Eine von 39 Verletzten: Sofia Goggia brach sich in Garmisch-Partenkirchen eine Speiche

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Sport Wintersport
02/11/2020

Der Skisport frisst seine Kinder

Skiwinter 2019/2020: 39 Verletzte und kein Ende in Sicht. Die Gründe dafür liegen nicht nur im aggressiven Material.

von Stefan Sigwarth

Schön langsam gehen dem alpinen Skirennlauf die Athleten aus: 39 Namen fehlen aktuell, diese Zahl erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Und es sind ja nicht irgendwelche Neulinge, die Verletztenliste liest sich wie das Who is Who des schnellsten Wintersports: Von Ager bis Théaux, von Brunner bis Schild, von Paris bis Reichelt – alleine am vergangenen Wochenende landeten sechs Alpine im Spital.

Nathalie Gröbli (SUI/ Schien- und Wadenbeinbruch), Viktoria Rebensburg (GER/Schienbeinkopfbruch), Sofia Goggia (ITA/Speichenbruch) in Garmisch-Partenkirchen, dazu die Österreicher Marc Digruber (Kreuzbandriss) und Stefan Brennsteiner (Meniskus- und Knorpelschaden) sowie Simon Maurberger (ITA/Kreuzbandriss) in Chamonix. Für sie alle ist die Saison bereits nach rund zwei Dritteln beendet. Der Sport frisst seine Kinder.

„Die Verantwortlichen haben alles versucht, die Radien der Skier verändert, die Breite, aber Verletzte hat es immer gegeben“, sagte der französische Gesamtweltcupsieger Luc Alphand im Dezember zum KURIER. „Mit den Riesenslalom-Skiern mit den weiten Radien hatten viele Rückenprobleme. Und die kurzen Radien, wie sie die Herren jetzt wieder haben, gehen auf die Knie. Ich weiß auch keine Lösung. Zumal es ja so ist: Fast jede schwere Verletzung hat andere Ursachen. Und so wird es weiter verletzte Skifahrer geben.“

Baustellen ohne Ende

Die Materialdiskussion ist freilich nur ein Punkt – so gibt es noch immer keine Airbags für kleine Sportler wie etwa Nicole Schmidhofer mit ihren 1,58 Metern. Und selbst die Ausrüstung ist extrem komplex mit all den Komponenten zwischen Skibelag, Kante und Kopfequipment.

Am Wochenende klagten viele Sportler über die ungleichmäßige Präparierung der Pisten. In Garmisch-Partenkirchen hatten Wärme und Regen samt folgenden Schneefällen und Kälte die Bedingungen sehr schwierig gemacht, „man hat nie gewusst, was als Nächstes kommt“, sagte Nicole Schmidhofer zum Mosaik aus griffigem Schnee und blanken Eisplatten.

Ähnlich die Stimmen aus Chamonix, wo zudem noch die Ungleichheit der beiden Kurse im Parallelbewerb für viel Kritik sorgte. Konkret: Im Achtelfinale konnte niemand auf dem roten Kurs den Konkurrenten auf dem blauen schlagen, mit Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault waren auch die beiden Hauptkonkurrenten um den Gesamtweltcup betroffen.

„Heute komme ich mir verarscht vor“, schrieb der Franzose Pinturault später. „Wir werden nur noch als Spielfiguren gesehen, aber nicht mehr als Athleten! Seit wann ist im Sport das Glück wichtiger als die Leistung? Und wie gefährlich ist dieses Format? Und, vor allem: Wann werden endlich die Stimmen von uns Sportlern berücksichtigt?“

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Die Erfahrung von Hannes Reichelt, bis letzten Sommer FIS-Athletensprecher, und selbst derzeit mit einem Kreuzbandriss außer Gefecht, lässt nicht viel Gutes erahnen: „Ich dachte, da kannst du etwas verändern, aber es ist nicht möglich. Da läufst du gegen eine Wand. Das ist mühsam, in den FIS-Gremien sitzen die falschen Leute.“

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