Tag 3: Schneller Einkehrschwung zu den Goldgräbern

Ski-Jöring: Lenker und Skifahrer müssen einen gemeinsamen Rythmus finden. © Bild: Fulda Reifen / Christine Kappes/Martin Haeusserman

532 Kilometer vereiste Straßen, Ski-Jöring und der "Dawson City Gold Rush Run": Der dritte Tag führte die Teilnehmer der Fulda Challenge in den einsamen Norden des Yukon.

In Österreich kommen einem auf 532 Autobahnkilometer mehrere tausend Autos entgegen. Auf dem North Klondike Highway in Kanada sind es 25. Bei der Fulda Challenge im Yukon Territorium gilt: Wer weit kommen und etwas erreichen möchte, sollte früh aufstehen. Besonders wenn hunderte Kilometer auf vereisten Straßen zurückzulegen und zwei Wettkämpfe bei arktischen Temperaturen durchzustehen sind. Der Tag begann deshalb zeitig: Um 08:00 Uhr bog der Fulda-Konvoi auf den North Klondike Highway und begann die Kilometer zu schnupfen. Das Ziel: Dawson City. Die sportlichen Challenges des Tages: Ski-Jöring bei der Braeburn Lodge und der "Dawson City Goldrush Run". Man fuhr zügig, aber mit Bedacht und mit jedem Meter rückte der menschenleere Yukon näher.

Skandinavischer Yukon

Die Braeburn Lodge dient auch als Checkpoint beim Yukon Quest, dem härtesten Hundeschlitten-Rennen der Welt.
© Bild: KURIER / Pascal Sperger

Das Thermometer im beheizten Auto zeigte "- 40° C" an. Und das sollte den ganzen Tag so bleiben. Tatsächlich lag die Temperatur jedoch bei 46 Grad unter Null. Das Fahrzeug ist schlichtweg nicht drauf programmiert, strengeren Frost in Zahlen auszudrücken.

Nach rund einer Stunde Autofahrt parkte man bei der Braeburn Lodge, dem letzten existierenden Roadhouse – einer Art Gasthaus – im Yukon. Die Lodge ist berühmt für ihre medizinballgroßen Zimtschnecken, Burger und Sandwiches. Sie wird heute hauptsächlich von Touristen, Hundeschlittenführern und Piloten besucht. Gegenüber befindet sich ein kleiner Behelfsflugplatz auf dem die erste Challenge des Tages, das Ski-Jöring, stattfand.

Minus 46 Grad: Nach 30 Sekunden ohne Handschuhe oder Gesichtsschutz tut es weh.
© Bild: KURIER / Pascal Sperger

Die skandinavische Wintersportart, die auf dem Prinzip des Wasserskifahrens basiert, heizte den Teilnehmern ordentlich ein. Die Kombination von Auto- und Schifahren erfordert Kommunikation, vorausschauende Fahrweise und Talent für die Brettln. Das Zusammenspiel funktionierte erneut bei den Schweizern, Jelena Maksimovic und Angelo Brack, am besten. Sie gewannen die Teamwertung. Das österreichische Duo Angelika Hohenwarter und Martin Zach bekamen zwar einige Strafsekunden, sicherten sich aber noch den dritten Platz und die wohl schnellste Zieldurchfahrt des Tages. Martin Zach meinte: "Ich hab beschleunigt. 40, 50, 60 Stundenkilometer. Und Angie brüllt immer noch: ‚Schneller, schneller!‘. Kurz vor dem Ziel hing sie wohl bei 90 Sachen an der Leine."

Eiskalter Goldrausch

Jenke von Wilmsdorff mit dem vegetarischen Burger-Brater Steve Watson.
© Bild: Fulda Reifen / Christine Kappes/Martin Haeusserman

Nach dem ersten Event wärmten sich Athleten, die Fulda-Crew und Journalisten in der Lodge und stärkten sich für die restlichen 360 Kilometer Autofahrt mit XXXL-Burger. Gebraten wurden diese vom Besitzer und Vegetarier Steve Watson. Anschließend ging es auf große Fahrt. Mit jedem Meter, mit dem man sich von der Lodge entfernte, kam der Konvoi der Wildnis näher. Nach insgesamt sechs Stunden auf fast einsamer Eisfahrbahn erreichte man die Goldgräberhauptstadt Dawson City, wo am Abend vor dem Downtown Hotel die nächste Härteprobe auf die Teilnehmer wartete.

Martin Zach im Finish: "Die Kälte lässt dir keine Luft zum Atmen."
© Bild: Fulda Reifen / Christine Kappes/Martin Haeusserman

Der "Dawson City Gold Rush Run" ist eine Disziplin bei dem sich der unsportliche Zuschauer die Fragen stellt: Warum in drei Teufels Namen tut man sich das an? Was treibt einen dazu, bei dieser Eiseskälte 6,9 Kilometer zu laufen? Ist es der Ehrgeiz oder die Lust, die eigenen Grenzen zu überschreiten und etwas durchzustehen? Anders kann man sich es nicht wirklich erklären. Martin Zach meinte nach dem Rennen: "Bei der Kälte bekommt man keine Luft in die Lungen und keinen Sauerstoff in die Beine. In der letzten Runde glaubte ich, ich renne den Schafberg hoch. Dabei war es nur eine leichte Steigung." Was auch immer die mentale Triebfeder für den sportlichen Masochismus in der Tiefkühltruhe Kanadas sein mag, es gibt Produkte, die das Leiden lindern. Angelika Hohenwarter verriet beim Aufwärmen, dass sie vor allem Fett vor der Kälte schützen soll. Nicht in Form von Burger, Steak und Pommes, sondern als Creme. Und die wird laut Selbstaussage großzügig auf Gesicht, Arme, Beine und Po aufgetragen. Der Lauf war trotzdem eine Tortur. Aber beendet haben ihn beide Österreicher. In der Teamwertung landeten sie auf Platz 5. Die Deutschen Berit Diel und Alexander Lang gewannen nach dem Cross-Country-Skilauf nun auch den zweiten Ausdauerwettbewerb. Die Schweizer zeigten ebenfalls erneut eine starke Leistung und landeten auf dem dritten Platz.

Egal ob es einen wegen Gold, Erholung, Abenteuer, Einsamkeit oder Erfolg in den Yukon zieht. Das Territorum im Norden Kanadas hat Kraft. Und die hält vielleicht nicht jeder aus. Nicht umsonst leben so wenige Menschen in dem Gebiet.

Der Zwischenstand nach sechs Bewerben

Platz 1: Diel & Lang (Team Deutschland 2) – 87 Punkte

Platz 2: Maksimovic + Brack (Team Schweiz) – 86 Punkte

Platz 3: MacKenzie + Smith (Team Kanada) – 77 Punkte

Platz 4: Beer / Mühle (Team Deutschland 2) – 62 Punkte

Platz 5: Hohenwarter / Zach (Team Österreich) – 58 Punkte

Platz 6: Theiss / Schönfelder (Team Deutschland 4) – 51 Punkte

Platz 7: van de Mars / von Wilmsdorff (Team Deutschland 1) – 25 Punkte

Den ersten beiden Tage der Fulda Challenge 2012 im Yukon/Kanada können Sie unter folgendem Link nachlesen:

Weiterführende Links

( Kurier ) Erstellt am 17.01.2012