epa03501267 Tina Maze of Slovenia celebrates in the finish area after taking the second place in the women's Super G race of the Alpine Skiing World Cup in St. Moritz, Switzerland, 08 December 2012. EPA/ARNO BALZARINI

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Ski
12/19/2012

Tina Maze: Showgirl im Schnee

Die Slowenin Tina Maze dominiert eindrucksvoll die Ski-Saison

von Stefan Sigwarth

Es ist ja nur gut, dass Najevska Lipa so entspannt ist. Noch immer gilt sie als prominenteste Bewohnerin von Crna na Koroskem, dem slowenischen 2300-Einwohner-Dorf nahe der Grenze zu Kärnten.

Doch eine 29-jährige Skifahrerin ist drauf und dran, Najesvka Lipa den Rang abzulaufen. Tina Maze ist zwar am Mittwoch beim Riesentorlauf in Åre hinter der Deutschen Viktoria Rebensburg und der Österreicherin Anna Fenninger nur Dritte geworden, hat trotzdem aber schon fünf Siege in der 13 Rennen jungen Weltcup-Saison, damit ist sie slowenische Rekordhalterin.

Najevska Lipa sollte sich also warm anziehen, allerdings wird das schwierig, denn Najevska Lipa ist eine rund 800 Jahre alte Linde.

Gute Laune

Tina Maze, die sich schon auch einmal mit ihrem italienischen Lebensgefährten und Trainer Andrea Massi Box-Einlagen liefert, die manchen als Prototyp der Ski-Zicke gilt, sie hat gute Laune in diesen Wochen. Das war beileibe nicht immer so.

Oft waren ihre Serviceleute die Leidtragenden, zwei wurden in den letzten Jahren gefeuert, einer floh Hals über Kopf, weil er sich die Auszucker nicht mehr antun wollte. Und zuweilen waren es auch die Journalisten, die nur wissen wollten, was ihr, Maze, denn etwa auf Branchengrößen wie Marlies Schild oder Lindsey Vonn noch fehle. "Ich bin nicht hier, um über andere zu reden", fauchte Maze dann, ihre Augen funkelten und mancher ging schon in Deckung.

Vielseitigkeit

Im Dezember 2012 nun zeigt sie auch ihre andere Seite. Tina Maze ist eloquent, sprachbegabt (Slowenisch, Deutsch, Italienisch, Englisch), an ihrem Französisch muss sie halt noch feilen, denn aufs Stichwort "Gagner"  (zu Deutsch "Gewinnen") fiel ihr in Courchevel auf die Schnelle erst einmal der omnipräsente "Gangnam Style" des südkoreanischen Entertainers PSY ein. Maze lächelte, blickte leicht verlegen drein, es schien, als hätte sie auch ihren Charme trainiert im letzten Sommer.

Sicher trainiert hat sie ihren Körper: Die Umfänge im Kraft- und Ausdauerbereich wurden heuer um 20 bis 25 Prozent erhöht. Klingt vertraut? Ist vertraut – auch ihr Riesenslalom-Pendant bei den Herren, der Amerikaner Ted Ligety, hat viel mehr an sich gearbeitet als früher.

Das kommt Maze nun (nicht nur) in ihrer Spezialdisziplin zugute, in der sie ja auch amtierende Weltmeisterin ist. Die neuen Skier (länger, schmäler) erfordern "viel  Kraft und eine gute Technik. Und eine perfekte Materialabstimmung", sagt Maze. Sie profitiert davon, dass sie 2008 im Streit den slowenischen Skiverband verlassen und ihr eigenes "Team to Amaze" (erstaunliche Mannschaft) gegründet hat, in dem sich alles um sie dreht.

Und ganz wichtig ist Andrea Massi: Eigentlich ein Leichtathletiktrainer, musste er sich seine Position im Skiweltcup erst erarbeiten, ein Schicksal, das er mit manchem Branchenfremden in der Berufswelt teilt.

"Ich muss allen danken, die mich in den letzten Jahren so weit nach vorn gebracht haben", sagt Maze demütig, und da gehört auch die kleine Schweizer Skischmiede Stöckli dazu. 45.000 Paar Skier produzieren die 230 Mitarbeiter in Wolhusen im Kanton Luzern, Atomic baut rund das 15-Fache.

Neben Maze werden nur wenige Weltcupstarter ausgestattet (die Schweizerinnen Fränzi Aufdenblatten, Andrea Dettling, Nadja Kamer, Fabienne Suter sowie Marusa Ferk und Andrej Jerman aus Slowenien), Maze wünscht, Stöckli spielt. Ein Ergebnis ist das Engagement von Andrea Vianello im Sommer – der Italiener war Servicemann von Alberto Tomba und Julia Mancuso.

Favoritenrolle

Vierte, Dritte und Zweite war Tina Maze in den letzten drei Saisonen im Gesamtweltcup, nun scheint es, als wäre die Zeit reif für ihre erste große Kristallkugel: Lindsey Vonn nimmt eine Auszeit, Maria Höfl-Riesch ist nicht in Bestform (der deutsche Alpindirektor Wolfgang Mayer nannte ihre jüngsten Darbietungen "Pille-Palle"), und Kathrin Zettel geht nur in zwei Disziplinen an den Start. "Ich hatte das schon in den letzten drei Jahren im Hinterkopf", sagt Tina Maze, "im Moment funktioniert es sehr gut. Wir sind einen Schritt weiter als im letzten Jahr. In den letzten Jahren hatte ich gute Platzierungen, aber zu wenig Siege."

Nun sind es schon 16 in ihrer Karriere; 1999, mit gerade einmal 15 Jahren hatte sie im Weltcup debütiert und 2002 ihren ersten Erfolg gefeiert – in jenem denkwürdigen Riesenslalom von Sölden, als auch Nicole Hosp und Andrine Flemmen zeitgleich Erste waren. Die Norwegerin hat inzwischen aufgehört, die Tirolerin sucht Form und Konstanz. Und Tina Maze ist in der Hochform ihres Lebens. Im Gesamtweltcup liegt sie 351 Punkte vor Maria Höfl-Riesch, 393 vor Kathrin Zettel und schon 445 vor Lindsey Vonn.

Im Blickpunkt

So ganz geheuer ist ihr das alles freilich noch nicht, "ich bin selbst erstaunt, was für eine tolle Form ich habe. Aber es wird nicht leicht, sie zu halten." Doch Maze entdeckt inzwischen neben dem Gewinnen auch andere Seiten an sich: Ihr Video "My Way is my Decision" wurde auf YouTube schon 910.000-mal aufgerufen, die Single brachte ihr Platz eins in der slowenischen Hitparade. "Trotzdem", beharrt Maze, "ich bin Skifahrerin. Das zählt."

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