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Sport Wintersport
12/19/2019

Dominik Paris: "Auf der Bühne bin ich nervöser als auf der Streif"

Der Südtiroler Super-G-Weltmeister ist Experte für schwierige Pisten. Ein Gespräch über Mut, Heimatliebe und Heavy Metal.

von Christoph Geiler

Als Dominik Paris am frühen Vormittag das Café Ultun betritt, nimmt kaum jemand Notiz vom berühmtesten Mann, den dieses kleine Südtiroler Tal unweit von Meran hervorgebracht hat. Niemand greift zum Handy, keiner verfolgt den Skistar mit Blicken, alles geht seinen gewohnten, ruhigen Lauf in Sankt Walburg im Ultental.

Können Sie immer so ein ruhiges Leben führen?

Natürlich werde ich ab und an erkannt. Ich bin ja jetzt auch nicht gerade der Kleinste und kann mich schwer verstecken. Aber es ist schon viel weniger Rummel als bei euch in Österreich.

Spielt der Skisport in Italien eine untergeordnete Rolle?

Ganz und gar nicht. Das Interesse am Skisport ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Nach Alberto Tomba war einmal ein richtiges Loch. Aber seit einiger Zeit ist der Wintersport in Italien generell stark im Kommen. Man braucht sich ja nur einmal Biathlon anschauen. Ich merke, dass auch die Skisport-Begeisterung größer wird.

Der Südtiroler wurde am 14. April 1989 in Meran geboren. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. 2013 verunglückte sein um zwei Jahre älterer Bruder mit dem Motorrad tödlich. 2004 brach Paris mit 15 Jahren die Schule ab und wurde in den Südtiroler Landeskader aufgenommen, aus dem er 2007 wegen schlechter Leistungen hinausflog und daraufhin einen Sommer lang als Schafhirte in der Schweiz verbrachte. Seine Leistungen wurden besser, 2008 debütierte er im Weltcup. 2019 wurde er schließlich Super-G-Weltmeister, im Weltcup hält er bei 16 Siegen.

Viele sagen, das hänge auch mit Ihnen zusammen. Sie wären einer der letzten Typen im Weltcup.

Das freut mich, wenn die Leute so denken. Das eine ist, welche Ergebnisse du als Sportler ablieferst. Das andere, wie du aber als Mensch wahrgenommen wirst.

Dabei kann Sie ja, provokant gesagt, kaum jemand verstehen mit Ihrem Dialekt.

Im deutschen Fernsehen habe ich probiert, ein bisschen Hochdeutsch einzubauen. Weil die mich sonst überhaupt nicht verstehen, die bräuchten bei meinen Interviews eigentlich Untertitel. Aber ich fühle mich mit dem einfach nicht so wohl. Um das auszudrücken, was ich wirklich meine, muss ich meine Sprache verwenden.

Deshalb auch Ihre Heimatverbundenheit?

Ich würde nie auf die Idee kommen, das Ultental zu verlassen. Ich will hier nicht weg, meine Kollegen sind alle da, ich bin hier aufgewachsen und habe hier auch Skifahren gelernt. Eine Karriere als Skifahrer war auch immer mein Ziel. Ich wollte so werden wie Hermann Maier. Und als ich dann Skifahrer war, wollte ich ein eigenes Haus haben.

Ein eigenes Haus?

Wir hatten das als Familie nie. Wir waren nie an einem fixen Ort und sind oft übersiedelt. Deshalb wollte ich einmal so viel Geld verdienen, dass ich mir ein Haus machen kann. Ich bin stolz, dass ich das erreicht habe.

Sie sind heute Weltmeister und haben vier Mal in Kitzbühel und in Bormio gewonnen: Warum sind Sie ausgerechnet auf den schwierigsten Pisten so stark?

Vielleicht weil ich in der Lage bin, diese Pisten zu lesen und irgendwie zu verstehen. Und wenn’s dir einmal aufgeht, dann weiß man, was es beim nächsten Mal braucht.

Was heißt das genau: eine Piste verstehen?

Gerade die Abfahrt ist immer auch Taktik. Man kann ja nicht von oben bis unten Vollgas fahren. Bei 130 km/h geht dir irgendwann der Weg aus. Man muss vorher wissen, an welchen Stellen es klüger ist, Tempo rauszunehmen und wo man angreifen kann.

Das heißt, in der Abfahrt geht es gar nicht so sehr um Mut und Risikobereitschaft?

Logisch geht es auch um Überwindung. Aber ich probiere immer, die Kontrolle zu haben. Es ist wichtig, dass du nicht über deine Grenzen hinausgehst. Sonst kann es wirklich schlimm enden.

Ist das der Grund, warum Sie als einer der wenigen Läufer in Ihrer Karriere noch nie schwer verletzt waren?

Ich habe mir bis jetzt immer nur bei anderen Sachen wehgetan. Ich bin der Meinung: Wenn man sinnlos riskiert, ist die Gefahr größer. Natürlich habe ich auch den Vorteil, dass ich körperlich sehr gut beisammen bin mit 102 Kilo. Und trotzdem ...

... und trotzdem?

Und trotzdem gibt es zwei, drei Pisten, auf denen ich nicht so gut bin. Hier in Gröden tu’ ich mich immer etwas schwerer, weil es eine ruhigere Fahrweise braucht. Ich mag’ es dann doch eher, wenn mehr Action ist.

Apropos Action: Sie sind auch bekannt für Ihren unkonventionellen Musikgeschmack. Was macht die Karriere als Frontmann der Heavy-Metal-Gruppe „Rise OF Voltage“?

Wir hatten heuer im Sommer vier Auftritte. Bei einem Festival haben wir sogar vor 500 Leuten gespielt.

Sind Sie vor Ihren Konzerten eigentlich nervös?

Ich bin sogar extrem nervös. Es ist eine andere Art der Nervosität, aber eigentlich bin ich vor einem Konzert sogar nervöser als vor einer Abfahrt in Kitzbühel.

Das ist jetzt aber ein Scherz.

Nein. Auf der Streif weiß ich genau, was ich zu tun habe. Aber auf der Bühne habe ich noch nicht so viel Erfahrung. Beim Skifahren bist du außerdem allein auf der Piste und musst dich nur auf dich konzentrierten. Bei einem Konzert siehst du die Leute direkt vor dir, du weißt nie, wie sie reagieren.

Singen Sie dann auch Ihrem Sohn zum Einschlafen Lieder vor?

Nein, nein, besser nicht. Ich kann ja nicht Singen, das was ich mache, ist „Grohlen“. Wenn ich das mache, dann schläft er nicht mehr ein.

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