Jung-Star sagt Strobl den Kampf an: "Wir brechen den Streif-Rekord"
Der Italiener Giovanni Franzoni war im ersten Abfahrtstraining in Kitzbühel der Schnellste
Im Haus von Fritz Strobl in Gerlamoos finden sich viele Andenken, die ihn an Kitzbühel erinnern. Der Kärntner ist nicht nur stolzer Besitzer von zwei goldenen Gämsen, mit denen die Hahnenkammsieger ausgezeichnet werden.
Auch seine CD mit dem treffenden Titel „Mozart der Mausefalle“ nimmt direkt Bezug zur Streif, wo der Abfahrtsolympiasieger von 2002 seine emotionalsten Erfolge eingefahren hat.
Das Herzstück im Hause Strobl ist freilich der riesige Kachelofen, über den sich von der Decke bis zum Boden der detaillierte Streckenverlauf der Streif zieht. Dazu fünf markante Zahlen, die sich ins Gedächtnis der Ski-Fans eingebrannt haben: 1:51,58.
Vorteil Franzoni
Seit seinem Sieg im Jahr 1997 hält Fritz Strobl, alias Fritz the Cat, den Streckenrekord auf der berühmtesten Abfahrt der Welt. Und seither galt diese Marke als unantastbar, weil auf der Streif über die knapp drei Jahrzehnte auch immer mehr Richtungstore eingebaut wurden, um das Tempo zu drosseln.
Heuer besteht nun freilich ernsthafte Gefahr, dass der Rekordofen von Fritz Strobl aus der Zeit fällt.
„Er wird am Samstag schwitzen, weil wir diesmal so schnell sind“, prophezeit Vincent Kriechmayr. Der letzte österreichische Sieger auf der Streif war 2023 noch mit 1:56,16 gestoppt worden, der Trainingsschnellste Giovanni Franzoni benötigte am Dienstag für seinen Streifzug 1:52,87. Und der Italiener bewegte sich dabei noch lange nicht am Limit.
Franzoni (24) war noch nicht auf der Welt, als Strobl seinerzeit den Streif-Rekord aufgestellt hatte. Das mag erklären, wieso der Senkrechtstarter des Winters (Sieg im Wengen-Super-G) gar nicht bewusst war, auf welchen Spuren er da bei seiner Trainingsbestzeit gewandelt war.
Vorteil Sinner
„Ich denke, wir werden den Rekord brechen“, sagte Franzoni, der in Kinderjahren mit einem gewissen Jannik Sinner Rennen gefahren war. Die Gazzetta dello Sport veröffentlichte dieser Tag erst eine Ergebnisliste von einem Rennen in San Sicario aus dem Jahre 2010 – bei seinem Sieg war Tennisstar Sinner damals um vier Sekunden schneller gewesen als der gleichaltrige Giovanni Franzoni.
Vorteil ÖSV-Herren
Während der Aufsteiger vom Gardasee erst zum zweiten Mal bei den Hahnenkammrennen im Einsatz ist, zählt Vincent Kriechmayr bereits zu den Streif-Haudegen. In all den Jahren hat sich die Piste aber noch nie so angenehm präsentiert wie heuer.
Vincent Kriechmayr war als 16. der beste Österreicher im ersten Training
„Es hat schon Jahre gegeben, da habe ich mir bei der Besichtigung auf den Kopf gegriffen und gedacht: ,Wie komme ich da runter?’ Diesmal war es ein echter Genuss. Nach dem Steilhang bin ich mit einem Lacher rausgefahren“, erzählt der Routinier.
Diese gute Stimmung zog sich am Dienstag wie ein roter Faden durch das rot-weiß-rote Alpin-Team. Dafür verantwortlich war neben dem Sieg von Julia Scheib auch die aktuelle Meldeliste für die Olympischen Winterspiele.
Zusätzlicher Startplatz bei Olympia
Ursprünglich hätte das Herren-Team mit zehn Startplätzen das Auslangen finden müssen, nach dem Rückzug einiger Nationen erhält der ÖSV einen elften Startplatz – damit könnten im Februar nun fünf Abfahrer mit nach Bormio kommen.
Von einer Leistungsdichte wie bei Fritz Strobls Rekordfahrt 1997 kann der ÖSV aktuell aber nur träumen.
Damals waren 7 Österreicher unter den ersten 12 gelandet.
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