Anna Gasser und der Olympia-Traum einer Slopestyle-Medaille
Anna Gasser geht bei ihren vierten Olympischen Spielen in ihren letzten Bewerb. Am Dienstag (13 Uhr/live ORF 1) hat sie im Snowboard Slopestyle um ihre letzte Chance auf ihre dritte Olympiamedaille.
Im Big Air vergangene Woche ist der Plan nicht ganz aufgegangen. Von drei Runs werden in dem Bewerb die besten zwei zusammengzählt, als Gasser beim zweiten Lauf zum zweiten Mal nicht sauber landete, war klar, mit dem Hattrick wird es nichts.
Nach zwei Big-Air-Olympiasiegen in Serie gab Anna Gasser die Krone an die Japanerin Kokomo Murase weiter.
Heute hat die 34-jährige Kärntnerin im Snowboard Slopestyle die letzte Chance auf olympisches Edelmetall. Es sind ihre definitiv letzten Winterspiele. Die Qualifikation am Sonntag beendete sie solide als Fünfte.
"Ich hatte viel Erfolg und Glück in meiner Karriere", sagt Gasser. "Aber wenn noch ein Traum offen ist, dann der, im Slopestyle eine Medaille zu machen." Bei den X-Games gelang ihr das bereits einmal, 2017.
Slopestyle ist - entgegen dem Big Air - nicht nur ein Sprung, sondern eine Kombination aus mehreren Hindernissen - Rails und Sprüngen. Die Läuferinnen können ihre Route durch die Hindernisse selbst wählen.
Die Fahrerinnen werden im Finale drei Läufe haben, der beste davon zählt - anders als im Big Air, wo die zwei besten von drei Runs zusammengezählt wurden.
Rechnung offen
Mit dieser Disziplin hat sie in gewisser Weise eine olympische Rechnung offen.
- In Sotschi 2014 hatte sie mit 95,50 von möglichen 100 Punkten die Qualifikation gewonnen und war plötzlich als Favoritin im Finale. Am Ende wurde sie Zehnte.
- In der "Windlotterie" von Pyeongchang 2018 missglückten ihr im Slopestyle ihre Läufe, sie landete auf Rang 15.
- In Peking 2022 wurde sie im Slopestyle sechste.
Beide Male gewann sie wenige Tage später Gold im Big Air.
Anna Gasser in der Slopestyle-Qualifikation
Bei den Olympischen Spielen in Milano/Cortina ist es diesmal umgekehrt. Die Medaille im Big Air gelang Gasser vergangenen Dienstag nicht. "Aber vielleicht bin ich ja immer für die zweiten Bewerbe bei Olympia gut", sagt sie.
Von den Starterinnen, die auch 2014 in Sotschi dabei waren, ist Anna Gasser die letzte verbliebene. Längst hat sich eine neue Generation gebildet. Für viele gilt Gasser als Vorbild, Mentorin bzw. Ikone - oder gute Freundin. "In den letzten zwölf Jahren hat sich so viel verändert. Wir hatten damals keine Airbags, um Tricks zu trainieren. Die neue Generation trainiert ganz anders."
"Hätte höheren Stellenwert"
Chancen rechnet sie sich dennoch aus. Sonst wäre sie die Olympiareise wohl gar nicht angetreten. "Ich habe das Potenzial im Slopestyle - mittlerweile vielleicht sogar mehr als im Big Air. Aber es muss einfach alles zusammenpassen."
Der Kurs kommt Gasser nicht unbedingt entgegen, weil er viel Geschwindigkeit im Anlauf benötigt und Gasser zu den leichteren Fahrerinnen zählt.
Eine Medaille im Slopestyle, sagt sie, "hätte für mich einen höheren Stellenwert als im Big Air." Dann wäre ihre Karriere endgültig abgerundet.
Favoritinnen sind andere. Etwa die Big-Air-Olympiasiegerin Kokomo Murase oder Zoi Sadowski Synnott. Mit der Britin Mia Brookes ist eine der Top-Läuferinnen allerdings schon in der Qualifikation gescheitert. Anna Gasser befindet sich im erweiterten Favoritinnenkreis.
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