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07.02.2017

Ski-WM: Schweizer Heimvorteil, der keiner ist

Die Schweizer Fans wünschen sich bei ihrer 5. Heim-WM in St. Moritz Medaillen. © Bild: AP/Peter Schneider

Die Schweizer Erwartungen an ihr Ski-Team sind hoch - der Druck ist es auch.

Es soll das Größte in der Karriere eines Sportlers sein, bei einer Weltmeisterschaft im eigenen Land starten zu dürfen. Doch oft genug schon hat sich der Heimvorteil als Heimnachteil erwiesen.

Schlag’ nach bei den Österreichern 2013 in Schladming, als Nicole Hosp erst im dritten Bewerb (= Kombination) die erste Medaille für Rot-Weiß-Rot holte; in den vier Speedrennen blieb das ÖSV-Team überhaupt unbelohnt. "Wir werden massive Kritik zu spüren bekommen von Medien und unzufriedenen Fans", sagte der damalige Herren-Cheftrainer Mathias Berthold. So kam es auch.

Wie gehen nun die Schweizer in ihre Heim-WM? Die ersten Medientermine zeigten zunächst einmal eines: Die Verantwortlichen von Swiss-Ski waren ob des Interesses überrascht. Lara Gut sollte ihren ersten Auftritt in einem Raum mit 40 Plätzen absolvieren, gut 80 Medienvertreter quetschten sich dann hinein, zwei Dutzend weitere warteten vor der Tür – ohne Chance, etwas zu hören. Draußen lief Lindsey Vonn vorbei. Unbeachtet.

Der Fokus ist eingestellt, die Scheuklappen ebenfalls. Und, Lara Gut, wie wollen Sie die WM retten? "Es gibt nichts zu retten. Denn es ist toll, was Wendy Holdener leistet und die Speed-Jungs. Ich werde mein Bestes geben – und ich kann nur meine eigene Leistung beeinflussen."

"Lara ist sehr hart im Nehmen", sagt der Österreicher Hans Flatscher, der das Schweizer Damen-Team leitet. Seine Nummer eins leidet an den Folgen ihres Torstangen-Hoppalas im Super-G von Cortina, der rechte Oberschenkel schmerzt. "Aber wenn sie Bindung und Schuhe geschlossen hat, wird sie nicht daran denken."

Die Eidgenossen setzen auf dosierte Medienkontakte, bis zum Ende der Speedbewerbe wird es keine weiteren Termine geben. "Ich bitte Sie da um Verständnis", sagt Lara Gut, "ich brauche die Zeit für die Therapie und für mich. Helfen Sie mir."

Anna Veith weiß, was zu tun ist: "Lara darf sich nicht verrückt machen lassen. Ich weiß seit Schladming, wie schwer das ist, wenn man im Fokus steht und als Favoritin anreist. Sie ist sehr erfahren, was das betrifft. Ich traue ihr zu, dass sie das meistert."

Erfahrungswerte

Patrick Küng, der Titelverteidiger in der Abfahrt, hat den Vorteil, nicht Lara Gut zu sein, eine Saison wegen Knieproblemen verpasst zu haben und heuer noch nicht auf Touren gekommen zu sein. Den großen Druck hat er nicht, aber: "Auch vor der WM 2015 habe ich mich nicht gut gefühlt, und ich hatte auch keine besonderen Resultate – aber bei einer WM ist es halt ganz schnell möglich, dass du ganz vorne bist."

Ganz anders sieht es da bei Beat Feuz aus, der beim St. Moritzer Weltcup-Finale 2016 Abfahrt und Super-G gewonnen hat und zuletzt in der zweiten Abfahrt von Garmisch und im Super-G von Kitzbühel jeweils Dritter war. "Sicher ist das Selbstvertrauen jetzt groß", sagt der Emmentaler, zumal er nach seinem Crash in der Hahnenkamm-Abfahrt inzwischen wieder das "normale Therapieprogramm" machen kann. "Aber das hier sind ganz andere Rennen, die Kurse werden ganz anders als im letzten Frühjahr gesetzt sein, und der Schnee ist ein anderer – damit ist unser Heimvorteil eigentlich weg."

Freilich hofft Feuz, der am (Abfahrts-)Samstag seinen 30. Geburtstag begeht, auf eine große Feier. "Denn wenn es nur um den Geburtstag geht, dann wird das eher im kleineren Rahmen sein."

Beat Feuz, der Lockere, lacht. Das kann viel Gutes für die Eidgenossen bedeuten.