In der Endlos-Warteschleife

Stefan Sigwarth © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Eigentlich ist er ein sorgsamer Zeitgenosse, fragt nach, wenn etwas nicht klar ist – doch bei Olympia landet er irgendwann im Nirwana.

Stefan Sigwarth | über den Autor dieser Zeilen

Eigentlich hätten sie es sich ja denken können, die Veranstalter der Winterspiele 2018. Oder sie hätten in Sotschi nachfragen können, wie das ist, wenn KURIER-Redakteur S. einen Shuttlebus besteigt. Aber nein...

Eigentlich ist er ein sorgsamer Zeitgenosse, fragt nach, wenn nicht klar ist, wo eine Buslinie hinführt, merkt sich Fahrpläne – doch noch bei Olympia landet er irgendwann im Nirwana. Ohne eigenes Verschulden! Denn wenn drei Helfer bestätigen, dass Bus A Richtung Hotel fährt, ist man geneigt, ihnen zu glauben. Aber spätabends eine Stunde lang im (!) Athletendorf (!!) umsorgt von bewaffneten russischen Sicherheitskräften (!!!) allein im Bus warten zu müssen...

... das zehrt dann an den Nerven. Die Geschichte fand noch ein gutes Ende, der Exil-Russe, der mich schließlich zum Hotel chauffierte, kennt einen alten Jugendfreund, und so gab es ein heiteres Gespräch auf dem rechten Weg.

In PyeongChang ging das donnerstägliche Malheur zumindest ohne Waffen und böse Blicke ab. Das kam so: Der Olympiapark mit Sprungschanzen, Biathlon- und Langlaufstrecken ist nur durch zwei Sicherheitsschleusen zu betreten. Die Shuttlebusse, die die Menschen durch die Gegend befördern, dürfen nicht hinein, dafür gibt es aber – in der Theorie – einen internen Shuttle, der alle 15 Minuten eine Runde dreht. Drehen sollte – denn der Versuch, von der Sprungschanze zum Ausgang auf der anderen Seite des Areals zu kommen, scheiterte jämmerlich. „Es kommt kein Bus, ich hätt’ ein Taxi nehmen...“ nein, hätte ich nicht, denn auch Taxis dürfen nicht in den Olympiapark.

Nur eine Minute

So ging es nach einiger Wartezeit per pedes vorbei an Langlaufstadion und Biathlon-Arena zur nächsten und zur übernächsten Haltestelle. „One minute“, beschied die freundliche Helferin nach einer Viertelstunde Wartezeit. Der Blick auf den Fahrplan zeigt: Das wird noch dauern. Ein Bus kommt, der Fahrer winkt ab. Inzwischen frischt der kalte Wind auf, die liebe Dame greift in ihren Rucksack und schenkt lächelnd ein Packerl mit einem Wärmegelkissen her.

„One minute.“ Die Zeit verrinnt. Schließlich kommt ein Bus, nach einigem Hin und Her nimmt er den Fahrgast mit. Zwei Stunden vertan – doch immerhin den Olympiapark kennengelernt, der an sich das Revier von KURIER-Kollege G. ist. Da lob’ ich mir die Alpinen: Nach Jeongseon fahren nur zwei Buslinien. Aber sie fahren.

( kurier.at , mod ) Erstellt am 10.02.2018