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16.02.2018

Olympia ist anders. Ganz anders

Olympia ist ein Moloch, der durch die Welt zieht und seine Jünger sündteure Gralsstätten errichten lässt.

Stefan Sigwarth | über die olympischen Alltags-Probleme

Für uns Journalisten bieten olympische Abfahrtsrennen wie jenes am Donnerstag so ziemlich die angenehmsten Arbeitsbedingungen des ganzen Winters. Ganz leise läuft im Hintergrund Instrumentalmusik, die Worte des englischsprachigen Stadionsprechers und seiner südkoreanischen Kollegin dringen nur gedämpft in die Mixed-Zone, wo wir auf die Athleten warten. Und wenn sie dann einmal da sind, dann reden wir ganz normal, und auch die Kollegen in der zweiten Reihe bekommen noch alles mit.

Tosender Jubel hemmt den Gesprächsfluss nicht, denn er kommt nur aus ein paar Kehlen derjenigen, die die Tribüne vielleicht zur Hälfte füllen. Und die sind 30, 40 Meter entfernt. Es ist seltsam, es ist steril, selbst in Sotschi vor vier Jahren war mehr Stimmung als im Jeongseon Alpine Center.


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„Wenn wir dieses Rennen in Österreich, der Schweiz, Norwegen, Schweden oder sogar den USA hätten, wären 50.000 Leute da“, sagt Olympiasieger Aksel Lund Svindal später. „Umgekehrt würde bei uns in Norwegen keiner Shorttrack schauen – hier ist die Halle voll. Alpin ist halt keine große Sache hier. Das ist schade für uns, aber das ist Olympia.“

Olympia ist kalt. Ein Moloch, der durch die Welt zieht und seine Jünger sündteure Gralsstätten errichten lässt, die nach zweieinhalb Wochen keiner mehr braucht. Olympia vermittelt Bilder einer Perfektion, die schon einen Meter neben dem Radius der Kameras nichts Perfektes mehr haben.

Am Beispiel Jeongseon: Vor Mixed-Zone und Athletenbereich wurden Matten ausgelegt, Schilder mahnen, nur ja nicht den Schnee zu beschmutzen, der um einen Haufen Geld künstlich erzeugt worden ist. Innerhalb des Sperrgebiets wird er gefegt, gerecht, gefräst, alles muss perfekt sein. Auf der anderen Seite, dort, wo keine Kameras stehen, ist dreckiges Eis. Immerhin, dank des Drecks ist das Eis nicht rutschig. Dass es in Zeiten des Norovirus in den WC-Containern kein fließendes Wasser zum Händewaschen gibt wie noch am Dienstag – geschenkt.

Nur gut, dass es auch noch das andere Olympia gibt. Abseits der Protzbauten, der strikten Regeln, der Verbote. Und dieses Olympia scheint genau hier in Südkorea zu Hause zu sein. Wer je das Lächeln, die Freundlichkeit und das nie nachlassende Bemühen der Abertausenden freiwilligen Helfer erlebt hat, der vergisst den Rest für einen ganz, ganz langen Moment. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses Olympia auch ihnen etwas bringt.