Sport | Wintersport
05.09.2017

Nicole Schmidhofer: "Ich sollte vielleicht öfter Nein sagen"

Die Super-G-Weltmeisterin spricht über Stress, Lehren, Perspektiven und neues Material.

Der Sommer hatte sich noch nicht verabschiedet, als Nicole Schmidhofer am Montag noch einmal in Wien vorstellig wurde. Ihr Sponsor hatte die Super-G-Weltmeisterin aus dem Lachtal zum Medientermin vor der Abreise ins dreiwöchige Trainingslager nach Chile geladen, mit dabei auch ihre Kolleginnen vom Team Baustoff + Metall: Stephanie Venier, die Vizeweltmeisterin in der Abfahrt, und Ramona Siebenhofer, die mittlerweile in Salzburg lebt und beim Wasserskifahren am Wakeboardlift auf der Neuen Donau gleich einmal eine kapitale Brez’n riss.

"Ich wünsche mir, dass unsere Mädels so viele Medaillen gewinnen, dass sie nicht mehr stehen können", sagte Wolfgang Kristinus, der Chef des Sponsors, der Nicole Schmidhofer seit Jahren kennt und unterstützt, hat er doch ein Haus im Lachtal. Das wird wohl noch ein Zeiterl dauern – die Damen haben nicht gerade wenig Kraft.

KURIER: Wo hat denn nun die Goldene ihren Platz gefunden?

Nicole Schmidhofer: Bei mir im Schlafzimmer. Ich habe vor drei Jahren einen großen, weißen Engel geschenkt bekommen, dort habe ich sie hingehängt. Und dort hängt auch der Rosenkranz, den wir bei unserer Papstaudienz erhalten haben.

Sind Sie sehr religiös?

Ja. Ich gehe oft in die Kirche, wenn ich daheim bin.

Und ins Stadion.

Stimmt. Was Sturm Graz momentan spielt, ist richtig cool. Aber das haben sie sich auch verdient: Sie haben einige junge Spieler, die geben richtig Gas. Das taugt mir.

Ist der Rummel seit der WM inzwischen abgeflaut?

Es ist ein bissl normaler geworden. Anfangs war ich überfordert mit der Situation, dass ich wirklich überall angesprochen worden bin, auch bei der Beachvolleyball-WM in Wien. Aber es ist in Ordnung. Nur...

Nur?

Auf das Wie kommt es an. Wenn jemand kommt und sagt ,Ich muss jetzt unbedingt ein Foto mit dir machen‘, denk’ ich mir schon, dass das Wort Bitte offensichtlich ein Fremdwort ist. Oder wenn bei einem Zeltfest wer kommt nachts um drei, halb angeblasen ... da sag’ ich dann Nein, denn da sieht derjenige scheiße aus – und ich auch.

Aber die Goldene hat doch sicher auch gute Seiten.

Auf jeden Fall. Ich habe das Privileg, Leute kennenzulernen und neue Möglichkeiten für die Zeit nach der Karriere zu entdecken. Ich werde zu so vielen Veranstaltungen eingeladen – irgendwie kann ich das alles immer noch nicht recht einordnen. Aber ich bin auch selber schuld an der Situation: Ich sollte vielleicht öfter Nein sagen.

Ein Lernprozess.

Genau. Anfang Juli wollte ich einfach nimmer wegfahren von daheim. Die Termine an sich waren ja gar nicht das Problem, aber die vielen Autofahrten hin und retour – da hatte ich kaum noch Zeit zum Trainieren. Mein Kopf war leer. Und dann hab’ ich mich daheim zwei Tage in den Garten gelegt und bin stundenlang mit dem Hund spazieren gegangen.

Sie sind etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss zu WM-Gold gefahren. Nun hat sich Marcel Hirscher vor der Olympia-Saison den linken Außenknöchel gebrochen – eine Verletzung zur Unzeit?

Marcel ist wohl einer der Wenigen, die es schaffen können, dass sie trotzdem bis Anfang Dezember wieder fit sind. Denn dann geht es so richtig los.

Bei den Speed-Herren sind inzwischen einige mit dem Airbag unterwegs. Wie schaut es da eigentlich bei den Damen aus?

Ich werd’ ihn dann verwenden, wenn er für uns auch fahrbar ist. Das Problem ist nämlich: Momentan ist er auf die Männer ausgelegt, und für mich zum Beispiel (Schmidhofer misst 158 Zentimeter, Anm.) müssen die Hersteller erst die ganze Technik so klein zusammengewuzelt haben, dass der Airbag für mich auch tragbar ist.

Und wie tragbar ist Ihr neuer Skischuh?

Ich hatte ihn vorletzte Woche im Riesenslalomtraining in Saas Fee erstmals an. Er ist komplett neu, aber interessant wird, wie er auf den langen Skiern funktioniert. Er soll aber schnell sein (lacht).