Nicht immer eitel Wonne: Mikaela Shiffrin und Lindsey Vonn im März 2017

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Sport Wintersport
10/08/2020

"Sie müsste anderen helfen": Vonn kritisiert Shiffrin

Die erfolgreichste Speed-Fahrerin der Skigeschichte findet, die erfolgreichste Slalom-Fahrerin der Skigeschichte sei egoistisch.

von Stefan Sigwarth

Zehneinhalb Jahre trennen die beiden erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Geschichte. Hier Lindsey Vonn, 35, vier Gesamtweltcupsiege, zweimal Weltmeisterin, einmal Olympiasiegerin, 82 Weltcupsiege; dort Mikaela Shiffrin, 25, drei Gesamtweltcupsiege, fünfmal Weltmeisterin, zweimal Olympiasiegerin, 66 Weltcupsiege. Doch dem jüngsten Interview von Lindsey Vonn nach zu urteilen, trennt sie mehr, als sie verbindet.

Es ist schon bemerkenswert, was Lindsey Vonn da in der neuesten Episode der Interviewreihe "In Depth with Graham Bensinger" von sich gibt. "Als professionelle Sportlerin und speziell als die Beste aller Zeiten hast du die Verantwortung, anderen zu helfen. Denn du bist in der Position, so viele Leute positiv zu beeinflussen - ich habe nicht den Eindruck, dass diese Möglichkeit so genutzt wird, wie es der Fall sein könnte."

Getrennte Wege

Fast schon kurios mutet es an, wenn man die letzten Monate der beiden Revue passieren lässt. Lindsey Vonn, die sich auf den roten Gala-Teppichen dieser Welt ebenso wohl fühlt wie einst auf dem Schnee, hat heuer ihr Haus in Vail verkauft und ist seit August mit P.K. Subban verlobt, dem Verteidiger des Eishockey-Teams New Jersey Devils. Schon seit dem vergangenen Jahr macht sie beruflich gemeinsame Sache mit Action-Star Dwayne "The Rock" Johnson, beide verbindet der gemeinsame Bekleidungssponsor Under Armour, Vonn ist die erste globale Botschafterin für Johnsons Produktlinie.

Mikaela Shiffrin hingegen hatte zwei Trauerfälle zu verarbeiten. Erst starb im vergangenen November ihre geliebte Großmutter, Anfang Februar verlor sie ihren Vater nach einem tragischen häuslichen Unfall, unterbrach die Saison - und als sie im März endlich im schwedischen Åre wieder einen Versuch im Weltcup starten wolllte, sorgte die Corona-Pandemie für das Saisonende. Die 25-Jährige ist inzwischen wieder in Europa, hat sich seither aber oft die Sinnfrage gestellt. Warum all die Reisen, warum immer so lange so weit weg von den Menschen, die ihr wichtig sind?

"Wenn meine Mutter nicht dabei wäre, würde ich es nicht tun", bestätigte Mikaela Shiffrin erst zu Wochenbeginn ihr Bedürfnis nach Nähe. Eileen Shiffrin ist Trainerin, Mentorin, beste Freundin; ein Versuch, sich abzunabeln, ist seit dem Tod von Vater Jeff vorerst einmal wieder Geschichte.

Gemeinsam Gutes im Sinn

Was beide eint: der Einsatz für karitative Zwecke. Schon seit einigen Jahren fördert Lindsey Vonn den Ski-Nachwuchs mit ihrer eigenen Stiftung, "viele junge Skifahrerinnen hören irgendwann einfach auf, weil sie sich den Sport nicht leisten können. In Europa kann man einen Liftpass teilweise schon für 15 Euro kaufen. In den USA geht es bei 150 Dollar los." Unter den Profiteurinnen ist übrigens auch der neuseeländische Riesenslalom-Shooting-Star Alice Robinson.

Und Mikaela Shiffrin hat nun ebenfalls eine Stiftung initiiert. "Es war der Vorschlag eines sehr großen Unterstützers des US-Ski-Teams", sagte sie unlängst in der "Today Show" des amerikanischen TV-Senders NBC, "du könntest doch eine Stiftung oder einen Fonds gründen, um deinen Vater zu ehren." Der Jeff Shiffrin Athlete Resiliency Fund wurde nun von einigen Familien bereits mit 1,5 Millionen Dollar gefüllt, der US-Skiverband will die gleiche Summe auftreiben, um Athleten durch die Corona-Pandemie zu helfen. "Manche müssen einen zweiten oder dritten Job annehmen, um sich überhaupt das Training leisten zu können", diese Lücke soll nun gefüllt werden.

Zwei Stars, zwei Mentalitäten

Es sind die verschiedenen Charaktere zweier Ausnahmekönnerinnen, die da aufeinanderprallen. Mikaela Shiffrin wird sich in ihrer tiefen Demut und Dankbarkeit hüten, eine Spitze gegen ihre Landsfrau abzufeuern, die sich in der Öffentlichkeit so überaus wohlfühlt. Und zu Lindsey Vonn sei angemerkt, dass sie ja auch oft ihr eigenes Ding machte. Im Training - und auch sonst.

Exemplarisch sei diese Episode vom Skiweltcup in Altenmarkt-Zauchensee anno 2017 berichtet: Am Vormittag des 12. Jänner hieß es, Julia Mancuso (Olympiasiegerin!) werde sich nach langer Verletzungspause endlich wieder einmal den Journalisten stellen. Im Laufe des Tages änderte sich der Name der Dame auf dem Podium, und so erschien dann Lindsey Vonn in Begleitung von Hündchen Lucy...

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