Noch kein Comeback: Hirscher sagt Weltcup und Olympia ab
Marcel Hirscher
Marcel Hirscher ist keiner, der sich mit einem 23. Platz zufrieden gibt. Der Ausnahmeskifahrer und Rekordjäger der Jahre 2012 bis 2019 musste sich nun eingestehen: „Es geht sich nicht aus.“ Woche für Woche hatte der 36-Jährige seine Rückkehr in den Weltcup verschoben, am Freitag meldete er sich mit einem emotionalen Video via Social Media zu Wort.
Der eine oder andere – darunter Ex-Skistar Hermann Maier – hatte Marcel Hirscher bei den Olympischen Spielen in Mailand/Cortina eine Goldmedaille zugetraut. Doch daraus wird nichts.
Er werde nicht – wie zuvor angekündigt – im Jänner im Weltcup zurück sein, sondern in der laufenden Saison gar nicht. Und Hirscher fährt auch bei den Olympischen Spielen nicht mit, bei denen die Männer-Rennen in Bormio stattfinden.
Rücktritt
Im September 2019 kündigte Marcel Hirscher mit 30 – auf dem sportlichen Höhepunkt – seinen Rücktritt an. Er hatte gerade 8 Gesamtweltcups in Folge gewonnen: Ihm fehle die emotionale Energie für den Spitzensport.
Skifirma
2021 gründete der Ex-Skistar Hirscher Van Deer unter dem Dach seines Sponsors Red Bull, baute eine Rennstruktur auf und wurde zum Ausrüster mehrerer Top Athleten und stieg so in den Weltcup ein.
Comeback
2024 kam er unter der Flagge der Niederlande, Geburtsland der Mutter, zurück. Im ersten Weltcup-RTL nach 5 Jahren Pause in Sölden wurde er 23.
Kreuzbandriss
Im ersten Slalom in Levi qualifizierte er sich als 46. nicht für den zweiten Lauf. Nach dem dritten Rennen (Gurgl-Slalom/out im 1. Lauf) war Schluss: Im Dezember 2024 zog sich Hirscher im Training einen Kreuzbandriss zu und musste seine Comeback-Saison vorzeitig beenden.
Keine Weltspitze mehr
Die Entscheidung soll erst gefallen sein, als für Adelboden bereits gepackt war. „Das Tempo, das ich gehen kann, ist nicht weltcupwürdig“, sagte der Salzburger. Er habe „mit den Weltbesten“ trainiert und musste sich eingestehen, dass er aktuell mit Läufern wie Marco Odermatt oder dem finnischen Slalomtalent Eduard Hallberg nicht mithalten kann.
Jemand wie Hirscher kann sich damit nicht zufrieden geben: Er gewann achtmal hintereinander den Gesamtweltcup, jeweils sechsmal den Slalom- und den Riesentorlaufweltcup. Er feierte 67 Weltcupsiege, war insgesamt 138-mal auf dem Podest. Er ist Doppelolympiasieger (2018 in Pyeongchang) in Kombination und Riesentorlauf und gewann siebenmal WM-Gold.
Der Rücktritt am Höhepunkt der Karriere untermauerte seinen Status. Damals war sich Hirscher bewusst: „Ich bin unglaublich glücklich, hier mit zwei gesunden Knien sitzen zu können.“
2021 gründete Hirscher die Skimarke „Van Deer“ unter dem Dach seines Sponsors Red Bull und mitbegründete die Bekleidungsfirma „The Mountain Studio“ – und kehrte zunächst als Unternehmer in den Weltcup zurück.
Drei Weltcuprennen
Mehr als fünf Jahre nach seinem Rückzug als aktiver Skirennläufer war er 2024 zurück im Geschehen – als Niederländer, denn im dichten österreichischen Skiteam war längst kein Platz mehr für ihn.
Ein Comeback und einen Kreuzbandriss später versuchte Hirscher zuletzt, sich zurück an die Weltspitze zu kämpfen. Seinem Knie geht es mittlerweile wieder gut. Aber andere Schwierigkeiten ließen zuletzt kein ordentliches Training zu.
Ein Virus zwang ihn vor Saisonstart in die Knie, wodurch er drei wichtige Trainingswochen verpasste, zuletzt musste er im Dezember eine 14-tägige Zwangspause wegen Wadenproblemen einlegen. „Das hilft nicht, um Tempo und Vertrauen zurückzugewinnen“, gab Hirscher nun zu.
„Haters gonna love it“, seine Kritiker würden es lieben, glaubt Hirscher. Aber aufgeben will er nicht: „Vielleicht schaff ich’s ja nächstes Jahr.“ Im März wird er 37. 2027 winkt die Ski-WM in Crans Montana in der Schweiz.
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