Österreichischer Dreifach-Erfolg in Garmisch

Hannes Reichelt (Mi.) hatte in Garmisch hauchdünn die Nase vorne - vor seinen Teamkollegen Romed Baumann (li.) und Matthias Maye… © Bild: AP/Alessandro Trovati

Hannes Reichelt gewinnt die Weltcup-Abfahrt vor Romed Baumann und Matthias Mayer.

Mit dem zweiten Dreifacherfolg innerhalb von einer Woche haben die, nach einem mäßigen Saisonbeginn und der WM-Pleite ins Schussfeld geratenen österreichischen Abfahrer ihre Kritiker endgültig mundtot gemacht. Hannes Reichelt gewann den Abfahrtskrimi von Garmisch vor seinem Salomon-Markenkollegen Romed Baumann und Matthias Mayer. Es war der zehnte Weltcupsieg des Super-G-Weltmeisters und zugleich sein knappster Erfolg überhaupt.

Nur eine einzige Hundertstelsekunde entschied zu Gunsten des Salzburgers . Andernfalls hätte der Tiroler Romed Baumann seinen ersten Abfahrtssieg gefeiert.

Es sollte ein Österreich-lastiges Resultat wie zu Hermann Maiers Zeiten werden, landeten doch nicht weniger als sechs ÖSV-Piloten unter den Top Ten. Und ein (abwesender) siebenter Österreicher durfte sich erst recht als Sieger fühlen. Marcel Hirscher.

Weil Kjetil Jansrud, nachdem er im Training beeindruckt hatte, nur auf dem 18. Rang landete, wird Hirscher auch seinen 26.Geburtstag am morgigen 2.März als Führender im Gesamtweltcup erleben. Mehr noch: Hirscher kann seine komfortable Weltcup-Führung sogar ausbauen, wird er seinen Erwartungen beim heutigen Riesenslalom von Garmisch halbwegs gerecht.

Jansrud resigniert

"Wir haben im Auto laut gejubelt", erzählt Hirscher, der vom Abfahrtsresultat auf der Anreise nach Garmisch erfuhr. Jansrud hingegen schreibt den Glaspokal für den Gesamtweltcup seit Samstag ab. "Auch wenn jetzt meine Heimrennen in Kvitfjell kommen, ich sehe keine Chancen mehr."

Im Gegensatz zu Jansrud konnte Reichelt seine im Garmischer Abfahrtstraining gezeigte Topform auch im Rennen wiederholen. Überraschender war, dass sich Baumann so steigern konnte, obwohl gerade der obere Streckenabschnitt, der ihm im Training viel mehr getaugt hatte, wetterbedingt ausgelassen werden musste.

Der starke verkühlte Matthias Mayer "(Ich hab gemerkt, wie meine Knie weich werden.") hatte das Abschlusstraining am Freitag auslassen müssen. So gesehen hat seine Leistung, die mit Platz drei belohnt wurde, fast so viel Wert wie in der vergangene Woche sein Abfahrtssieg in Saalbach-Hinterglemm. Auf dem Zwölferkogel hatte Mayer mit einem Vorsprung von nur zwei Hundertstel vor Max Franz gewonnen, der am Samstag Zehnter wurde – in einem Rennen, das bei der Passage "Freier Fall" (92 Prozent Gefälle) viel Mut erforderte und in dem es extrem knapp herging. Die ersten Zehn vermochten sich alle innerhalb von einer halben Sekunde zu klassieren.

Baumann: "Ich freue mich auch über Platz zwei. Aber der Hannes hätte sich ruhig a bissel Zeit lassen können. Dann hätten wir beide was davon gehabt."

Endstand:
1. Hannes Reichelt AUT 1:11,90
2. Romed Baumann AUT +0,01
3. Matthias Mayer AUT 0,24
4. Silvano Varettoni ITA 0,28
5. Dominik Paris ITA 0,31
6. Marco Sullivan USA 0,39
7. Vincent Kriechmayr AUT 0,41
8. Georg Streitberger AUT 0,45
9. Didier Defago SUI 0,47
10. Max Franz AUT 0,48
11. Adrien Theaux FRA 0,50
12. Patrick Küng SUI 0,57
13. Johan Clarey FRA 0,62
14. Mattia Casse ITA 0,69
15. Peter Fill ITA 0,72
23. Otmar Striedinger AUT 0,83
( Kurier ) Erstellt am 28.02.2015