Olympia in Bormio? Ein Stadtfest mit Knickerbocker und Eierlikör
Olympia in Bormio
Nach einer Woche Olympia sickert endlich die Erkenntnis, weshalb Bormio während dieser Winterspiele meist einem Stillen Örtchen gleicht: Hier finden schlicht und einfach die falschen Bewerbe statt.
Die Bormini, wie die Einwohner von Bormio heißen, sind offensichtlich nicht wirklich Feuer und Flamme für die Skirennen auf der Stelvio und das dazugehörige Après-Ski.
Sie veranstalten lieber ihre eigenen Spiele, quasi als Gegenveranstaltung zu Olympia und unter einem Gesichtspunkt, den man beim IOC längst nicht mehr zu kennen scheint: Herz statt Kommerz.
Olympia in Bormio
Beim Palio delle Contrade, dem traditionellen Vergleichskampf der fünf Ortsteile auf Langlaufskiern, ist plötzlich ganz Bormio auf den Beinen.
Über Nacht hat sich das graue, triste Zentrum in eine Winterlandschaft verwandelt, durch die Via Roma und andere Gassen schlängelt sich eine Loipe bis hin zur Piazza del Kuerc.
Die jüngsten Teilnehmer bei diesem Langlaufrennen sind vier Jahre und können sich gerade so auf den dünnen, wackligen Skiern halten. Die ältesten sind bis zu 80 und tragen stolz Knickerbocker und Strickpullunder.
Fünf Stadtteile um den Sieg
Unter dem Applaus von Tausenden Zusehern ziehen sie ihre Spuren durch Bormio. Welcher der fünf Stadtteile Combo, Maggiore, Buglio, Dossiglio und Dossorovina die schnellsten Läufer stellt, scheint am Ende nicht so wichtig zu sein. Dabei sein ist alles.
Olympia in Bormio
Bormio feiert sich beim Palio delle Contrade selbst – und zelebriert das ausgiebig.
Die Menschen drängen sich um die Loipe und um Feuerstellen und schütten sich hektoliterweise Bombardino, heißen Eierlikör oder Braulio, den typischen Kräuterlikör aus der Region, in die Kehlen.
Da wird einem dann warm ums Herz – eine wohlige Atmosphäre, die man in Bormio bei den Spielen kaum erlebt.
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