Rasant unterwegs: Katharina Liensberger

© APA/BARBARA GINDL

Sport Wintersport
01/12/2021

Katharina Liensberger: Kleine Rebellin, großes Versprechen

Nach einer turbulenten Saison inklusive Verbandsstreit ist die Vorarlbergerin die Hoffnung im Flachau-Slalom

„Mit Spaß und Freude Skifahren“, so lautet das Motto der momentan schnellsten Slalomläuferin im Weltcupzirkus.

Ersteres ist keine leere Phrase, Katharina Liensberger sieht man stets mit einem Lächeln bis Grinsen im Gesicht durch den Stangenwald flitzen. Und Zweiteres ist nun einmal eine Tatsache: Die Laufzeiten aller bisherigen vier Slaloms addiert, ergibt sich folgende – inoffizielle – Weltrangliste:

1. Katharina Liensberger mit 7:21,52 Minuten.

2. Petra Vlhova (SVK) mit 7:21,65 Minuten.

3. Mikaela Shiffrin und Michelle Gisin (USA bzw. SUI) ex aequo mit 7:22,23 Minuten.

Als abgeschlagene Fünfte hat Gisins Landsfrau Wendy Holdener bereits 3,8 Sekunden (!) Rückstand auf Liensberger. Dafür hält sie eine andere Bestmarke: 24 Podestplätze im Slalom, aber noch immer kein Sieg – das hat noch kein Mensch auf Skiern geschafft.

Pech hatte eine Kärntnerin: Katharina Truppe war bis zu ihrem Ausfall in Zagreb Holdener dicht auf den Fersen, nur 0,76 Hundertstel fehlten ihr nach den ersten drei Rennen.

Große Nummern

Nun also steht wieder das alljährliche Highlight an: Beim Nachtslalom in Flachau unter einer 970.000 Watt starken Flutlichtanlage (18.00 bzw. 20.45 Uhr/live ORF1) wird um das höchste Preisgeld der Saison gefahren. Exakt 155.685,06 Schweizer Franken (knapp 144.000 Euro) sind ausgelobt, 58.000 Euro gehen alleine an die Siegerin.

Für die Österreicherinnen ist Flachau immer ein zwiespältiges Terrain: Der letzte Sieg datiert vom 20. Dezember 2011, seinerzeit hieß Marlies Raich noch Schild, und auch sie lächelte stets, wenn sie Slalom fuhr. Seither gab es zwar immer ansehnliche Mannschaftsresultate, aber den dicksten Scheck sicherte sich jeweils die Konkurrenz. Neu wird auch das Ambiente sein: Waren im vergangenen Jahr noch 14.800 Zuschauer dabei, gibt es heuer wegen Corona nicht einmal eine Tribüne.

Katharina Liensberger ficht die Stille freilich nicht an, ebenso wenig ihr statistischer Höhenflug. „Ich kann damit nichts anfangen. Statistiken sind nett, bringen mich aber nicht wirklich weiter. Mein Speed passt, und die Leistung ist stimmig“, sagt die 23-Jährige, die nun nach einem komplizierten Jahr 2019 wieder eine normale Vorbereitung absolvieren konnte und zurück auf den zuvor befahrenen Weg nach oben gefunden hat.

Eine Vorarlbergerin auf Skiern aus Vorarlberg, das war vor gut eineinhalb Jahren eine charmante Idee, die allerdings nach hinten losging. Die 1,64-Meter-Frau, die zuvor auf Rossignol unterwegs war, wurde von Kästle gelockt, allerdings hatte die Firma damals noch keinen Schuh-Partner. Und ohne diesen geht es nicht.

Großer Streit

Der Zwist mit dem Österreichischen Skiverband erreichte Präsident Peter Schröcksnadel und wurde schließlich doch noch beigelegt. Liensberger verlor zwar viel wertvolle Vorbereitungs- und Testzeit, kam aber mit dem vertrauten Material wieder schnell in Schwung.

Derzeit ist sie Achte im Gesamtweltcup und beste Österreicherin, im Slalom-Weltcup liegt sie an dritter Stelle. Zu tun bleibt freilich genug, im Riesenslalom kommt die Hobby-Harfenistin noch nicht wirklich weiter. Doch zunächst einmal ist jenes Rennen zu absolvieren, bei dem sie 2016 im Weltcup debütierte und 2019 ihren ersten Podestplatz geholt hat.

„Nachtrennen sind für mich etwas ganz Besonderes, es ist eine ganz andere Stimmung“, sagt Liensberger. „Aber um wirklich die Schnellste zu sein, muss alles zusammenpassen.“ Damit möglichst viel zusammenpasst, setzt sie immer wieder neue Trainingsreize (Wasserski, Wakeboarden, Kitesurfen, Tanzen), „es ist die Abwechslung, die es ausmacht. Natürlich braucht’s die Kraftkammer auch, aber es ist wichtig, Spaß zu haben.“ Ihre Ungeduld ist nicht immer ein Vorteil.

Dennoch: „Es gibt immer etwas zu verbessern. Und das ist das Schöne am Skisport.“

Der Mensch
Katharina Liensberger (*1. April 1997) stammt aus dem 3.300-Einwohner-Dorf Göfis oberhalb von Feldkirch. Die Absolventin der Skihauptschule Schruns und des Skigymnasiums Stams (Matura 2016) debütierte am 12. Jänner 2016 in Flachau im Weltcup

Die Erfolge
Vier Podestplätze hat Liensberger in dieser Saison im Slalom geholt (2 x  Dritte, 2 x Zweite). Insgesamt hat sie in diesem Winter bisher 65.000 Euro Preisgeld verdient

Das Private
Im Sommer hat Liensberger ihren Freund Philipp der Öffentlichkeit präsentiert

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