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09.01.2018

Skifest: Eine steile Sache in Flachau

Der Rest der Welt gegen Mikaela Shiffrin - die österreichischen Slalom-Damen über Mittel, Wege und Chancen vor 12.000 Fans.

Wenn am Dienstagabend die besten Slalom-Damen der Welt unter Flachauer Flutlicht vor 12.000 Fans die Hermann-Maier-Weltcupstrecke hinabrasen, dann stehen sie vor einer nahezu einmaligen Chance. Denn kaum woanders sind die Chancen so gut wie im Pongau, Mikaela Shiffrin doch einmal nahezukommen – oder sie gar hinter sich zu lassen.

Nur zwei Siege hat die Frau der Stunde bislang in Flachau erzielt, den ersten 2013, den zweiten 2014, seither reichte es für die Amerikanerin nur zu zwei dritten Plätzen: 2015 hinter der Schwedin Frida Hansdotter und der Slowenin Tina Maze, im vergangenen Jahr landete sie ex aequo mit der Schweizerin Wendy Holdener hinter Hansdotter und der Norwegerin Nina Haver-Løseth, die damals noch keine Ehefrau mit Doppelnamen war. Die zwei Slaloms 2016 verpasste die 22-Jährige verletzt.

165.789 Euro Preisgeld brutto werden heuer auf die Plätze eins bis 30 verteilt, die Siegerin bekommt 67.524,50 Euro, die Dreißigste immerhin noch 512,64 Euro. Los geht’s um 18 Uhr, und auch das Finale ab 20.45 Uhr ist live inORFeins zu sehen. Ein Tipp für alle, die vor Ort sind: Ab 19.15 Uhr spielt Christina Stürmer auf der Bühne im Ortszentrum auf.

Wie Mikaela Shiffrin zu packen sein könnte, das zeigte der zweite Durchgang im sonntäglichen Slalom von Kranjska Gora, als Bernadette Schild Laufbestzeit fuhr und Fünfte wurde. Am 30. Dezember hatte die 28-jährige Saalfeldnerin die Koffer gepackt, und nach Stationen in Oslo, Zagreb und eben Kranjska Gora "hab’ ich jetzt volle Lust auf das große Finale dieser Tournee". Mit Flachau verbindet Österreichs Nummer eins im Slalom freilich gemischte Gefühle. "Ich hatte ja noch nicht so viele Erfolgserlebnisse hier", ein sechster Rang 2013 und ein siebenter 2017 waren bislang die Highlights.

Der Haken: "Ich mache immer Zeit in den Steilhängen gut, hier gibt es aber keinen, über den man technisch gut drüberkommen müsste." Die Lösung? "Frech, locker und mit Zug skifahren", so, wie es die Branchenbeste aus den USA vormacht. "Es gehört auch Mut dazu, das zuzulassen. Die rundere Linie ist immer sicherer, aber kleine Fehler kann man bei frecher Fahrt korrigieren." Und so ist und bleibt Mikaela Shiffrin eben immer und überall in aller Munde. Wobei: "Auch Marlies war schon weit vor der Konkurrenz, das war aber hart erarbeitet, und dann ist es halt irgendwann gelaufen", betont Bernadette Schild.

Theorie & Praxis

"Mikaela zieht jeden Schwung durch, andere nehmen eher ein bissl raus", erklärt die Niederösterreicherin Katharina Huber. "Sie hat eine stabile Position, keine Rutschphase", ergänzt die Kärntnerin Katharina Truppe, die ihre Verkühlung auskuriert hat. "Wie sie die Linie wählt und gefühlvoll einen Schwung fährt, da kann man sich einiges abschauen", weiß die Niederösterreicherin Katharina Gallhuber.

Und die Vorarlbergerin Katharina Liensberger, die Vierte im K-Bunde der ÖSV-Slalom-Damen, schließt Marcel Hirscher in ihre Lobeshymne ein: "Marcel und Mikaela zuzuschauen, ist toll: Beide fahren unglaublich stabil und konstant."

Zum letzten Mal tritt am Dienstagabend Michaela Kirchgasser den Weg durch den Flachauer Stangenwald an. Nach ihrer Knochenprellung im rechten Knie hat die 32-jährige Filzmooserin bis am vergangenen Freitag pausieren müssen. "Dann habe ich die ersten fünf Trainingsfahrten gemacht, doch das Knie hat reagiert und ist angeschwollen."

Zwei Tage war Kirchgasser zur Passive gezwungen, am Montag legte sie drei Fahrten nach. "Da ist es vor allem darum gegangen, dass ich mich überwinde." Nun geht es für die Gemahlin von Sebastian Kirchgasser darum, "daheim zu zeigen, dass es mich auch noch gibt. Denn nur wegen dem Teambewerb will ich auch nicht zu Olympia nach Südkorea."

Der Slalom und vor allem die Kombination sind die großen Ziele von Michaela Kirchgasser, die sie ohne Schmerzmittel, dafür aber mit Umschlägen mit Topfen, Arnika und Retterspitz zu erreichen hofft. Klar ist für sie jedenfalls schon jetzt: "Das rechte Knie werde ich wohl noch bis nach Olympia spüren."