Aksel Lund Svindal machte durch den Sieg in Kvitfjell Boden auf Marcel Hirscher gut.

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Sport | Wintersport
03/03/2013

Super-G-Kristallkugel an Svindal

Der Norweger siegt erstmals in der Heimat. Streitberger wird Zweiter, fünf weitere ÖSV-Läufer landen in den Top Ten.

Das Heimspiel in Kvitfjell wurde am Sonntag für Aksel Lund Svindal zur großen Triumphfahrt. Mit einem überlegenen Sieg eroberte der 30-Jährige zum bereits vierten Mal den Super-G-Weltcup, zudem meldete sich Svindal im Kampf um die große Kristallkugel eindrucksvoll zu Wort. Sechs Rennen vor Schluss sind der Salzburger Titelverteidiger Marcel Hirscher, der in Norwegen nicht am Start stand, und Svindal nur durch 29 Punkte getrennt.

Am kommenden Wochenende stehen in Kranjska Gora ein Riesentorlauf (Samstag) und ein Slalom (Sonntag) auf dem Programm, dann wird es beim Finale in Lenzerheide zur Sache gehen. "Marcel ist weiterhin der Favorit. Jetzt kommt sein Wochenende. Wenn er in Kranjska Gora zwei Topresultate einfährt, dann ist der Weltcup so gut wie entschieden", meinte Svindal zurückhaltend.

Hirschers Landsleute konnten ihrem ÖSV-Kollegen zwar keine Schützenhilfe bieten, präsentierten sich aber mit gleich sechs Athleten in den Top-Neun mannschaftlich beeindruckend.

Mit dem Respektabstand von 0,52 Sekunden wurde Georg Streitberger Zweiter. Hinter dem Dritten Werner Heel aus Italien folgten auf den Plätzen vier und fünf Hannes Reichelt und Joachim Puchner. Auch Max Franz (7.), Matthias Mayer (8.) und Klaus Kröll (9.) landeten bei diesmal recht fairen Windbedingungen im Spitzenfeld.

Erster Heimsieg

Mit Weltcup-Sieg Nummer 21, dem ersten auf norwegischem Boden, zog Svindal mit seinem Landsmann Kjetil Andre Aamodt gleich. Den Super-G-Weltcup gewann der fünffache Weltmeister nach 2006, 2009 und 2012 bereits zum vierten Mal, auf Rekordhalter Hermann Maier fehlt ihm also nur noch eine Kugel. "Dass ich diese Kugel ausgerechnet daheim gewonnen habe, ist wunderschön", freute sich der stolze Besitzer von mittlerweile acht Kristallkugeln.

Für Svindal hätte bereits ein neunter Rang zum vorzeitigen Gewinn der Super-G-Wertung gereicht. "Aber ich fahre immer auf Sieg, das macht viel mehr Spaß. Ich liebe diesen Adrenalinkick", warf der Norsker jegliches Taktieren über Bord. So fuhr er trotz einer kleinen Schrecksekunde im unteren Abschnitt bereits den vierten Sieg im fünften Weltcup-Super-G des Winter ein.

Selten hat ein Sport-Superstar so schön seinen Rücktritt erklärt. Und das auch noch an einem so geschichtsträchtigen Ort wie Kitzbühel. Im Smoking teilte Aksel Lund Svindal auf der elitären "KitzRaceParty" mit, dass die Rennen bei der Ski-WM in Åre seine letzten sein werden. 

Svindal hatte bereits vergangenen Sommer länger überlegt, ob er seine Karriere fortsetzen soll, aber der zweifache Olympiasieger fühlte sich noch nicht bereit. "Ich will hundertprozentig wissen, dass das die richtige Entscheidung ist", hatte der stets faire Sportsmann, der skandalfrei durch seine Karriere schritt und dennoch tiefe Spuren hinterließ, beim Saisonauftakt in Sölden besonnen gemeint.

Er war nie ein Mann der lauten Worte, aber einer der viel zu sagen hatte und den Skisport prägte wie kaum ein anderer.

"Ich bin happy, dass es jetzt entschieden ist. Jetzt kann ich mich auf die letzten beiden Rennen vorbereiten. Es war komisch, es auszusprechen, aber auch in Ordnung. Ich bereue es nicht", sagte er zu norwegischen Medien.

Der fehlende Abfahrtssieg bei den Hahnenkammrennen trübt vielleicht die persönliche Bilanz des großen Svindal ein klein wenig, nicht aber die eigentliche. 

Olympia-Gold 2010 in Whistler im Super-G und 2018 in Jeongeson in der Abfahrt als Krönung der Karriere zeigen eindrucksvoll, seit wie lange der mittlerweile 36-Jährige Weltklasse ist. 

Seine ersten zwei von fünf Weltmeistertitel in drei Disziplinen (zweimal Abfahrt, zweimal Kombination, einmal Riesentorlauf) fuhr er schon 2007 in Åre ein, dort wird er nun in Kürze auch Abschied von der großen Bühne nehmen.

Dieser WM ordnet der Gesamtweltcupsieger von 2007 und 2009 sowie Gewinner von 36 Weltcuprennen nun alles unter. 

"Viele Freunde und die Familie werden da sein, das können schöne Rennen zum Abschied werden. Man kann einen großen Kampf um die Medaillen erwarten, ich fühle mich mental sehr gut vorbereitet."

Svindal kämpft seit seinem Horrorsturz 2016 in der Kitzbühel-Abfahrt mit den Folgen der schweren Knieverletzung. Es war nicht seine einzige schwere Verletzung,

Es war nicht seine einzige schwere Verletzung, im Oktober 2014 hatte er sich bei einem Jux-Fußballspiel die Achillessehne gerissen und war ein Jahr ausgefallen.

Viel Glück hatte er im November 2007 im Training von Beaver Creek, als er eine tiefe Schnittwunde am Gesäßmuskel erlitt, Zähne verlor und sich Nasenbein- und Jochbein brach.

Fast perfekt

Streitberger fuhr zum siebenten Mal in seiner Karriere aufs Weltcup-Stockerl, nach seinem Premierensieg 2008 zum schon zweiten Mal in Kvitfjell. "Das war ein fast perfekter Lauf. Dieses Ergebnis ist eine große Erleichterung für mich", freute sich der 31-Jährige über sein bestes Saisonergebnis.

"Die Form war immer da, Topzeiten hab ich aber meistens nur im Training geschafft. Dadurch ist eine Verkrampfung im Kopf entstanden", erzählte Streitberger. Dem Sieg trauerte er angesichts von Svindals Überlegenheit nicht nach. "Lieber fünf Zehntel als fünf Hundertstel Rückstand. Svindal ist im Super-G derzeit fast unschlagbar", meinte Streitberger.

Verflixt

Nicht vom Glück verfolgt fühlt sich Reichelt. "Im Moment ist es verflixt mit den vierten Plätzen", merkte der Salzburger an. Nach dem WM-Super-G und der Garmisch-Abfahrt war es für den 32-Jährigen bereits der dritte vierte Rang innerhalb weniger Wochen. "Vierter zu sein, tut immer weh. Aber heute schmerzt es natürlich nicht so sehr wie bei der WM."

Endstand
1. Aksel Lund Svindal NOR 1:29,79
2. Georg Streitberger AUT 1:30,31
3. Werner Heel ITA 1:30,36
4. Hannes Reichelt AUT 1:30,48
5. Joachim Puchner AUT 1:30,68
6. Matteo Marsaglia ITA 1:30,92
7. Max Franz AUT 1:30,95
8. Matthias Mayer AUT 1:31,07
9. Klaus Kröll AUT 1:31,20
10. Siegmar Klotz ITA 1:31,24
11. Adrien Theaux FRA 1:31,29
12. Dominik Paris ITA 1:31,33
13. Romed Baumann AUT 1:31,39
14. Didier Defago SUI 1:31,50
15. Carlo Janka SUI 1:31,55
Weiter:
24. Florian Scheiber AUT 1:31,94
32. Otmar Striedinger AUT 1:32,19

Ausgeschieden: u.a. Frederic Berthold (AUT), Andreas Romar (FIN), Christof Innerhofer (ITA), Peter Fill (ITA), Erik Guay (CAN)