Sport | Wintersport | Olympia 2018 | Olympische Gedanken
23.02.2018

Denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Sechs Rennen haben hier stattgefunden, nun folgt das große Abbauen. Könnte man meinen.

Stefan Sigwarth | über das Jeongseon Alpine Center

Schluss, aus, das war’s: Mit dem Ausfall von Lindsey Vonn in der Damen-Kombination sind die Olympischen Spiele im Jeongseon Alpine Center vorbei. Sechs Rennen haben hier stattgefunden, nun folgt das große Abbauen. Könnte man meinen – doch weit gefehlt: Nur die verderblichen Sachen werden weggeräumt, denn schon am 9. März geht es in der 162 Millionen Euro teuren Anlage weiter, dann beginnen die Paralympics.

So viel wie während Olympia wird dann nicht los sein, dafür werden bei den Paralympics viel mehr Bewerbe in Jeongseon stattfinden als bei den nichtbehinderten Sportlern. Nicht nur die Skifahrer sind dann hier am Werk, auch die Snowboarder kommen im März. Und bis dahin bleibt viel zu tun: Die Zugänge müssen barrierefrei gestaltet werden, damit auch Rollstuhlfahrer von A nach B kommen, gleich 40 Medaillenentscheidungen (!) in den verschiedenen Klassen sind hier angesetzt. Bislang ging es großteils über temporäre Stiegenkonstruktionen dahin, nun gilt es, Rampen zu bauen.

Hong Min-a, die Chefin des Pressezentrums, denkt unterdessen schon an ihre Zukunft. Seit Dezember ist die junge Dame aus Seoul hier in Jeongseon, 14 Freiwillige waren ihr zugeteilt, "gute Leute, und es sind alle geblieben", sagt Hong, "da habe ich von anderen Wettkampfstätten ganz andere Sachen gehört." Dem Vernehmen nach sollen sich bereits mehr als 2000 Helfer abgesetzt haben, unzufrieden mit der Unterbringung, dem Essen, der Arbeit.

Es bleibt viel zu tun

Hong Min-a bleibt noch bis Ende März in Jeongseon, dann läuft ihr Arbeitsvertrag aus, mit dem sie der Staat ausgestattet hat. Danach wird sie wohl weiterstudieren. "Eigentlich wollte ich in Richtung Marketing gehen, aber ich habe jetzt so viele Erfahrungen in Organisation und Planung gemacht, dass ich denke, ich gehe in diese Richtung weiter." Und zu planen hat die 26-Jährige, die zugleich 28 ist, noch einiges: "Unser Pressezentrum hier ist ja zweistöckig, jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir die obere Etage rollstuhltauglich machen können."

Dem geneigten Leser sind jetzt die zwei Altersangaben aufgefallen, und all jenen, die nicht wirklich mit koreanischen Traditionen vertraut sind, sei gesagt: Das passt schon so. In westlichen Jahren ist Hong Min-a 26, doch weil jeder Koreaner einjährig auf die Welt kommt (die neun Monate vor der Geburt zählen als ein Jahr, und die ersten 100 Tage auf Erden werden groß gefeiert) und jeder am Neujahrstag noch ein Jahr dazubekommt, ist sie 28.

Und sie ist vom Olympia-Virus infiziert: Die Sommerspiele 2020 in Tokio würden sie reizen. "Ich müsste Japanisch lernen, aber das ist dem Koreanischen gar nicht so unähnlich." Doch noch mehr interessiert sie sich für Peking 2022. "Ich liebe den alpinen Skirennlauf", sagt die Hobbyskifahrerin, "und ich habe wirklich viele Erfahrungen gesammelt. Ich müsste halt die Chance bekommen."