Zwischen Höhenflug und Totalabsturz: Die ÖSV-Skispringer geben Rätsel auf
Stefan Kraft wartet noch auf seine erste Olympia-Einzelmedaille
Man wird in diesem Olympiawinter nicht ganz schlau aus den österreichischen Skispringern. Da gab es einerseits Höhenflüge wie beim Saisonauftakt in Lillehammer, als es einen rot-weiß-roten Dreifachsieg zu bejubeln gab.
Da waren aber auch kapitale Abstürze wie in Wisla oder bei der Olympiageneralprobe in Willingen, als kein ÖSV-Adler in den Top Ten zu finden war. Man weiß heuer einfach nie, was man von der stärksten Mannschaft der Welt – die Österreicher führen im Nationencup – bekommt.
Stefan Kraft bringt die Ausgangslage vor dem Bewerb auf der Normalschanze in Predazzo (19 Uhr, live ORF1) auf den Punkt: „Es ist so eine kleine Überraschungsbox“, sagte der Routinier. Nachsatz: „Aber es ist auf jeden Fall etwas möglich.“
Daniel Tschofenig feierte in diesem Winter zwei Weltcupsiege
"Irgendetwas passt nicht"
Auch der Mister Konstanz schlechthin ist von dieser sportlichen Launenhaftigkeit befallen. Stefan Kraft, der zehn der letzten elf Saisonen im Gesamtweltcup in den Top 6 beendet hatte (!), brachte bislang kaum einmal zwei starke Sprünge hintereinander zusammen.
Und man merkte es dem 32-Jährigen auch an, dass er sich plagte und mit sich und der Situation haderte. „Irgendetwas passt nicht ganz zusammen.“
Das trifft – mit Ausnahme von Senkrechtstarter Stephan Embacher – auf alle Österreicher zu. Daniel Tschofenig hat zwar zwei Saisonsiege zu Buche stehen, aber von der traumwandlerischen Sicherheit der letzten Saison ist der Gesamtweltcupsieger weit entfernt.
„Meine Saison war durchwachsen“, gibt der Kärntner zu. „Deswegen ist die Erwartungshaltung eigentlich gering.“
Jan Hörl war in den vergangenen Wochen der stärkste ÖSV-Springer
Im Aufwärtstrend
Nicht viel anders ergeht es Jan Hörl, der heuer sogar schon zwei Mal den Sprung in den Finaldurchgang verpasst hatte. Mit Fortdauer der Saison kam der Pongauer immer besser auf Touren und entwickelte eine gewisse Konstanz, die für die Winterspiele einiges erhoffen lässt:
In den letzten sieben Weltcupbewerben war Hörl immer in den Top fünf gelandet. „Ich habe mich am Anfang der Saison sehr schwergetan. Die letzten Ergebnisse geben mir Vertrauen“, sagt Jan Hörl.
Stephan Embacher gibt heute sein Olympia-Debüt
Am besten schlug sich in diesem Olympiawinter in Wahrheit noch der Jüngste im Bunde: Stephan Embacher (20) hat den Durchbruch geschafft und sich an der Weltspitze etabliert.
Der Tiroler Senkrechtstarter verkörpert die Unbekümmertheit und das Draufgängertum, das es bei einem Großereignis braucht. „Es taugt mir gerade voll, wie es läuft. Ich hätte mir das im Sommer nicht so vorgestellt, dass ich jetzt hier sitze.“
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