Paris siegt hauchdünn vor Kröll

Knapp acht Wochen nach seiner letzten Operation verpasst Kröll den Abfahrtssieg um 0,03 Sekunden.

Klassentreffen in der kanadischen Einöde: Die erste Herren-Abfahrt der Saison wurde zum großen Wiedersehen der Ski-Prominenz. Der Amerikaner Bode Miller war ja nach seiner einjährigen Pause schon in Sölden wieder da, der Kanadier Erik Guay ist nach einer Meniskus-Operation wieder da, der Schweizer Beat Feuz ist nach dem Bangen um sein linkes Knie wieder da – und Klaus Kröll nach seinem Oberarmbruch beim Saisonfinale in der Lenzerheide ebenfalls. Mit dem Südtiroler Dominik Paris gewann einer in Lake Louise, der im Sommer wohl eine der härtesten Prüfungen zu bestehen hatte: Der 24-Jährige hat im Juni bei einem Unfall seinen um zwei Jahre älteren Bruder René verloren, der mit seinem Motorrad frontal gegen einen Jeep geprallt war. Die samstägige Übung war keine leichte für Paris, Sicht, Wind und Schneefall wechselten beinahe minütlich. Das 97-Kilo-Bröckerl aus dem Ultental blieb freilich unbeeindruckt und wuchtete seine 183 Zentimeter Körpergröße am schnellsten zu Tal. „Die Piste hatte ziemlich viele Schläge, da wusste man gar nicht, ob man jetzt schnell unterwegs ist oder nicht.“ Paris war am schnellsten unterwegs, der Vizeweltmeister feierte seinen dritten Weltcup-Erfolg nach jenen in Bormio und Kitzbühel.

Ungläubig

Klaus Kröll hingegen konnte gar nicht so recht fassen, was ihm da von der Anzeigetafel im Ziel entgegenprangte, nachdem er seine Fahrt beendet hatte: Es war der Einser, Dominik Paris bereitete sich zu diesem Zeitpunkt erst auf seinen Husarenritt vor. Weil der Öblarner seinen rechten Arm noch nicht wirklich gebrauchen kann, sah der Jubel eher nach „Jubel“ aus, und auch später, als der 33-Jährige dann wirklich und tatsächlich Zweiter war, wirkte er irgendwie ungläubig. „Ganz extrem überrascht“, gab der Steirer also zu Protokoll und begründete: „Ich hab’ überhaupt nicht damit gerechnet, denn fühle mich gar nicht in der Lage, da vorn mitzufahren.“ Kein Wunder, war Kröll doch erst am 8. Oktober noch einmal auf dem Operationstisch gelegen, wo ihm Vernarbungen und zwei Knochenstücke aus der linken Schulter entfernt wurden. Ein nötiger Schritt, denn es hatten sich bereits Lähmungserscheinungen in der Schultermuskulatur gezeigt. Krölls größtes Handicap ist derzeit noch der Start, es fehlt ihm die Kraft der Tage vor seinem Sturz im März, doch allmählich kehrt sie zurück. Und so durfte er auch sagen, dass sein Start „ganz gut“ gewesen sei; beim Fahren hat der Routinier ja ohnehin keine Probleme. Dafür hatte er an diesem Samstag Hilfe von oben: „Ich hatte teilweise Sonne, und der Wind hat sicher auch von der richtigen Seite geblasen – beschweren kann ich mich nicht.“ Das lag auch Aksel Lund Svindal nach seinem vierten Platz hinter dem Franzosen Adrien Théaux fern. „Das kann passieren, die anderen sind ja auch schnell“, stellte der norwegische Sieger des Vorjahres fest und richtete seinen Fokus schon auf Sonntag. Denn ab 19 Uhr steht der Super-G in Lake Louise auf dem Fahrplan, und auch den hat Svindal 2012 gewonnen. Das Rennen wird auch für manchen Österreicher eine neue Chance, dem am Samstag nicht viel aufging – wie etwa Max Franz, der sich kurz vor dem Ziel verfuhr und einen besseren Platz als den neunten verschenkte.

Paris siegt hauchdünn vor Kröll

Alpine Skiing: FIS World Cup-Men's Downhill
Paris siegt hauchdünn vor Kröll

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CANADA ALPINE SKIING WORLD CUP MEN

Herren-Abfahrt in Lake Louise
1. Dominik Paris (ITA) 1:49,90 Min.
2. Klaus Kröll (AUT) 1:49,93 +00,03 Sek.
3. Adrien Theaux (FRA) 1:50,01 +00,11
4. Aksel Lund Svindal (NOR) 1:50,13 +00,23
5. Johan Clarey (FRA) 1:50,64 +00,74
6. Georg Streitberger (AUT) 1:50,93 +01,03
7. Werner Heel (ITA) 1:50,94 +01,04
8. Erik Guay (CAN) 1:50,98 +01,08
9. Max Franz (AUT) 1:51,00 +01,10
10. Carlo Janka (SUI) 1:51,14 +01,24
11. Tobias Stechert (GER) 1:51,17 +01,27
12. Peter Fill (ITA) 1:51,22 +01,32
13. Matthias Mayer (AUT) 1:51,23 +01,33
14. Christof Innerhofer (ITA) 1:51,27 +01,37
15. Patrick Küng (SUI) 1:51,28 +01,38
16. Bode Miller ( USA) 1:51,29 +01,39
17. David Poisson (FRA) 1:51,35 +01,45
18. Otmar Striedinger (AUT) 1:51,40 +01,50
19. Steven Nyman (USA) 1:51,55 +01,65
. Brice Roger (FRA) 1:51,55 +01,65
21. Kjetil Jansrud (NOR) 1:51,60 +01,70
22. Jan Hudec (CAN) 1:51,63 +01,73
23. Didier Defago (SUI) 1:51,65 +01,75
24. Travis Ganong (USA) 1:51,80 +01,90
25. Hannes Reichelt (AUT) 1:51,85 +01,95
26. Erik Fisher (USA) 1:51,86 +01,96
27. Romed Baumann (AUT) 1:51,87 +01,97
28. Manuel Osborne-Paradis (CAN) 1:51,92 +02,02
29. Joachim Puchner (AUT) 1:52,04 +02,14
30. Beat Feuz (SUI) 1:52,22 +02,32

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