Jede Menge Arbeit vor der Heim-WM

Mit den Slaloms in Zagreb geht der Weltcup in seine heiße Phase: Im Jänner folgt Klassiker auf Klassiker, im Februar die WM.

In 33 Tagen geht’s los: Dann beginnt in Schladming die alpine Ski-WM, für viele – zumindest in Österreich – das Sport-Highlight des Jahres. Bis dahin haben die Damen und Herren Skifahrer freilich noch jede Menge Arbeit vor sich; bereits am Freitag haben die Damen ihren Nachtslalom am Zagreber Hausberg Sljeme zu absolvieren, am Sonntagnachmittag folgen die Herren in die kroatische Hauptstadt.

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© Bild: reuters
Große Abwesende ist sowohl in Zagreb als auch bei der WM Marlies Schild, die sich von ihrem Innenbandriss im Knie erholt; damit fallen die Fans in Kroatien auch um die Rekordsiegerin am Sljeme um – vier der acht Damen-Rennen hat sich die 31-jährige Torlauf-Weltmeisterin aus Saalfelden gesichert.

Die Rennen in Zagreb, die einst im Zuge des Booms um Janica Kostelic erfunden worden sind, ziehen noch immer Zehntausende die enge Straße auf den Berg hinauf; und auch wenn die kroatischen Hoffnungen auf den ersten Heimsieg in bislang 13 Anläufen noch immer enttäuscht worden sind, sind die Fans doch stets aufs Neue enthusiastisch und lautstark.

Immerhin konnten sie schon sechs Podestplätze bejubeln: Bei der zweiten Auflage im Jahr 2006 wurde Janica Kostelic Dritte, nachdem sie bei der Premiere ausgeschieden war, 2007 war Ana Jelusic Zweite. Noch besser sieht die Bilanz bei den Herren aus: Ivica Kostelic war bislang vier Mal auf dem Podest (3x Zweiter, 1x Dritter), einmal schied er aus. Insgesamt fehlten dem 33-Jährigen 96 Hundertstelsekunden auf den Sieg.

Personalmangel

Doch hinter Ivica Kostelic, 2010/’11 Gesamtweltcupsieger, sieht es düster aus: Weltcuptaugliche Damen sind nach dem Rücktritt von Slalom-Spezialistin Ana Jelusic, die seither für den Internationalen Skiverband FIS arbeitet, Mangelware. Bleibt nur noch Natko Zrncic-Dim, der 2009 bei der WM in Val d’Isère Kombi-Bronze geholt hat, aber abseits seiner Spezialdisziplin (vier Weltcup-Podestplätze) kaum auffällt und nach einem Sturz Anfang Dezember in Beaver Creek bis März wegen einer lädierten Schulter ausfällt.

Der Sljeme ist seit der Premiere vor acht Jahren ein richtiger Österreicher-Berg geworden: Neben ihren vier Siegen wurde Marlies Schild 2005 Dritte und 2008 Zweite, Kathrin Zettel war 2006 und 2010 Zweite, vor einem Jahr belegte Michaela Kirchgasser den dritten Platz. Weitere Siege in Rot-Weiß-Rot feierten Mario Matt und zuletzt Marcel Hirscher, einmal wurde Reinfried Herbst Dritter.

Und der Sljeme ist der Startschuss zum Monat der großen Torläufe: Die Damen fahren im Jänner noch den Klassiker in Maribor und den Noch-nicht-ganz-Klassiker in Flachau; die Herren nehmen die Traditionskurse in Adelboden, Wengen und Kitzbühel unter die Kanten. Der Nachtslalom in Schladming hingegen macht heuer Pause, Grund dafür ist selbstredend die WM an der Planai.

Hirscher gesetzt

Bei den Herren ist Marcel Hirscher nach den Plätzen zwei, eins und drei für den WM-Slalom am 17. Februar fix gesetzt, auch Reinfried Herbst und Mario Matt haben gute Karten. Um das vierte Ticket raufen Wolfgang Hörl, Manfred Pranger und Benjamin Raich.

Bei den Damen ist Kathrin Zettel nach dem Sieg in Aspen und Platz zwei am Semmering gesetzt, auch Michaela Kirchgasser kann sich dank guter Form auf die Heim-WM freuen. Kann die Filzmooserin die Leistungen von den Trainingsfahrten auch einmal im Rennen aus dem Talon ziehen, ist sie sogar im erweiterten Kreis der Medaillenkandidatinnen; bisher reichte es allerdings im laufenden Winter nur zu den Plätzen acht und neun.

Dank Marlies Schilds WM-Gold vor zwei Jahren verfügt der ÖSV theoretisch sogar über fünf Startplätze, allerdings ist jener der Weltmeisterin für die 31-Jährige persönlich reserviert und kann daher nicht an eine andere Dame vergeben werden. Freilich ist das Gedränge um die WM-Plätze Nummer drei und vier im ÖSV-Damen-Team auch überschaubar; die Tickets werden wohl an Alexandra Daum (Neunte in Levi) und eine aus dem Trio Nicole Hosp, Bernadette Schild und Carmen Thalmann gehen.

Für Ivica Kostelic stellt sich die Frage nach der WM-Nominierung nicht. Für ihn geht es nur darum, seinen von exzessiven Trainingsumfängen lädierten Körper wieder in Form zu bringen. Damit die für Sonntag erwarteten 20.000 Kroaten am Sljeme endlich nicht mehr warten müssen.

( Kurier ) Erstellt am 01.01.2013