Sport | Wintersport
19.03.2018

Saisonbilanz: Ein Überflieger und einige Lücken

Marcel Hirscher hat erneut eine glänzende Bilanz, überstrahlt aber manchen Nachholbedarf im rot-weiß-roten Lager.

Ein letztes Mal in diesem Winter spielte das Wetter den Alpinen bei ihrem Weltcup-Finale in Åre einen unlustigen Streich, stürmischer Wind sorgte für die Absage des für Sonntag geplanten Damen-Riesenslaloms und des Herren-Slaloms.

"Es hätte kein faires Rennen gegeben", resümierte FIS-Renndirektor Atle Skårdal, die Böen nahmen den Sportlern die Bodensicht, und beileibe nicht alle können bei solchen Bedingungen noch einen wilden Ritt so erfolgreich ins Ziel bringen, wie es etwa Marcel Hirscher im Slalom der Olympia-Kombination im südkoreanischen Jeongseon geschafft hat.

So wurde der letzte Tag beim Weltcup-Finale in Schweden ein ruhiger: Die letzten Kugeln wurden vergeben, Marcel Hirscher hatte sich ja bereits vor zwei Wochen Gesamt-, Riesenslalom- und Slalomweltcup gesichert, bei den Damen war Mikaela Shiffrin aus den USA längst die Beste in der Gesamtbilanz. Und die Deutsche Viktoria Rebensburg hätte schon ausfallen (oder schlechter als Fünfzehnte sein) müssen, um die Riesenslalom-Kugel an Weltmeisterin Tessa Worley aus Frankreich zu verlieren angesichts von 92 Punkten Vorsprung.

Erfolge

Zeit also für einen letzten Blick zurück. Was bleibt vom soeben vergangenen Weltcup-Winter? Viele Turbulenzen von Regen bis Föhn, Berge von Neuschnee, Verschiebungen. Und Erfolge in Rot-Weiß-Rot: 44 Mal standen ÖSV-Athleten auf dem Podest, 19 Siege wurden gefeiert, dazu elf zweite und 14 dritte Plätze geholt (Herren: 17/9/9, Damen 2/2/5). Überstrahlt wurde natürlich alles von Doppel-Olympiasieger Hirscher mit seinem siebenten Gesamtweltcup in Folge, und das nach einem Knöchelbruch im August.

Im Windschatten des 29-Jährigen hat sich Manuel Feller angeschickt, die Lücke im Riesenslalom zu schließen. Nachdem Philipp Schörghofer in diesem Winter wegen seiner Knieprobleme zu keinem einzigen Einsatz kam und sich Roland Leitinger das Kreuzband gerissen hat, schaffte es der Fieberbrunner auf den vierten Rang in der Endabrechnung. Im Slalom zeigte Michael Matt Konstanz und wurde mit Olympia-Bronze belohnt, Marco Schwarz und Feller komplettieren das starke Team.

Im Speedbereich ist dem dreifachen Saisonsieger Vincent Kriechmayr endlich der schon länger erwartete große Durchbruch gelungen, Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer, Max Franz und Hannes Reichelt bilden die Einsergarnitur, der Rückkehrer Christian Walder nach seinem Kreuzbandriss schon wieder nähergekommen ist.

In der Kombination ist – wenn nicht Marcel Hirscher einen Sinn darin sieht, an den Start zu gehen – freilich Luft nach oben, sei es im Speed-Teil (Marco Schwarz), sei es im Slalom (Matthias Mayer, Vincent Kriechmayr).

Rückschläge

Die Damen haben noch immer an Rücktritten und Verletzungen zu beißen. Christine Scheyer, die Aufsteigerin des letzten Winters, kam nach ihrem schweren Sturz im September erst nach Olympia in Schwung, auch Stephanie Venier ließ lange auf sich warten. Cornelia Hütter sorgte im ersten Rennen nach ihrem Kreuzbandriss gleich für einen Sieg, hatte dann aber zu raufen und verpasste das Saisonfinale wegen eines weiteren Sturzes im Training.

Nicole Schmidhofer zeigte wechselhafte Leistungen, ebenso Anna Veith, die sich in ihrem zweiten Comeback-winter in Folge aber mit einem Weltcup-Sieg und Olympiasilber im Super-G sowie Platz drei in der einschlägigen Weltcup-Wertung belohnte. Spannend wird sein, ob sie wie angekündigt die Abfahrt künftig Abfahrt sein lassen wird und die so eingesparte Trainingszeit wieder die erhofften Erfolge im Riesenslalom bringt.

Denn dort ist der Rückstand der Österreicherinnen noch immer auffällig, auch wenn mit Veith und Eva-Maria Brem zwei frühere Asse derzeit nicht in Schlagdistanz sind. Nur Stephanie Brunner wusste bis Anfang Jänner zu überzeugen, danach hagelte es Ausfälle für die Tirolerin. Vielleicht kann ja Ricarda Haaser diese Lücke schließen, oder aber ...

... eine aus dem jungen und vielsprechenden Slalom-Team springt ein. Die Olympia-Bronzene Katharina Gallhuber und Katharina Liensberger haben schon bewiesen, wozu sie einmal fähig sein können – und Bernadette Schild weiß selbst nur zu gut, woran es zu feilen gilt.