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21.02.2018

Nicht nur Gold glänzt: Hirscher denkt an Weltcup

Das Technik-Ass wird nach dem Herren-Slalom abreisen, um in Kranjska Gora wieder in Topform zu sein.

Um es gleich vorwegzunehmen: Marcel Hirscher startet wirklich nicht im olympischen Teambewerb am Samstag, und auch wenn man ihn am Donnerstag fragt, wenn er dann womöglich seine dritte Goldmedaille bei diesen ersten olympischen Winterspielen in Südkorea eingefahren hat, wird der Salzburger nicht von seiner Meinung abrücken.

"Es wäre unprofessionell, wenn ich noch drei Tage länger hier bleiben würde, denn der Weltcup ist für mich sehr wichtig", sagte der sechsfache Inhaber der großen Kristallkugel. "Mir würden dann nur fünf Tage bleiben, um den Jetlag loszuwerden und mich auf die Rennen in Kranjska Gora vorzubereiten." Nein, so etwas kann ein Vollprofi wie der 28-Jährige nicht tun. Zumal es für ihn in Slowenien um einiges geht: "Kleine Kugel im Riesenslalom, kleine Kugel im Slalom, große Kugel" – nach dem Olympia-Slalom am Donnerstag (2 Uhr und 5.30 Uhr MEZ) ist das Thema PyeongChang für Marcel Hirscher erledigt.

Einfahren

Immerhin hatte er am Montag endlich einmal einen freien Tag und gönnte sich die Zeit für einen Ausflug in den nahen Nationalpark, Futter für die Seele, "endlich habe ich einmal ein bisserl was von Südkorea gesehen, und es ist wirklich eine schöne Landschaft hier". Das folgende Slalom-Training am Dienstag war "so la-la", Marco Schwarz zeigte starke Leistungen, "aber wann hab’ ich im Training schon einmal Bestzeit gehabt?", fragte Hirscher, worauf der 22-jährige Kärntner trocken konterte: "Wir wissen doch alle , dass du im Training 20 Prozent weniger zeigst, als du draufhast."

Tatsache ist: Die Österreicher gehen wie schon bei der WM im vergangenen Jahr mit einem bärenstarken Team an den Start ihres letzten Einzel-Rennens bei diesen Olympischen Spielen, mit Vizeweltmeister Manuel Feller und Michael Matt haben sie noch zwei heiße Tiroler Eisen im Stangenwald.

Und auch wenn Feller nach seinem Ausfall im Riesenslalom noch an den Folgen seines leichten Schleudertraumas laboriert, so sieht sich der Fieberbrunner doch keinesfalls als chancenlos. "Der Tag des Sturzes war extrem schmerzhaft, aber unsere Physiotherapeuten haben sehr gut gearbeitet. Im Training am Dienstag ist es wieder etwas schlechter geworden", aber das ist angesichts von 16 (!) Slalomläufen nicht die große Überraschung. "Und der Vorteil ist ja: Mir tut das Genick so weh, dass ich meinen Rücken nicht mehr spür’", sagte Feller mit einem Anflug von Galgenhumor.

Rätselraten

Ganz im Ernst "gilt es natürlich, den Großmeister zu schlagen", doch das ist leichter gesagt als getan im Fall des Marcel Hirscher. "Mir ist es unerklärlich, wie man so viele Jahre mit so viel Druck von Medien und Zuschauern so erfolgreich fahren kann. Mir wird das ja schon bei mir zu viel", bekannte Feller.

Nicht außer Acht lassen sollte man den Norweger Henrik Kristoffersen und den Schweizer Daniel Yule, sagt Hirscher, nicht außer Acht lassen sollte man Michael Matt, lehrt die Erfahrung. Der Flirscher ist nach einem Monat ohne Rennen "noch nicht ganz zufrieden" mit seinem Paket für den Donnerstag, doch das dürfte sich noch ändern. Klar ist jedenfalls: "Viele machen den Fehler, dass sie bei so einem Großereignis noch besser fahren wollen als sonst – doch das geht selten gut."