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Sport Wintersport
03/07/2021

Luftsprünge in Rot-Weiß-Rot: Die Tops und Flops der Nordischen WM

Das österreichische Team zeigte in Oberstdorf mit sieben Medaillen auf. Der KURIER zieht WM-Bilanz.

von Christoph Geiler

Heia Norge – das war nicht zum ersten Mal der Schlachtruf bei einer Nordischen WM. Mit 31 Medaillen waren die Norweger die großen Abräumer von Oberstdorf. Am letzten Tag holte Emil Iversen mit dem Sieg über 50 Kilometer das 13. Gold für die Langlaufnation Nummer 1.

Doch nach dem Rennen sprach keiner über den Sieger. Johannes Klæbo, der ursprünglich als Erster ins Ziel gekommen war und Gold bejubelt hatte, wurde eine Stunde nach dem Rennen disqualifiziert, da er im Zielsprint angeblich den Russen Alexander Bolschunow behindert haben soll – ein mehr als fragwürdiges Urteil.

Für die Österreicher endete die Nordische WM mit sieben Medaillen, darunter gleich vier in Gold. Der KURIER zieht Bilanz und blickt auf die Tops und Flops von Oberstdorf zurück.

 

TOP

Johannes Lamparter

Senkrechtstarter, Jungstar, Himmelsstürmer – der 19-Jährige erhielt bei dieser WM viele Namen verpasst. Fast noch beeindruckender als die Medaillenbilanz des Kombinierers (Gold im Einzel, Gold mit Lukas Greiderer im Teamsprint, Bronze in der Staffel) waren die abgeklärten Auftritte des WM-Debütanten. Man muss kein nordischer Experte sein, um prophezeien zu können: Das werden nicht die letzten Medaillen von Johannes Lamparter gewesen sein.

Therese Johaug

Langlaufrennen mit ihr sind langweilig – denn der Ausgang steht meist schon vor dem Start fest. Vier Rennen bestritt die Norwegerin, vier Mal holte sie Gold. Es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer für die chancenlose Konkurrenz: Johaug, die schon einmal eine 18-monatige Dopingsperre absitzen musste, liebäugelt mit einem Wechsel in die Leichtathletik.

Stefan Kraft

Der Salzburger Skispringer ist ein Mann für die großen Momente bei Großereignissen. Seit 2015 war Stefan Kraft punktgenau bei jeder WM in Hochform und sammelte bei allen Titelkämpfen zumindest eine Einzelmedaille. Nach dem Titel auf der Großschanze in Oberstdorf ist der 27-Jährige nun mit drei Goldmedaillen die Nummer drei der WM-Bestenliste und beflügelte auch seine Kollegen. Im Teambewerb gab es für Österreich noch Silber.


 

Teresa Stadlober

Man muss die 28-Jährige für ihre Zähigkeit und Ausdauer bewundern. Seit Jahren hält Stadlober als Alleinunterhalterin die Fahnen des rot-weiß-roten Langlaufs hoch, in Oberstdorf schrieb sie mit den Rängen 4, 5 und 9 Schlagzeilen. Ohne Skandinavierinnen hätte sie zwei Mal Gold gewonnen.

Marita Kramer

Auch wenn die 19-Jährige in beiden Einzelspringen als Topfavoritin nur auf dem vierten Platz landete, so gebührt ihr trotzdem eine Verdienstmedaille. Beeindruckend wie die Pinzgauerin diese beiden Tiefschläge weggesteckt hat und die Schuld nicht bei der Jury (siehe unten) oder dem schlechten Wind suchte. Kramer bewies wahre Größe und wurde zurecht mit der Goldmedaille im Teambewerb und Mixed-Bronze belohnt.
 

NORDISCHE SKI-WM 2021 IN OBERSTDORF: SIEGEREHRUNG

FLOP

Halvor Granerud

Oberstdorf war kein guter Boden für den Überflieger des Winters, der angetreten war, um groß abzuräumen und seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Auf der Normalschanze musste sich der elffache Saisonsieger mit Blech begnügen, danach fiel er mit einer Covid-Infektion aus allen Wolken und durfte nicht mehr an den Start gehen.

Langlaufteam

Gäbe es da nicht Einzelkämpferin Teresa Stadlober, Österreich wäre im Langlauf ein Niemandsland. Die übrigen Starter waren nur ein Fall für die Rubrik Unter ferner liefen. Dass die Wintersport-Großmacht Brasilien eine Herren-Staffel stellen kann, aber Österreich nicht, zeigt das Dilemma.

Skisprung-Jury

Das Frauenspringen von der Normalschanze wurde nicht am Bakken entschieden, sondern im Jury-Kammerl. Vor Halbzeitleaderin Marita Kramer wurde der Anlauf verkürzt – prompt fiel sie auf Rang vier zurück. Dass die Mitglieder der Jury aus Slowenien kamen und Ema Klinec (SLO) davon profitierte und Gold holte, hat ein G’schmäckle, wie man im Allgäu sagen würde.

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