Abgeklebt: Wo der olympische Wahnsinn skurrile Blüten treibt

Logos auf Mützen und Rücksäcke werden abgeklebt.
Die Sittenwächter der Spiele achten peinlich genau auf falsche Firmenlogos. Ein Klebeband ist schnell zur Stelle ...
Christoph Geiler

Christoph Geiler

Kennen Sie zufällig das aktuelle Fußballtrikot von TSV Hartberg? Der Bundesligist aus der Oststeiermark hat mit seinem bunten Fleckerlteppich große Bekanntheit erlangt, weltrekordverdächtige 23 Sponsorlogos finden sich auf den Hartberger Leibchen.

Dieses Trikot wäre ein lustiges Outfit für diese Winterspiele. Damit könnte man nämlich all die Gschaftlhuber und Sittenwächter, die sich zuhauf bei Olympia herumtreiben, so richtig zur Weißglut bringen – und ihnen, rein symbolisch, eine kleben.

Es gibt bei diesen Spielen eine Einsatzgruppe, die nichts anderes tut, als zu schauen, dass auf dem Olympiagelände bloß ja keine falschen Firmenlogos zu sehen sind. Nur die Emblems der offiziellen Geldgeber dürfen sichtbar sein. Bewaffnet ist die strenge Kommerz-Polizei mit pechschwarzen Klebebändern, mit denen alles großflächig abgepickt wird, was in ihren Augen nicht hierher gehört.

Das treibt mitunter skurrile Blüten. Wenn die unbarmherzigen Aufpasser etwa Journalisten hinterherhetzen, um ein kleines Firmenlogo auf der Kappe zu überkleben.

Katz-und-Maus-Spiel mit den Journalisten

Auch auf die Rucksäcke haben es die Kontrollore abgesehen: Viele der Reporter, die bei diesen Spielen im Einsatz sind, benützen Rucksäcke, die bei früheren Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (2018) oder in Peking (2022) verteilt wurden. Die Olympischen Ringe sind darauf zu sehen, aber auch ein Sponsor, der bei den Spielen Mailand/Cortina 2026 nicht mehr mitwirkt. Also kommt wieder das schwarze Klebeband zum Einsatz. Selbst die kleinen Firmenemblems auf den Laptops müssen von der Bildfläche verschwinden.

Die Sittenwächter haben die Rechnung freilich ohne die Reporter gemacht. So schnell die schwarzen Streifen aufgeklebt sind, so schnell liegen sie wieder im Müll. Mittlerweile hat sich ein richtiges Katz-und-Maus-Spiel entwickelt. Und irgendwann hat bekanntlich jedes Klebeband ein Ende.

Bis dahin: Klebewohl.

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