Matthias Lanzinger und Monoskifahrerin Claudia Lösch.

© APA/FRANZ BALDAUF

Paralympics Sotschi
03/05/2014

Paralympics-Athleten gehen auf Medaillenjagd

Von 13 ÖPC-Athleten gehen elf Alpin-Skifahrer in Sotschi an den Start.

Im Schatten der Ukraine-Krise werden am Freitag (17.00 Uhr MEZ) in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi die XI. Paralympischen Winterspiele eröffnet. Für Österreich sollen 13 Athleten, davon lediglich eine Frau, um die Medaillen kämpfen. Gleich elf Alpin-Skifahrer, darunter auch Matthias Lanzinger, unterstützen das ÖPC-Team.

Mehr als 700 Sportler- und Sportlerinnen aus 45 Nationen kämpfen an neun Tagen und in sechs Sportarten in drei Kategorien (stehend, sitzend, sehbehindert) um Medaillen. Die Hoffnungen von Österreichs Alpinen tragen auf den gleichen Pisten, auf denen im Februar Matthias Mayer und Co. geglänzt hatten, vor allem Matthias Lanzinger, Markus Salcher und Claudia Lösch. Der ehemalige Weltcup-Teilnehmer Lanzinger, der nach seinem Sturz 2008 in Kvitfjell und nachfolgender Unterschenkel-Amputation sein Paralympics-Debüt gibt, hat ebenso wie Salcher im Weltcup bewiesen, dass er zu den Mitfavoriten gehört.

Medaillen sind zu erwarten

"Praktisch jeder unserer Starter war im Weltcup auf dem Podest. Wir fahren daher in jeder Disziplin um Medaillen mit, es ist einiges zu erwarten", weiß auch Cheftrainer Manuel Hujara, dass die Latte hoch liegt. Elf Medaillen hat Österreichs Team vor vier Jahren bei den Vancouver-Paralympics geholt. Das war die bisher schwächste Ausbeute Österreichs. In der ewigen Medaillenwertung jedoch rangiert Österreich mit 314 Stück Edelmetall, davon 102 Goldene, hinter Norwegen (134 Gold) und Deutschland (121) und vor den USA (96) immer noch auf Platz drei. Es war aber auch ein Zeichen der extremen Professionalisierung, die im Behindertensport gerade stattfindet.

Eine Dame im ÖPC-Team

"Man hat sich entschlossen, die Latte hoch zu legen und nur noch Medaillen-Kandidaten mitzunehmen", erklärte Hujara die Zusammensetzung des Sotschi-Teams. Die Mannschaft profitiert auch vom Know-how des Skiverbandes und besteht inklusive der Vierfach-Weltmeisterin und Doppel-Titelverteidigerin Claudia Lösch aus elf Alpinen, einem Nordischen und einen Para-Snowboarder. Lösch, als dreifache Behindertensportlerin des Jahres, ist nach Verletzung und Rücktritt von Danja Haslacher die einzige ÖPC-Dame vor Ort. Die von vier Tonnen Übergepäck begleitete ÖPC-Mission kostet 790.000 Euro, die je zur Hälfte mit öffentlichen und Sponsoren-Geldern finanziert wird.

Lanzinger hat Konkurrenz

Vor allem Lanzinger geht mit vielen Emotionen an den Start seiner ersten und womöglich auch letzten Paralympics. "Es hat mich nicht los gelassen und ich möchte mir hier meinen Kindheitstraum erfüllen", hat der 33-jährige Salzburger daher große Erwartungen. Der frühere Weltcup-Teilnehmer hat mit seiner Entscheidung, nochmals Spitzensport-Skirennen zu fahren, dem Behindertensport in Österreich mediale Aufmerksamkeit verschafft. Eine "gemähte Wiese" fand er deshalb aber nicht vor: "Ich musste zu meinem Leidwesen erkennen, dass die Konkurrenz extrem stark und dicht ist."

Neue Disziplin

Para-Snowboarden ist in Sotschi erstmals dabei, ins Alpin-Programm eingebettet und vorerst nur für Menschen mit Beeinträchtigung unter der Hüfte offen. Der Mödlinger HTL-Lehrer Georg Schwab (48) vertritt Österreich im Snowboard als einziger in dieser Disziplin, ebenso wie Michael Kurz (40) im Langlauf und Biathlon.

Medaillen-Chancen

Auf dem Papier fahren Österreichs Alpine in Krasnaja Poljana in allen Bewerben um Medaillen mit, der Slalom ist zuletzt allerdings zur Schwachstelle geworden. "Wir hatten zuletzt eine sensationelle Weltmeisterschaft und trauen uns in Sotschi viel zu", gab sich Hujara zuversichtlich. Der Schwiegersohn des scheidenden FIS-Renndirektors Günter Hujara versprach: "Alles ist möglich, wir werden Vollgas geben."

Erfolgreiche Paralympics

Österreich hat an allen Winter-Paralympics seit dem Beginn 1976 in Örnsköldsvik, Schweden teilgenommen. Am erfolgreichsten war das ÖPC bei den beiden Heimspielen 1984 und 1988 in Innsbruck mit 34 beziehungsweise 20 Goldenen. Alle 15 ÖPC-Goldmedaillen seit 2002 kommen aus dem Alpinbereich, die letzte nicht-alpine Medaille wurde 1988 im Langlauf gewonnen. Bisher hat Österreich Gold im Alpinski (88), Langlauf (10) und im nicht mehr im Programm aufscheinenden Ice Sledge Racing (4) gewonnen.

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