Ramberger fährt um WM-Medaille

Snowboard. Maria Ramberger aus Klosterneuburg peilt im kalten Kanada eine Medaille im Cross-Bewerb an.

Das muss wohl Liebe sein: Zwei Mal eine Hand gebrochen; einmal Kreuz- und Seitenband gerissen und dazu einen Meniskusschaden; einmal die Schulter angebrochen; einmal die Wirbelsäule geprellt; zwei schwere Gehirnerschütterungen – und trotzdem kann die junge Dame aus Klosterneuburg nicht vom Brett lassen.

Maria Ramberger, 26 und als Flachländerin nicht der Prototyp des Snowboard-Asses, fährt trotzdem am Samstag bei der WM im ostkanadischen Stoneham um Medaillen im Cross-Bewerb, am Donnerstag geht es zunächst in die Qualifikation.

Wobei das mit der Herkunft aus Ostösterreich so eine Sache ist: Auch Teamkollegin Julia Dujmovits (ab Freitag in den Parallelbewerben engagiert) ist nicht in den Hochalpen, sondern in Sulz im Burgenland daheim. Das muss kein Hindernis sein, "bei uns gibt’s auch einen Hügel zwischen den Weinbergen, wo man runterrutschen kann", sagt Ramberger.

Vielseitig

Beim Skiurlaub mit den Eltern hat sie das Boarden entdeckt, zeitweise beides parallel betrieben, "und dann hab’ ich ein Jahr lang meinen Eltern jeden Tag erzählt, dass ich Snowboardrennen fahren will. So lange, bis sie aufgegeben haben." Der Vorteil des Boardens: "Beim Skifahren hab’ ich die Stecken nie richtig halten können“, erklärt die angehende Juristin, die aktuell mit ihrer Doktorarbeit beschäftigt ist.

Im Einsatz: Ramberger startet gemeinsam mit Susanne Moll
SBX World Cup Telluride - Qualifiers - Maria Ramberger (AUT), honorarfrei © Bild: FIS/Oliver Kraus
"Jus war das Studium mit den wenigsten Anwesenheitsstunden", sagt Ramberger und bilanziert schmunzelnd: "Das war weniger kompliziert, als meinen Eltern das Boarden einzureden."

Reichtümer verdient sie freilich nicht mit ihrem Sport. Ihr letztes Auto war ein 20 Jahre alter zweitüriger Golf, "der hat leider das Zeitliche gesegnet", das aktuelle Auto ist "sponsored by family" und hat ein Ablaufdatum. Denn: "Das bekommt meine kleine Schwester Elisa, wenn sie den Führerschein hat."

800 Euro kostet ein Board wie Rambergers, einem Freestyleboard nicht unähnlich, aber länger und härter. Schwierig ist es, den perfekten Schuh zu finden. "Und wenn du einen hattest, tust du alles, um genau den noch einmal zu finden." Kann nicht schwierig sein, denkt der Laie, doch das ist es. Ein Vergleich: "Den Skifahrern laufen die Firmen nach. Und ich lauf’ den Firmen nach."

Minus 29 Grad

Für Werbung in eigener Sache könnte da das Projekt sorgen, das sie derzeit mit US-Filmemacher Bret Saunders realisiert, der den Cross-Weltcup begleitet. Ein Weg für Rambergers Zeit nach der Karriere? "Schneiden sicher nicht, ich hab das im letzten Jahr versucht, da wollte ich den Computer an die Wand werfen. Aber Konzept und Produktion, ein Projekt am Laufen halten, das würde mich schon interessieren."

Vorerst aber hat sie ein anderes Projekt am Laufen – eine Medaille in der Saukälte von Ostkanada. Gefühlte minus 49 und gemessene minus 29 Grad hatte es am Mittwoch im WM-Ort Stoneham.

Programm

Donnerstag, 16.30 Uhr MEZ: Qualifikation Snowboardcross Herren, 19.30 Uhr MEZ Damen.

Freitag 15.00 Uhr MEZ: Qualifikation Parallel-Riesentorlauf, 19.00 Uhr MEZ Finale (live Eurosport 2).

Samstag, 17.00 Uhr MEZ: Finale Snowboardcross Damen, Herren ( Eurosport 2 ab 18.00 Uhr MEZ).

Sonntag, 15.00 Uhr MEZ: Qualifikation Parallelslalom, 19.00 Uhr MEZ Finale (live Eurosport 2 ab 20.00 Uhr MEZ).

( Kurier ) Erstellt am 23.01.2013