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Sport Wintersport
01/08/2019

Nachtslalom in Flachau: Geldregen unter Flutlicht

Beim traditionellen Damenrennen werden wieder 168.000 Euro ausgeschüttet. Das ist Saisonhöchstmarke.

von Stefan Sigwarth

Die Vorfreude ist groß: Am Dienstagabend fahren die Slalom-Damen unter Flutlicht in Flachau um das höchste Preisgeld der Saison (168.000 Euro, davon rund 70.000 für die Siegerin), und das vor der größten Zuschauerkulisse des Winters (18 und 20.45 Uhr, live ORFeins). Und mit vier Top-Ten-Platzierungen hatten sich die Österreicherinnen 2018 auch blendend präsentiert, angeführt von Bernadette Schild, die hinter Mikaela Shiffrin Zweite wurde.

Auch für Katharina Liensberger, die Nummer zwei unter den österreichischen Slalom-Damen, ist Flachau etwas Besonderes. Hier hat die Vorarlbergerin 2016 im Weltcup debütiert, hier wurde sie 2018 Achte. In den letzten elf Weltcup-Slaloms kam die 21-Jährige aus Göfis bei Feldkirch neun Mal in die Top 12, acht Mal in die Top Ten, zwei Mal – zuletzt am vergangenen Samstag in Zagreb – ist sie ausgeschieden.

Es ist ein Aufstieg mit Ansage: Liensberger zeichnet sich durch Konstanz aus, und wie bei ihrem Hobby Harfe spielen ist es vor allem die Ruhe, in der ihre Kraft liegt. „Ich bin nicht immer so ruhig, wie es scheinen mag“, räumt sie ein, „aber ich versuche, immer ich selbst zu sein.“ Dazu gehört für sie auch, Zeit mit den Fans zu verbringen. „Wenn die Leute mich anfeuern, motiviert mich das, da möchte ich etwas zurückgeben. Und wenn ich den Kindern in die Augen sehe, wenn ich ihnen ein Autogramm gebe, und diese Freude wahrnehme, dann freut das auch mich extrem. Zumal ich dann daran denke, wie es für mich in meiner Jugend war.“

So hat die Absolventin des Skigymnasiums Stams noch immer eine Startnummer von Hannes Reichelt in ihrem Zimmer hängen, die sie während eines Schülerinnenaustauschs in Beaver Creek ergattern konnte. „Die hat für mich extrem viel bedeutet. Dann wollte ich immer meine eigene Weltcup-Startnummer, und so habe ich auch noch jene von meinem Debüt 2016 in Flachau zu Hause“, sagt die Zöllnerin in spe, die heuer ihre Ausbildung abschließen will und seit Dezember einen neuen Servicemann hat.

Vor- und Nachteile

Für Bernadette Schild hingegen war Flachau lange Zeit eine Art Hassrennen, vor allem die aufgeschobenen Bodenwellen gaben der 29-Jährigen Rätsel auf. Als sie sie gelöst hatte, landete sie 2018 auf Platz zwei hinter Mikaela Shiffrin. Kleine Änderungen am Schuh haben die Salzburgerin den nächsten Schritt nach vorn machen lassen, in Zagreb ist sie nach zwei Ausfällen en suite (und den Plätzen 3, 4 und 8 zuvor) auch endlich wieder ins Ziel gekommen (8.).

Vorteil Schild: Wegen des vielen Neuschnees gibt es heuer keine Bodenwellen in Flachau. Nachteil Schild: „Der Hang ist jetzt wohl einfacher – und das macht die Aufgabe für mich schwieriger.“ Auf der wohl eher weichen Piste „wird es darum gehen, runder zu fahren und die Spuren zu treffen. Du kannst nicht den Druck so punktuell auf den Ski geben wie auf einem harten Untergrund.“

SKI WELTCUP AM SEMMERING: SLALOM DER DAMEN/TRUPPE (AUT)

Neue Konstanz

Katharina Truppe hat sich nach zwei schwierigen Wintern als Nummer drei im ÖSV-Damen-Team eingerichtet. „Ich bin körperlich stärker geworden, halte dadurch mehr aus und kann stärker auf die Skier drücken“, weiß die Kärntnerin, „außerdem fahre ich auch im Training jetzt mehr auf Druck – und auch beim Material wurde einiges geändert.“ Lohn sind bereits drei Top-Ten-Plätze für die 22-Jährige, „und Top Ten bedeutet für mich immer, dass es ein erfolgreiches Rennen war. Denn so leicht ist das nicht zu erreichen.“

Bange Blicke

Während Flachau trotz all des Neuschnees in den vergangenen Tagen wieder ein solides Rennen hinbekommen sollte und am Montag problemlos zu erreichen war, stehen die nächsten Damen-Bewerbe in St. Anton am Arlberg unter sehr ungünstigen Vorzeichen – die nächste Schneefront ist im Anmarsch. Am Montag schien zwar die Sonne, doch für die nächsten Tage sind beträchtliche Niederschläge vorausgesagt, was für Abfahrt (Samstag) und Super-G (Sonntag) denkbar ungünstig ist. Mikaela Shiffrin schenkt sich den Flockenwirbel – und pausiert.