Das Olympia-Dilemma: Der ÖSV kann nicht jedes Rennen voll besetzen
Julia Scheib (li.) ist eine ausgewiesene Riesentorlauf-Spezialistin, Katharina Truppe startet mittlerweile nur mehr im Slalom
Genau 30 Tage sind es noch bis zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele Milano-Cortina, aber schon jetzt rauchen bei den Verantwortlichen des ÖSV die Köpfe.
Denn die Nominierung des Skiteams stellt die jeweiligen Trainer vor schier unlösbare Aufgaben.
Es zeichnet sich ab, dass Österreich bei Olympia nicht in allen Skiwettkämpfen das Kontingent von den vier erlaubten Startern ausschöpfen kann und notgedrungen weniger Sportler ins Medaillenrennen schicken wird.
11 Läuferinnen für 5 Bewerbe
Das betrifft in erster Linie das Frauenteam von Roland Assinger, der 11 Athletinnen für die Winterspiele melden darf.
Es erfordert viel Geschick bei der Zusammensetzung des Olympia-Teams, denn mit diesen 11 Läuferinnen sollten alle fünf Wettkämpfe (Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf, Slalom, Team-Kombi) besetzt werden.
Die Niederösterreicherin Katharina Gallhuber fährt ausschließlich Slalom
Spezialistentum
Bei den Österreicherinnen spießt es sich da vor allem bei den technischen Disziplinen: Denn im Riesentorlauf und im Slalom finden sich beim ÖSV-Team praktisch ausschließlich Spezialistinnen, die nur eine Disziplin bestreiten.
Mit Katharina Liensberger hat sich zudem auch noch dummerweise jene Athletin schwer verletzt, die in beiden Disziplinen in der Startgruppe in den Top 30 zu finden war.
Nina Astner startet nur im Riesentorlauf
Julia Scheib, Stephanie Brunner und Nina Astner sind Riesentorlauf-Spezialistinnen. Katharina Truppe, Katharina Huber und Katharina Gallhuber wiederum starten nur im Slalom.
Damit blieben schon jetzt nur mehr fünf Startplätze für die drei Speedrennen. Mit Cornelia Hütter, Mirjam Puchner, Magdalena Egger, Nina Ortlieb und Ariane Rädler haben fünf Läuferinnen ihr Ticket praktisch fix.
Konsequenzen
Es geht sich also hinten und vorne nicht aus. Das weiß auch ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher. „Dann werden wir halt nicht überall mit der vollen Besetzung starten können“, kündigt er im KURIER-Gespräch an.
Treffen wird es voraussichtlich den Riesentorlauf, denn der Slalom hat ein größeres Gewicht. In Cortina wird erstmals in der Teamkombi (jeweils eine Abfahrerin und eine Slalomläuferin) um Medaillen gefahren. Schwer vorstellbar, dass der ÖSV diese Medaillenchance sausen lässt und dort auf einen Startplatz verzichtet.
Beim Verband wurden bereits erste Vorkehrungen getroffen, dass die Trainer in Zukunft bei Großereignissen nicht mehr mit solchen Personalproblemen konfrontiert sind.
„Wir haben klar die Vorgabe, dass unsere Läufer von unten herauf zwei Disziplinen fahren sollen,“erklärt Sportdirektor Mario Stecher. "Wir müssen weg vom reinen Spezialistentum."
Dass das sehr wohl möglich ist, zeigte zuletzt Camille Rast. Die Schweizerin gewann in Kranjska Gora innerhalb von 24 Stunden den Riesentorlauf und den Slalom.
Kommentare