pavlovics

Von der Holzlatte zum Kunststoff-Ski, von der Pudelhaube zum Sturzhelm, vom Amateur zum Profi. Die Vierschanzentournee feiert heuer ein rundes Jubiläum. 70 Jahre voller Geschichte und G’schichtln.

Ein blauer Finne

Die Finnen und der Alkohol: Hemmo Silvennoinen feierte 1956 die Silvesternacht durch. Statt eines Absturzes folgte am 1. Januar der Triumph. Nachdem sich seine Mannschaft für ihn eingesetzt und der finnische Teamchef die bereits ausgesprochene Sperre wieder zurückgenommen hatte, überflügelte Silvennoinen alle – und gewann das Neujahrsspringen.

Ein Polizist und die DDR

1962 erblickte ein Oberstdorfer Dorfpolizist einen ostdeutschen Springer mit DDR-Wappen am Ärmel. Etwas, das in der BRD verboten war. Die Konsequenz: Diplomatische Verstimmung und Startverbot für die DDR-Springer. Drei Jahre lang mussten die DDR-Athleten der Tournee danach fernbleiben.

Erfolgreicher Elektriker

Nicht immer waren die Skispringer Profis: 1959/60 zum Beispiel half Max Bolkart in seinem Heimatort Oberstdorf während des Trainings als Lautsprecher-Monteur. Er legte sein Werkzeug nur für einige Trainingssprünge nieder. Im Wettkampf wurde er Zweiter.

Ein Maurer im Sturzflug

Michael Edwards, genannt „Eddie the Eagle“, kam 1989 in Innsbruck nicht weit. Der gelernte Maurer fiel bereits nach 50 Metern wie ein Stein zu Boden, brach sich das Schlüsselbein und sieben Rippen. Er ließ sich aber am nächsten Tag von zahlreichen Fotografen im Krankenhaus ablichten.

Noch ein blauer Finne

Matti Nykänen konnte man nicht unterstellen, je ein Glas Bier oder Wein voll stehen gelassen zu haben. 1987 wollte er mit Restalkohol im Blut auf den Schanzenturm steigen. Trainer Matti Pulli schickte ihn nach Hause. Im Jahr darauf gewann Nykänen die Tournee. 1991 beendete er seine Karriere, von seiner Alkoholkrankheit gezeichnet, still und leise. 2019 starb er mit nur 55 Jahren.

FINLAND-SKI-JUMP-NYKANEN-OBIT

Keine Fahne für die DDR

1960 weigerten sich Deutsche und Österreicher, die DDR-Flagge zu hissen. Der Flaggenstreit führte zum Boykott der DDR sowie der Teams aus Polen, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Weil nach dem Mauerbau jeglicher Sportverkehr zwischen der DDR und der Bundesrepublik abgebrochen worden war, durften die DDR-Springer nur bei den beiden Springen in Österreich antreten.

Ein Falke unter Adlern

Ein gewisser Johann Hölzel schaute am 1. Jänner 1978 im TV das Neujahrsspringen. Besonders beeindruckte den Musiker der DDR-Springer Falko Weißpflog, den alle nur den „Falken“ nannten. Hölzel beschloss, sich fortan Falco zu nennen – und startete als Popstar durch.

Russische Benzinbrüder

Die Russen hielten sich 1975 für besonders schlau. Sie rieben ihre Ski mit Benzin ein, um in der Anlaufspur schneller zu sein. Darunter litten vor allem die nachfolgenden Athleten: Sie beschwerten sich, dass die Spur langsamer geworden sei.

Spritztournee ohne Auto

Das Hobby von Janne Ahonen sind Dragster-Rennen. 2005 ließ der Tourneesieger den Gewinn, einen 30.000 Euro teuren Nissan Pathfinder, in Österreich. Nicht weil er ihm zu langsam war, sondern wegen der horrenden Steuern für die Einfuhr nach Finnland. 2006 entsprach der Preis für den Sieger auch nicht den Traumvorstellungen von Jakub Janda. „Ich mag eher Sportautos, aber ich denke, meine Freundin wird mit dem Nissan glücklich sein“, sagte der Porsche-Fan und nahm den Geländewagen mit nach Tschechien.

Heimflug nach Japan

Der Deutsche Sven Hannawald gewann 2002 als erster Springer alle vier Tournee-Wettkämpfe. 30 Jahre zuvor stand nach drei Erfolgen der Japaner Yukio Kasaya vor dem ersten Grand Slam, musste dann aber vor dem Finale abreisen, weil die Asiaten zeitgleich die nationale Qualifikation für Olympia in Sapporo angesetzt hatten.

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