Im Fokus: Lindsey Vonn

Klatsch und Tratsch statt sportlicher Schlagzeilen - aber die Geschichte hinter dem Superstar hat viel mehr zu bieten.

Ein Mal Gold bei Olympia, zwei Mal Gold bei Weltmeisterschaften, drei Mal Sieg im Gesamtweltcup, vier Mal Sieg im Abfahrtsweltcup. Lindsey Vonn ist die beste Skifahrerin der Gegenwart. Seit vergangenem Sonntag gehören die Schlagzeilen wieder der 27-Jährigen; auch vor dem Damen-Super-G am Sonntag in Lake Louise steht Vonn einmal mehr im Mittelpunkt.

Doch es ist nicht ihre sportliche Leistung, die Gesprächsthema Nummer 1 ist. Es ist ihre Trennung von Ehemann Thomas Vonn, das Ende einer Vorzeige-Ehe.

Gerüchte

Einfallsreich wie immer sind weltweit die Medien. Um vier Millionen Euro soll es im Ehestreit gehen; mit einem Footballer der Denver Broncos soll sie eine Affäre haben; einen ihrer Skischuhe soll der erzürnte Ehemann mutwillig zerstört haben. Fakt ist allerdings: Vonn schweigt eisern zu ihrem Privatleben, alle Gerüchte sind Spekulation. Munter drauflos plaudert Vonn nur über ihren Sport.

Darüber, wie es war, als sie als elfjähriges Mädchen ihre Heimatstadt in Minnesota verließ, um mit ihrer Mutter ins tausend Kilometer entfernte Vail zu ziehen, um professionell trainieren zu können. "Es war, als hätte man mich auf einen anderen Planeten verpflanzt", sagt sie in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel. "Ich habe zum ersten Mal Pulverschnee gesehen."

Ihr außergewöhnliches Talent habe der Vater entdeckt. Ein Jahr später zog auch er nach Vail und nahm Lindseys vier jüngere Geschwister mit. Das Haus in Minnesota wurde verkauft. "Die Familie hat begonnen, alles in mich zu investieren: Zeit, Zuwendung, Geld."

Bruch

Doch die heile Welt zerbrach, als sie 2002 als 17-Jährige bei den Olympischen Spielen in die Weltspitze vordrang. Die Familie ging zurück nach Minnesota, die Eltern ließen sich scheiden. "Da habe ich erkannt, dass nichts für ewig hält. Alles ist vergänglich." Schließlich kam es 2006 zum Bruch mit dem Vater, der sie jahrelang trainiert hatte.

Angeblich hatte er sich von Anfang an gegen die Beziehung mit Thomas Vonn ausgesprochen. Lindsey heiratete den Ex-Skirennläufer 2007, der zum Betreuerstab gehörte.

Aufstieg

Vonns Entscheidungen waren - zumindest damals - richtig. Sie wurde zur besten Skifahrerin des neuen Jahrtausends, sie gewann Weltcuprennen in allen fünf Disziplinen, 42 insgesamt - und sie wurde zum Liebling von Medien und Fans, mit ihrem freundlichen Auftreten, dem herzlichen Lachen und den guten Deutschkenntnissen, die sie sich bei ihren langen Aufenthalten in Österreich (Kirchberg und Kaprun) angeeignet hatte.

Selbst in ihrer Heimat wurde sie zum Star, durch glamouröse Auftritte auf den roten Teppichen und letzlich durch ihren Olympiasieg in der Abfahrt von Vancouver 2010 und der Wahl zur Weltsportlerin 2011.

Mit der Deutschen Maria Riesch verband sie jahrelang eine enge Freundschaft. Doch beim Kampf um den Gesamtweltcup im vergangenen Winter krachte es. "Wir haben die Macht der Medien unterschätzt", sagte Vonn. "Je erfolgreicher wir wurden, desto zugespitzter wurden wir zitiert."

Zumindest dieses Problem scheint aus der Welt geschaffen zu sein. In Lake Louise zeigen beide Athletinnen auf ihren Internetseiten ein Foto, das sie gemeinsam zeigt. "Ich bin froh, dass wir nun doch nach einer Aussprache unseren Streit beilegen konnten", schrieb Höfl-Riesch. Auch Vonn gibt sich versöhnlich: "Hier ist ein süßes Bild von mir und Maria am Start. Ich hoffe, wir werden euch morgen vom Podium aus sehen."

Möge sich die Hoffnung erfüllen. Damit wieder über Vonns sportliche Leistungen berichtet wird. Über die Leistungen der besten Skifahrerin der Gegenwart, die am Freitag bei der Abfahrt in Lake Louise die Gegnerinnenschaft um fast zwei Sekunden deklassiert hat.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011