Shiffrin und ihre goldenen Nerven im Slalom: "Ich hatte Angst davor"
Shiffrin tat, was Shiffrin kann. Sie zerlegte im Olympiaslalom von Cortina die Konkurrenz in Einzelteile.
Die 30-jährige US-Amerikanerin nahm der Zweitplatzierten Camille Rast 1,50 Sekunden ab. Genau so, wie sie es zuletzt im Weltcup getan hatte – in 7 von 8 Rennen. Noch dazu auf einem Hang, dem attestiert wurde, dass er kaum Passagen hat, in denen man Vorsprung herausholen kann.
Bezwingen musste Mikaela Shiffrin aber weder den Hang, noch die Konkurrenz. Sondern vor allem ihren eigenen Kopf. Sie müsse nur zeigen, was sie kann – wenn das so einfach wäre!
Der Grat war schmal, ob sich die erfolgreichste Person im Skiweltcup weiter in den (medialen) Sog hineinziehen lassen würde, der ihr nach den enttäuschenden Spielen in Peking sowie nach der Teamkombi und Riesentorlauf hier in Cortina einen Olympia-Fluch nachsagte.
Mikaela Shiffrin musste 2.918 Tage auf ihre vierte Olympiamedaille warten. Und zwölf Jahre nach dem ersten Gold im Slalom von Sotschi wurde Mikaela Shiffrin auch in Cortina Slalom-Olympiasiegerin.
Was wurde nicht alles geschrieben über den Olympia-Fluch, der seit 2022 über dem US-Star liege.
Dabei erreichte Shiffrin in den Jahren nach Peking Meilenstein um Meilenstein im Weltcup, machte sich mit mittlerweile 108 Weltcupsiegen unsterblich, gewann in Courchevel 2023 WM-Gold im Riesentorlauf und Silber sowohl im Slalom, als auch im Super-G. Und holte 2025 in Saalbach Team-Gold mit Breezy Johnson.
Insgesamt zählt Shiffrin 5 große und 12 kleine Kristallkugeln. Sie ist jetzt dreifache Olympiasiegerin, war achtmal Weltmeisterin.
Dennoch war in den vergangenen Tagen viel von Scheitern gesprochen worden.
Während Shiffrin und ihr Umfeld mehrmals betonten, dass diese Urteile von Personen kämen, die das Ausmaß ihres Berufes nicht verstünden.
Der abwesende Vater
Nach ihrem Olympiasieg erzählt Shiffrin unter Tränen, was sie seit Jahren bei Olympischen Spielen beschäftigt habe.
„Ich habe von diesem Moment geträumt, aber ich hatte auch Angst davor“, sagt sie – und erinnert an ihren Vater. Jeff Shiffrin starb 2020 mit 65 Jahren bei einem häuslichen Unfall. „Wenn man jemanden verliert, den man liebt, dann ist jede Erfahrung, die man danach macht, eine neue Erfahrung.“
Es könne sein, dass sie sich davor gesträubt habe, einen Olympiasieg ohne ihren Vater zu feiern. „Aber heute konnte ich diese Realität zum ersten Mal akzeptieren. Und anstatt mir zu denken, ich bin in diesem Moment ohne ihn, habe ich mir vor dem Start einen Moment genommen, um mit ihm zu sein.“
Verspäteter Jubel
Im Ziel war Shiffrin nach dem zweiten Lauf dann 1,5 Sekunden vor der Konkurrenz. Sie jubelte zunächst nicht, sank zusammen. Sie brauchte lange, um den Arm in die Luft zu strecken und zu jubeln – dann kamen die Tränen. „Ich habe diesen Moment gebraucht, um es in meinem Herzen zu spüren“, sagt sie.
„Ich bin so dankbar, dass wir zeigen konnten, woran wir Tag für Tag arbeiten. Wir haben es gezeigt, alle gemeinsam.“
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