Nie aufgegeben: Silber gibt es zur Belohnung

RUSSIA SOCH 2014 PARALYMPIC GAMES
Foto: APA/EPA/ENNIO LEANZA Stark unterwegs: Matthias Lanzinger holte sich die heiß erwartete Olympia-Medaille.

Matthias Lanzinger erfüllte sich in Sotschi den Traum von einer Olympia-Medaille.

Es gibt berührende Geschichten, die das (Sportler-)Leben gelegentlich schreibt.

Jene von Matthias Lanzinger ist so eine, die nicht nur Skifans nahe geht.

Rückblick: Am 2. März 2008 zog sich der Salzburger bei einem Super-G in Kvitfjell schwerste Verletzungen zu mit der Folge, dass ihm nach vielen Komplikationen zwei Tage später das linke Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste.

Aus, alles vorbei?

Mitnichten.

Keine Aufgabe

Schon wenige Wochen später wusste der heute 33-Jährige: Er möchte einmal eine Olympia-Medaille bei den Paralympics holen. Aufgeben war für ihn auch in den trostlosen Stunden ein Fremdwort.

Lanzinger wurde am Sonntag für seinen unbändigen Willen belohnt. Hinter dem Kärntner Markus Salcher, der tags zuvor schon Gold in der Abfahrt geholt hatte, wurde er im Super-G-Stehend-Bewerb Zweiter. "Dass es aber schon im zweiten Rennen geklappt hat, obwohl mir diese Piste und dieser Schnee nicht besonders liegen, ist schon eine Erleichterung."

Neuer Mut

RUSSIA SOCH 2014 PARALYMPIC GAMES Foto: APA/EPA/VASSIL DONEV Die guten drei: Lanzinger (li.) mit Salcher und dem Dritten Bugaev Der Realisierung des Medaillen-Zieles in Sotschi war aber nicht der einzige Grund, warum Lanzinger nie aufgab. Der Weg war das Ziel. Für Lanzinger war rasch nach seiner Genesung schnell klar, dass für ihn ein Leben ohne Sport unmöglich ist. Nur zwei Monate nach seinem Unfall geht ein Foto um die Welt, das Lanzinger mit Prothese beim Jonglieren bei einem Fußballspielchen zeigt.

Motiviert durch die Paralympics 2010 in Vancouver ordnete Lanzinger wieder alles dem Sport unter und kehrte 2011 auf die Rennpisten zurück. Im Dezember 2011 feierte er seinen ersten Sieg im Europacup, außerdem wurde er in der selben Saison dreifacher österreichischer Meister. Am 8. Januar 2013 nahm Lanzinger schließlich erstmals an einem Weltcuprennen als Behindertenskirennfahrer teil. Er wurde Dritter und jubelte am nächsten Tag sogar als Sieger des Riesenslaloms vom Podest.

Ohne Druck

Die 20-jährige Spitzensport-Erfahrung als Nicht-Behinderter machte sich bezahlt, wenngleich sich freilich viel geändert hat: "Im Alltag stört die Prothese kaum. Aber es ist gegenüber früher ein großer Unterschied, wenn man mit vollem Druck vereiste Pisten hinunter muss", sagte Lanzinger einem Internet-Portal aus der Schweiz.

In Sotschi soll es das nicht gewesen sein. "Ich rechne mir auch noch in der Super-Kombination und im Riesentorlauf Medaillenchancen aus", erklärt der Salzburger. Er weiß, er kann ohne Druck starten.

Lanzinger muss niemandem mehr etwas beweisen, er hat nicht Gegner, sondern vor allem das Schicksal besiegt.

Sorgenfalten nach Sturzserie bei den Paralympics

Am ersten Tag der Paralympics in Sotschi stand in Krasnaja Poljana die Abfahrt der Herren in der sitzenden Klasse auf dem Programm. Der Japaner Akira Kano gewann Gold, überschattet wurde sein Sieg aber von zahlreichen besorgniserregenden Stürzen. Von 22 gestarteten Athleten erreichten nur zwölf das Ziel. Der deutsche Abfahrts-Weltmeister Franz Hanfstingl erlitt bei seinem Sturz eine Rippenverletzung und eine Gehirnerschütterung. Seinen Start im Super-G am Sonntag musste er absagen. Am schlimmsten erwischte es Tyler Walker. Der beinamputierte Rennläufer aus den USA kam zu Fall und überschlug sich mehrmals. Walker blieb zunächst regungslos liegen, ehe sich die... ... Rettungskräfte um ihn kümmerten und er per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde. Nach Angaben des US-Teams befindet sich der 27-Jährige aber in einem stabilen Zustand und ist bei Bewusstsein. Auch der Sturz des Japaners Taiki Morii sah schlimm aus. Zum Glück, schlimmer als er tatsächlich war. Der mehrfache Weltmeister holte sich einen Tag darauf Silber im Super-G. Einige Stürze gab es auch in der Abfahrt im Stehend-Bewerb. Der Kanadier Kirk Schornstein raste in die Fangzäune. Der 20-Jährige kam mit dem Schrecken davon. Am Sonntag stand er beim Super-G wieder am Start. Die Sturzserie sorgte für bange Blicke auf den Tribünen und erste Reformvorschläge aus der Sportpolitik. "Wenn die Summe der Stürze überwiegt, muss man das hinterfragen. Das sind ja keine Anfänger, die da fahren", sagte Friedhelm Julius Beucher, Chef des Deutschen Behindertensportverbandes. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) müsse sich "grundsätzlich überlegen, ob man Monoskiwettbewerbe in allen Disziplinen auf allen Pisten" durchführen könne. Der Salzburger Matthias Lanzinger stuft die Situation als "grenzwertig" ein, Beucher ist skeptisch ob der Zukunft von Monoskifahrern auf solch extrem steilen Pisten. "Jede Extremsituation gleichen Sie normalerweise mit dem zweiten Ski durch die Körperdrehung aus. Bei den Monoskifahrern geht das nicht", betonte der Deutsche.
(kurier) Erstellt am
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