Eiskunstlauf-Ikone Trixi Schuba: „Mir ist die Show schon zu viel“
Olga Mikutina
Als das Fernsehen Mitte des letzten Jahrhunderts möglich und modern wurde in Österreich, waren die Wirtshäuser überfüllt beim kollektiven Eiskunstlauf-Bewundern vor kleinen Schwarz-Weiß-Apparaten. Zumal immer wieder Medaillengewinne dank mehrheitlich Wiener Schlittschuh-KünstlerInnen bejubelt werden konnten. Inzwischen gilt’s als Erfolg, wenn wer vom ÖOC-Aufgebot – wie in Mailand die gebürtige Ukrainerin Olga Mikutina – die Qualifikation übersteht. Aber das ist nicht der Grund, der Österreichs letzte Eiskunstlauf-Olympiasiegerin und Doppelweltmeisterin Trixi Schuba traurig stimmt.
Trixi Schuba
KURIER: Hätten Sie 1972 nach Ihrem Olympiasieg gedacht, dass das Warten auf eine goldene Nachfolgerin auf unbestimmte, um nicht zu sagen für ewige Zeiten prolongiert ist?
Trixi Schuba: Nein. Obwohl ich dafür niemandem einen Vorwurf mache. Denn ich war ein bissel mitschuld, weil ich im Pflichtbewerb vor allem in Sapporo so überlegen gewesen bin, dass man danach die Pflicht abgeschafft hat. Und die Pflicht war eine österreichische Stärke. In Sapporo hab ich übrigens um meine Teilnahme zittern müssen.
Wegen Karl Schranz?
Ja. Nach seinem Ausschluss ist im Raum gestanden, dass wir Österreicher aus Protest alle aus Japan abreisen sollten.
Was den Amateurparagraf betraf, über den der damalige IOC-Präsident Avery Brundage den Skistar Schranz stolpern ließ, seid Ihr Eiskunstläufer unverdächtig gewesen?
Ich bin ab 14 parallel zur Schule im Holzgeschäft meiner Eltern Lehrling gewesen. Ich hab auch später immer Sozialversicherung gezahlt und alle erforderlichen Versicherungsjahre erreicht. Die Mama hat darauf geschaut. Wofür ich ihr heute noch dankbar bin. Denn ich hätte mit 21 nie an die Pension gedacht.
Immerhin wird sich das Olympia-Gold bei der Eisrevue ein bissel versilbert haben lassen?
Ich war sechs Jahre lang mit Holiday on Ice auf Tournee. Die Zeit will ich nicht missen. Dadurch hab ich die ganze Welt gesehen, bin selbstständiger geworden. Die Tourneen haben jeweils elf Monate gedauert. Einmal sogar 13 Monate. So lang sind wir ununterbrochen in Südamerika aufgetreten.
Gab es dort bei 35 Grad überhaupt geeignetes Eis ?
Zwei Eismaschinen-Wagen fuhren uns stets voraus.
Bei der US-Revue wart Ihr auf Show spezialisiert. Aber jetzt bei Olympia ist der Olympiasiegerin Schuba die Show ...
... zu viel. Vor allem bei der Eröffnungsfeier. Warum wurde die an mehreren Orten krampfhaft aufgeblasen. Ich empfand’s als unzumutbar, dass man die Show über dreieinhalb Stunden dauern und die Sportler dann bis Mitternacht dort warten hat lassen. Die Sportler dienen immer öfter nur noch als Statisten. Das widerspricht der Idee vom Olympia-Gründer Pierre de Coubertin.
1976 bei den Spielen in Innsbruck bestand das Programm aus 37 Bewerben. 50 Jahre danach sind es 116. Gut so?
Für meinen Geschmack schon inflationär. Aber mehr Wettkämpfe bedeuten mehr Möglichkeiten für Werbung. Und mehr Werbung bedeutet mehr Geld.
Stimmt’s, dass die Olympiasiegerin Schuba, die nach ihrer Eiszeit bis zur Pensionierung 36 Jahre für die Wiener Städtische tätig war, der eigenen privaten Krankenversicherung fast nie Kosten verursachte?
Im Sport sind mir Verletzungen erspart geblieben. Erst in der Pension brach ich mir den Arm – als ich mit dem Hund im Wald spazieren ging und stolperte. Und das zweite Mal im Haushalt.
Von dem so traditionsreichen österreichischen Eiskunstlaufverband, dessen Präsidentin zwischenzeitlich auch Beatrix Schuba hieß, schaffte es mit der aus Charkiw stammenden Olga Mikutina nur eine einzige Vertreterin für Rot-Weiß-Rot zu Olympia 2026.
Olga ist erst 22 Jahre alt. Übersiedelte von Feldkirch zum Studieren und Trainieren in die USA. Das ist legitim. Eine Medaille war kein Thema. Die Konkurrenz ist enorm. Vor allem die nichteuropäische Konkurrenz.
PS: Im Gegensatz zu Olga Mikutina durfte eine deutsche Läuferin am gestrigen olympischen Finalabend erst gar nicht aufs Mailänder Eis.
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