Sport | Wintersport
03.12.2017

Vertuschter sexueller Missbrauch in Skihauptschule Neustift

Der Täter nahm sich Buben vor, wurde gedeckt und blieb lange in seinem Amt.

Es vergeht kein Tag, an dem sich die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs im österreichischen Ski-Sport nicht verhärten. Nachdem ein Ex-Aktiver schwere Vorwürfe gegen die Zustände im Skigymnasium Stams erhoben hatte, berichtet der Standard am Sonntag darüber, dass in der damaligen Skihauptschule Neustift sexueller Missbrauch an jüngsten Schülern vertuscht wurde.

"Mehrere ehemalige Schüler und eine Mutter eines Betroffenen berichten von sexuellem Missbrauch durch den damaligen Internatsleiter. Die Taten seien keine Einzelfälle und der Schulleitung, die damals dem Tiroler Skiverband (TSV) unterstand, bekannt gewesen", heißt es in dem Bericht über die Zustände in der Schule, in der in den 70er Jahren viele spätere Ski-Größen ausgebildet wurden.

Heimleiter wurde gedeckt

Die "Kombination aus Leistungsdruck und Hörigkeit" soll demnach verhindert haben, dass die Missbrauchsfälle geheim gehalten wurden und nicht an die Öffentlichkeit durchsickerten. Statt Konsequenzen zu ziehen, wurde der Täter - damaliger Heimleiter - gar gedeckt und blieb folglich auch im Amt. "Die Buben haben Angst gehabt, panische Angst", erzählte die Mutter eines ehemaligen Schülers, der als ein großes Talent galt, dieses aber nie ausschöpfen konnte und 1981 an einer Überdosis Heroin starb.

Seiner Mutter gegenüber öffnete sich der betroffene Schüler erst dann als zwei seiner Schulkollegen ihren Eltern von sexuellem Missbrauch durch den damaligen Heimleiter erzählten: "Ich habe ihn darauf angesprochen, und er hat schließlich erzählt, dass dieser Mann jede Woche zu ihnen ins Bett kam." Auch weitere ehemalige Mitschüler und eine Person aus dem Betreuerteam bestätigten dem Standard diese Darstellung. Alle Gesprächspartner wollten anonym bleiben und die Details nur der Staatsanwaltschaft schildern.

Das war ein Mordstheater an der Schule

Zur Absetzung des Täters kam es erst durch die Intervention eines einflussreichen Schülervaters. Offenbar war zuvor auch sein Sohn zum Opfer geworden. "Er war offenbar ein Pädophiler. Das war ein Mordstheater an der Schule. Alle wussten es damals", wird die Mutter zitiert. Der Täter musste allerdings lediglich seine Leitungsfunktion im Internat aufgeben, im Schuldienst blieb er aber.