Lokalaugenschein beim olympischen Biathlon: Einfach zum Schießen!
Die deutschen Fans hatten ihren Spaß.
Der Weg ist das Ziel. In diesem Fall stimmt das zwar nicht, aber bei der Anreise nach Antholz hat man das Gefühl, dass der Weg das höchste der Gefühle bleiben wird. Im Stau genießt man das Panorama, die Felswände der Dolomiten blinzeln aus den tief liegenden Wolken heraus. Dann langsam – sehr langsam – nähert man sich. Erkennbar an verkleideten Fans, Menschengruppen mit umgehängten Deutschlandflaggen und bunten Perücken.
„Gaudi“ und Stau
Biathlon ist Stimmung. Wer das nicht wusste, weiß es spätestens beim Schriftzug des „Biathlon Gaudi“-Dorfes ein paar Hundert Meter vor dem Stadion, wo es Getränkestände und laute Musik gibt.
Und noch etwas fällt auf. Während man in Cortina viel Italienisch hört, ist hier eine andere Sprache dominant: Hier wird Deutsch gesprochen. Auch Stadionsprecher Stefan Steinacher, sonst auch im Ski-Weltcup oder anderen Sportevents in Österreich zu hören. Man ist längst in Südtirol, wo man – sagen wir einmal – verwundert war, dass Antholz auf den Olympia-Schildern „Anterselva“ heißen solle.
Die Fans beschäftigt das an diesem Mittwoch wenig. Täglich sollen bis zu 19.000 Zuschauer in die um gut 50 Millionen Euro ausgebaute Arena auf rund 1.600 Metern Höhe kommen. Für Zuschaueransturm sorgt auch der jährliche Weltcup. Aber Olympische Spiele, das ist eine andere Nummer.
Hausers Schlüsselstelle
Das Antholzer Stadion liegt mitten in den Bergen. Direkt unter dem See. Vor allem die große Höhe macht die Anlage besonders. Einen großen Unterschied macht das im Weltcup. Vor Olympia haben sich aber die meisten Teams darauf vorbereitet, erklärt Österreichs Biathletin Tamara Steiner.
Die Strecke, so berichten Athletinnen, sei nicht sonderlich schwierig. Es geht immer wieder auf und ab, ein schönes Streckenprofil. Der Einlauf in den Schießstand ist die Schlüsselstelle.
Lisa Hauser vergab ihre Medaillenchance am Schießstand.
Die Schlüsselstelle für Lisa Theresa Hauser lag heute aber am Schießstand selbst. Die Olympiavierte von Peking lag nach dem dritten perfekten Schießen voll auf Medaillenkurs. In der letzten Runde vermasselte sie aber den ersten Schuss – dann war es gelaufen. „Der Druck wurde zu groß. Es wurde vom Kopf schwierig.“ Zwei weitere Fehlschüsse folgten und reichten Hauser in der Wertung nach hinten durch. „Ich habe zum Glück noch Chancen“, sagt die 32-Jährige, bitter enttäuscht. „Ich war gut unterwegs, das Selbstvertrauen will ich mitnehmen.“
Gold holte Frankreichs Julia Simon vor ihrer Teamkollegin Lou Jeanmonnot und Überraschungsfrau Lora Christowa aus Bulgarien.
Am lautesten war es im Stadion aber nicht, als die Besten durchs Ziel liefen, sondern bei den Schüssen der Deutschen Vanessa Voigt und von Lokalmatadorin Dorothea Wierer. Jeder Treffer ein „Heyyy“, beim Verpassen ein „Oooh!“. Die beiden landeten heute auf den Plätzen 4 und 5. Das dämpfte die Stimmung ein wenig.
Doch friedlich zogen die Fans wieder von dannen, in einer riesigen Autokolonne fuhren sie aus dem Tal - stundenlang und im Schneckentempo.
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