Sport | Wintersport
28.01.2018

Österreichischer Doppelsieg in Garmisch

Marcel Hirscher gewinnt den Riesentorlauf und landet seinen bereits zehnten Saisonsieg. Sein Teamkollege Manuel Feller wird Zweiter.

Wenn es die Konkurrenz schon nicht schafft, dann muss sich Marcel Hirscher zuweilen halt selbst unter Zugzwang bringen. So geschehen im ersten Teil des Riesenslaloms von Garmisch-Partenkirchen, als sich der 28-Jährige bei der Besichtigung des ersten Laufs den Luxus leistete, die letzten zehn Tore gar nicht mehr groß anzuschauen, um eine Abkürzung Richtung Seilbahn zu nehmen, die an sich den Rutschern vorbehalten ist.

Und auch seinen norwegischen Kollegen Leif Kristian Nestvold-Haugen, der mit Startnummer eins das Rennen eröffnete, verfolgte er nur bis zu den letzten drei Toren vor dem Ziel, "dann bin ich ins Starthaus gegangen. Da hätte ich mir fast die Finger verbrannt", gestand Hirscher nach getaner Arbeit, "denn genau in diesem Bereich habe ich einen schweren Fehler gemacht."

Doch weil Hirscher Hirscher ist, reichte es nicht nur locker zur Halbzeitführung, es reichte auch zum 13. Podestplatz in dieser Saison – und zum zehnten Sieg, so viele hat er noch nie in einem Winter geschafft. Und damit hat er nun auch Hermann Maiers eigene Marke von 55 Weltcup-Erfolgen erreicht, der Flachauer rechnet ja bekanntlich auch jenes Rennen in Val d’Isère in seine Leistungsbilanz, bei dem er disqualifiziert worden ist; der Ski-Weltverband FIS beharrt hingegen auf 54 Erfolgen. "Ich kann es gar nicht recht fassen, denn es dauert ja schon ziemlich lange, bis man einmal von eins bis 55 gezählt hat", sagte Hirscher.

"Ich weiß gar nicht recht, warum es mir hier immer so gut läuft", sagte Hirscher nach seinem dritten Garmisch-Sieg en suite, "aber das Gelände ist jenem, auf dem ich immer trainiere, relativ ähnlich. Und vielleicht funktioniert hier auch mein Wachs’l ganz gut."

Weißer Fleck

So oder so: Marcel Hirscher fehlen nun noch sieben Siege auf den österreichischen Rekord von Annemarie Moser-Pröll, aktuell liegt der sechsfache Gesamtweltcupsieger gleichauf mit der Schweizerin Vreni Schneider. An der Spitze steht nach wie vor der Schwede Ingemar Stenmark (86) vor der Amerikanerin Lindsey Vonn (79).

Nach dem 120. Weltcup-Podestplatz seiner Karriere kann sich Hirscher nun in Ruhe auf das Füllen des letzten weißen Flecks in seinem sportlichen Lebenslauf konzentrieren – auf eine Goldmedaille bei Olympia in Pyeongchang. Die Statistik besagt: In den letzten 20 Jahren hat stets der Sieger des letzten Riesenslaloms vor Winterspielen anschließend auch Gold geholt. Einzige Ausnahme von der Regel: Marcel Hirscher, der 2010 zwar in Kranjska Gora siegte – in Vancouver aber Vierter wurde.

Am Dienstag steht noch das City-Event in Stockholm auf dem Fahrplan, ein Verzicht ist für Hirscher kein Thema. Je nachdem, wie es ihm danach geht, will er auch über sein Olympia-Programm entscheiden. "Die Frage ist es, ob ein paar Tage daheim besser sind – oder gleich die Reise nach Südkorea." Ob die Kombination ein Thema sein kann? "Zum letzten Mal hatte ich die langen Skier bei der WM in St. Moritz an den Füßen..."

Historischer Erfolg

1,57 Sekunden hinter Hirscher jubelte ein Tiroler: Manuel Feller, 25, fuhr als Zweiter erstmals aufs Podest; drei Mal war der Fieberbrunner zuvor bereits Vierter. Und Feller sorgte damit für den ersten ÖSV-Doppelsieg in einem Riesenslalom seit dem Weltcup-Finale 2012 in Schladming, damals stand sogar ein Trio auf dem Podest.

"Eigentlich bin ich in diesem Winter in jedem Rennen stärker geworden – und im Gegensatz zum Slalom auch nie ausgefallen", sagte Feller und berichtete von seiner ersten Begegnung im Ziel: "Marcel hat gesagt, ,ich hab gesehen, dass du um eine halbe Sekunde vorn bist, dann bin ich gleich noch einmal lockeret runtergefahren‘ – da hab ich also gleich noch einmal eine von ihm gekriegt."

Christian Hirschbühl wurde unterdessen als elfter Mann ins olympische ÖSV-Herren-Team nominiert. "Das hat mich sehr überrascht", sagte der Vorarlberger, "ich schätze dieses Vertrauen." Zurückzahlen konnte er es am Sonntag aber noch nicht. "Ich muss einfach mehr Risiko und Entschlossenheit zeigen", sagte der Lauteracher, der auf Platz 28 landete.

Endstand:

1.

Marcel Hirscher (AUT)

2:40,18

Min.

1:18,64

1:21,54

2.

Manuel Feller (AUT)

2:41,75

+01,57

1:19,62

1:22,13

3.

Ted Ligety ( USA)

2:41,87

+01,69

1:19,27

1:22,60

4.

Henrik Kristoffersen (NOR)

2:42,01

+01,83

1:19,99

1:22,02

5.

Matts Olsson (SWE)

2:42,15

+01,97

1:20,03

1:22,12

6.

Aleksander Aamodt Kilde (NOR)

2:42,31

+02,13

1:19,82

1:22,49

7.

Florian Eisath (ITA)

2:42,38

+02,20

1:19,82

1:22,56

8.

Mathieu Faivre (FRA)

2:42,48

+02,30

1:20,49

1:21,99

9.

Alexis Pinturault (FRA)

2:42,50

+02,32

1:19,58

1:22,92

10.

Loic Meillard (SUI)

2:42,73

+02,55

1:19,65

1:23,08

11.

Manfred Mölgg (ITA)

2:42,92

+02,74

1:20,27

1:22,65

12.

Victor Muffat-Jeandet (FRA)

2:42,99

+02,81

1:20,72

1:22,27

13.

Justin Murisier (SUI)

2:43,03

+02,85

1:20,02

1:23,01

14.

Giovanni Borsotti (ITA)

2:43,11

+02,93

1:21,12

1:21,99

15.

Fritz Dopfer (GER)

2:43,18

+03,00

1:20,98

1:22,20

16.

Thomas Fanara (FRA)

2:43,19

+03,01

1:20,80

1:22,39

17.

Thibaut Favrot (FRA)

2:43,21

+03,03

1:21,13

1:22,08

18.

Zan Kranjec (SLO)

2:43,38

+03,20

1:20,10

1:23,28

19.

Filip Zubcic (CRO)

2:43,41

+03,23

1:20,83

1:22,58

20.

Tim Jitloff (USA)

2:43,49

+03,31

1:21,14

1:22,35

.

Linus Straßer (GER)

2:43,49

+03,31

1:21,52

1:21,97

22.

Alexander Schmid (GER)

2:43,53

+03,35

1:20,57

1:22,96

23.

Elia Zurbriggen (SUI)

2:43,70

+03,52

1:21,25

1:22,45

24.

Roberto Nani (ITA)

2:43,78

+03,60

1:21,38

1:22,40

25.

Riccardo Tonetti (ITA)

2:44,11

+03,93

1:20,87

1:23,24

26.

Andreas Zampa (SVK)

2:44,29

+04,11

1:21,43

1:22,86

27.

Tommy Ford (USA)

2:44,34

+04,16

1:20,57

1:23,77

28.

Christian Hirschbühl (AUT)

2:44,40

+04,22

1:21,52

1:22,88

29.

Erik Read (CAN)

2:44,71

+04,53

1:20,80

1:23,91

30.

Johannes Strolz (AUT)

2:45,02

+04,84

1:21,32

1:23,70

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Stefan Brennsteiner (AUT), Gino Caviezel (SUI), Andre Myhrer (SWE)