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25.01.2013

Mayer: "Bremsen war kein Thema"

Der Super-G-Zweite von Kitzbühel im Interview.

Nach zwei sechsten und einem siebenten Rang in dieser Saison hat der 22-jährige Matthias Mayer mit Platz zwei im Weltcup-Super-G vom Kitzbühel nicht nur den ersten Podestplatz seiner Karriere errungen, sondern auch bewiesen, dass er mit dem Druck vor Heimpublikum umgehen kann. 30 Fans aus seiner näheren Heimat inklusive Vater, Ex-Skirennläufer Helmut Mayer, feierten den Kärntner. Den Interview-Marathon bestand der Filius mit Bravour.

Sie wirken sehr entspannt. Überhaupt nicht aufgeregt?
"Warum sollte ich nicht entspannt sein. Ich habe gerade ein Ziel erreicht, auf das ich mein bisheriges Leben hingearbeitet habe: dass ich auf das Podest fahre. Das ist jetzt ein bisschen Neuland für mich, die Aufmerksamkeit, die einem geschenkt wird. Es kommt mir bisher sehr positiv vor. Ich versuche, es in Ruhe anzugehen und mir das einmal anzuschauen. Und morgen steht noch die Abfahrt auf dem Programm, da muss man auch fixiert bleiben."

Wie ging es Ihnen vor dem Rennen?
"Ich versuche vor einem Rennen immer ein normales Niveau zu halten. Denn wenn ich zu nervös bin oder wenn ich zu aufgeregt bin, funktioniert es bei mir nicht so gut. Und wenn ich heute nervös bin, dann werde ich es bei der WM auch sein. Und dann wird es hier und dort nicht funktionieren."

Sie haben am Donnerstag noch Super-G trainiert. Wie sah die weitere Vorbereitung für ihr Streifalm-Debüt aus?
"Ich habe noch genaues Videostudium von den Super-G der vergangenen Jahre hier gemacht. Ich habe mir genau angeschaut, wie die gefahren sind, und da war der Didier Cuche die Nummer eins. Hermann Maier habe ich mir auch noch angeschaut, da sind sie beim Zielsprung noch fünfzig Meter gesprungen."

Wie erklären Sie die Konstanz im Super-G?
"Ich habe eine irrsinnig gute Sicherheit am Super-G-Ski, die ich jetzt schön langsam vielleicht auch in der Abfahrt kriege. Und auch im Riesentorlauf wäre super. Die Geschwindigkeit ist ein bisschen weniger als in der Abfahrt, dadurch kann ich mich ein bisschen besser konzentrieren. Ich glaube, das ist mein großer Vorteil. Ich besichtige sehr genau, und es sind sicher auch sehr viele Instinkte dabei. Mit der Geschwindigkeit in der Abfahrt muss ich jetzt lernen umzugehen."

Ihre Linie ab der Hausbergkante war anders als bei den anderen, aber sauschnell...
"Ich habe das Tor auf der Hausbergkante irrsinnig gut erwischt. Dann habe ich so Speed aufgenommen und es hat zwei Möglichkeiten für mich gegeben. Entweder bremsen oder einfach durchlaufen lassen. Und das ist zum Glück gut ausgegangen. Bremsen war kein Thema."

War es die perfekte Fahrt?
"Bei ein paar Toren im Mittelteil war der Druck nicht optimal, da habe ich auch ein bisschen Zeit verloren, aber zum Schluss runter hat es mir schon irrsinnig getaugt."

Was bedeutet Ihnen der Stockerlplatz in Kitzbühel?
"Ein Kindheitsraum hat sich da erfüllt. Als Kind sitzt du vor dem Fernseher, siehst die Rennen in Kitzbühel, siehst die Läufer gewinnen, siehst die Läufer verlieren. Und dann fahre ich hier das erste Mal auf das Podest."

Und die WM-Nominierung ist damit auch fixiert...
"Ja, da gibt es jetzt keine Diskussion mehr. Ich kann mich voll darauf vorbereiten, jetzt freue ich mich auf den WM-Super-G."

In Ihrem Gesicht spiegelte sich so etwas wie Leiden wider, als Aksel Lund Svindal durch Ziel fuhr und die 1 für ihn aufleuchtete. Was haben Sie empfunden?
"Leiden auf keinen Fall, aber 13/100 findet man da herunter sicherlich überall. Aber da brauchen wir jetzt nicht rummotschgern anfangen."

Wie hört es sich an, wenn Svindal so lobende Worte über Sie findet?
"Cool. Aksel ist ein großes Vorbild. Wenn man am Podium ist und nur 13/100 hinter ihm und er sagt, er hat einen der schönsten Siege seiner Karriere gefeiert, dann stimmt dich das natürlich sehr positiv. Jetzt war ich einmal dabei, natürlich möchte ich das noch öfters erleben. Von den ganz Großen bin ich noch weit weg, aber es ist sicher ein guter Anfang, in Kitzbühel auf das Podest zu kommen."

Sie haben infolge einer reaktiven Arthritis vergangenen Frühling und Sommer von 87 auf 73 Kilogramm abgenommen und sind erst im November wieder voll ins Training eingestiegen. Haben Sie schon wieder alles aufgeholt?
"Ganz mein normales Gewicht habe ich noch nicht, aber ich bin voll zufrieden, ich glaube nicht, dass ich noch was ändern werde. Ich habe vor allem durch die Medikamente das Gewicht verloren - fünf Infusionen am Tag drei Wochen durchgehend. Das reicht. Jetzt habe ich wieder eine ganz normale Sportlerernährung."

Was trauen Sie sich in der Abfahrt zu?
"Im Training war ich voll zufrieden, aber auf ein Podium bin ich nicht aus. Aber einen Top-15, Top-10-Platz möchte ich auf jeden Fall erreichen. 120 Prozent werde ich nicht geben, denn das kann ein schlimmes Ende nehmen. Es wird sehr schlagig. Ruhigbleiben, nichts riskieren, aber hart pushen."