FIS Ski World Cup - Men's Downhill

Lokalmatador: Vincent Kriechmayr gewann in dieser Saison den Super-G in Gröden.

© REUTERS / LISI NIESNER

Sport Wintersport
02/28/2020

Keine Kugel, kaum Siege: Dem ÖSV droht ein historisches Debakel

Dem ÖSV fehlt nicht nur Marcel Hirscher. Der stolzen Skination Österreich droht die schlechteste Saison seit 1986/’87.

von Christoph Geiler

Wenn man ganz gemein wäre, dann könnte man jetzt sagen: Möglicherweise ist es gar nicht einmal so schlecht, dass das Weltcup-Finale in Cortina (ITA) wegen des Coronavirus ohne Zuschauer stattfinden wird. Dann bekommen nämlich weniger Leute mit, wie schlecht es für Österreichs Skifahrer in dieser Saison gelaufen ist.

Beim Weltcup-Finale werden traditionell die Helden des Winters gefeiert und die Kristallkugeln übergeben, und üblicherweise stehen dabei auch Sportler aus Österreich im Mittelpunkt. Diesmal freilich droht der erfolgsverwöhnten Ski-Nation Nummer eins bei der großen Trophäenvergabe die Zuseherrolle.

Die Gründe dafür sind vielfältig und hören nicht nur auf den Namen Marcel Hirscher.

Mayer und Co. zurück

Nach 61 von 84 Saisonrennen ist für den ÖSV realistisch betrachtet nur eine Kristallkugel noch in Reichweite, jene im Super-G der Herren.

Aber selbst Matthias Mayer (72 Punkte Rückstand) und Vincent Kriechmayr (74) werden in den drei verbleibenden Super-G-Rennen in Hinterstoder (Samstag), Kvitfjell und Cortina zur Höchstform auflaufen müssen, um das Klassement noch auf den Kopf zu stellen. Und damit die große Schmach abzuwenden.

Leerstunde

Die Zahlen in diesem Winter sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache – und klar gegen das österreichische Skiteam. Mit fünf Saisonsiegen (siehe Grafik) liegt Österreich nur an sechster Stelle, die Slowakin Petra Vlhova allein hat gleich viele Weltcuperfolge eingefahren wie alle ÖSV-Damen und -Herren gemeinsam.

Man muss schon weit in die Vergangenheit reisen, um auf ein ähnlich schwaches Abschneiden zu stoßen. Als die ÖSV-Damen 2017/’18 zuletzt in der Disziplinenwertung leer ausgegangen waren, wurde das noch durch Marcel Hirscher und seine Kollegen kompensiert.

Als die Herren in der Saison 2010/’11 keine Kristallkugel holten, hatte zumindest Marlies Schild als Slalom-Gesamtsiegerin die rot-weiß-roten Fahnen hochgehalten.

Und als es 1994/’95 das letzte Mal für Damen wie Herren zu keinem Sieg in einer Weltcup-Einzelwertung gereicht hatte, konnte sich der ÖSV immerhin über den Sieg in der Nationenwertung freuen. Wie jeden Winter seit dem Amtsantritt von Peter Schröcksnadel im Jahr 1990. Angesichts von 918 Punkten Rückstand auf die Schweiz zeichnet sich nun tatsächlich der erste Winter ohne Kristallkugel seit 1986/’87 ab.

Nachwuchsproblem

„Mir war von Anfang an klar, dass es schwierig wird“, sagt Anton Giger und verweist auf die „sehr bescheidene Ausgangsposition“. Diesen Rückfall nur am Rücktritt von Seriensieger Marcel Hirscher festzumachen, ist dem ÖSV-Sportdirektor aber zu billig. „Es war unrealistisch, dass jemand diese Lücke schließen wird. Aber was ich mir schon wünschen würde, wäre mehr Substanz in unseren Teams.“

Es gibt sie dann übrigens doch, eine Rubrik, die von den Österreichern in diesem Winter angeführt wird: Mit 18 Läufern führt der ÖSV die Verletztenliste klar an. Die vielen Ausfälle erklären einiges, aber nicht alles.

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„Uns fehlen drei bis vier Jahrgänge. Da war die Nachwuchsarbeit nicht gut“, meint Peter Schröcksnadel und kündigt schon einmal Reformen an. „Es wird im Nachwuchs neue Strukturen geben“, sagt der Präsident.

„Wir müssen uns was einfallen lassen“, weiß auch Anton Giger. Zugleich mahnt er zur Geduld. „Das kannst du nicht innerhalb von einer Saison schaffen, dass du wieder die stärkste Mannschaft bist.“

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