Sport | Wintersport
30.01.2013

27 Hoffnungen auf Edelmetall

13 Damen und 14 Herren steigen für Österreichs Skiverband ins WM-Rennen.

Am kommenden Montag wird’s ernst in der WM-Stadt Schladming: Um 18.30 Uhr wird das – zumindest aus österreichischer Sicht – sportliche Highlight des Jahres eröffnet, am Dienstag sollen die Damen im Super-G die ersten Medaillen ausfahren.

Einen Tag nach den Schweizern haben auch die Österreicher ihr vorläufiges Aufgebot für die Titelkämpfe im Ennstal ausgeknobelt, was nicht immer eine leichte Angelegenheit war; drei Mitglieder des 27-köpfigen Kaders sind noch zu streichen. Wer darf was fahren – und wie stehen die Medaillenchancen?

Damen

13 Österreicherinnen umfasst der WM-Kader von Cheftrainer Herbert Mandl, der mit seinen Schützlingen vor zwei Jahren in Garmisch-Partenkirchen nicht weniger als vier Goldmedaillen bejubeln durfte. Und der damit ein Luxusproblem hat: Die Titelverteidigerinnen haben ein persönliches und nicht übertragbares Startrecht, daneben sind je Disziplin vier Plätze zu besetzen.

Super-G (5. Februar):

Elisabeth Görglist die Titelverteidigerin, allerdings (noch) nicht in der Form von 2011. Eine Frage wird sein, wie sich die Piste präsentiert: Ist es hart und eisig, stehen ihre Chancen wesentlich besser.

Anna Fenninger ( Bild) ist in den bisherigen vier Saisonbewerben zwei Mal aufs Podest gefahren und daher die aussichtsreichste Kandidatin; ob Nicole Schmidhofer ihren Coup von Cortina (Zweite!) wiederholen kann, ist die große Frage. Weiters wohl am Start: Stefanie Köhle sowie Stefanie Moser oder Olympiasiegerin Andrea Fischbacher.

Medaillenchance: 2/5

Superkombination (8. Februar):

Anna Fenningerist die Titelverteidigerin, im bisher einzigen Bewerb wurde sie Siebente. Das Rennen in St. Moritz ergab mehr oder weniger die Aufstellung für Schladming: Nicole Hosp( Bild) wurde Zweite, Kathrin ZettelDritte, Michaela KirchgasserNeunte und Elisabeth GörglZehnte.

Medaillenchance: 4,5/5

Abfahrt (10. Februar):

Elisabeth Görgl( Bild) ist die Titelverteidigerin, für die 31-Jährige gilt das Gleiche wie im Super-G: Je eisiger, desto Lizz. Anna Fenningerhat in vier der fünf Saisonrennen die Top Acht erreicht (einmal Dritte), Stefanie Moser, Regina Sterzund entweder Andrea Fischbacheroder Nicole Schmidhofermachen das Team zum Quintett.

Medaillenchance: 2/5

Riesenslalom (14. Februar):

Der einzige Bewerb, in dem vor zwei Jahren keine Österreicherin vergoldet wurde, sondern Tina Maze. Die im laufenden Winter überragende Slowenin hat in Person von Anna Fenningerstarke Konkurrenz: Ist die Adneterin ins Ziel gekommen, war sie nie schlechter als Fünfte, die Plätze 5, 4, 2, 1 und 3 sprechen für sich. Kathrin Zettel ( Bild) war drei Mal Zweite, Stefanie Köhleeinmal Dritte, den vierten Platz schnapsen sich Michaela Kirchgasserund Elisabeth Görglaus. Das Nachsehen hatte im knappen Rennen Eva-Maria Brem.

Medaillenchance: 4/5

Slalom (16. Februar):

Als Titelverteidigerin braucht sich Marlies Schild( Bild) nicht qualifizieren, weshalb Herbert Mandl ein Trumpf-Ass im Talon hat. Die Frage wird sein, ob die Slalom-Queen nach ihrem Innenbandriss im Knie rechtzeitig fit wird. Kathrin Zettelsteht mit den Plätzen eins, zwei und drei in der Poleposition, ist allerdings auch bereits vier Mal ausgeschieden; ein Schicksal, das sie mit Michaela Kirchgasserteilt. Bernadette Schildund Nicole Hospoder Carmen Thalmannkomplettieren das Aufgebot.

Medaillenchance: 4/5

Herren

Mathias Berthold hatte in einigen Disziplinen knifflige Entscheidungen zu treffen – so viele Kandidaten, so wenige Startplätze. Am Ende kam ein 14er-Team heraus.

Super-G (6. Februar):

Gesucht wird der Nachfolger von Christof Innerhofer (It), der auch die Generalprobe beim Weltcup-Finale im März 2012 gewonnen hat. Joachim Puchnerund Hannes Reicheltqualifizierten sich mit dritten Plätzen, Matthias Mayer( Bild) mit einem zweiten. Dazu kommt vielleicht Routinier Klaus Kröll, Aufschluss über die Aufstellung soll am Donnerstag und Freitag das Training auf der Turracher Höhe bringen. Auch Max Franz, Georg Streitbergerund Florian Scheiberhaben Chancen.

Medaillenchance: 4/5

Abfahrt (9. Februar):

Hannes Reichelt ( Bild), Klaus Kröllund Max Franzstanden in dieser Saison schon auf dem Podest.

Um den vierten Platz matchen sich Romed Baumann, Florian Scheiber und Joachim Puchner. Titelverteidiger: Erik Guay (Kan).

Medaillenchance: 4/5

Superkombination (11. Februar):

Der Norweger Aksel Lund Svindal ist Titelverteidiger, Benjamin Raichverfehlte vor zwei Jahren Bronze um 27 Hundertstelsekunden.

Romed Baumann und Matthias Mayer hegen leise Podesthoffnungen, der vierte Mann dürfte Hannes Reichelt sein.

Medaillenchance: 2/5

Riesenslalom (15. Februar):

Ted Ligety ist der amerikanische Mr. Giant Slalom, und der war er auch schon bei der letzten WM. In Marcel Hirscherist ihm allerdings ein starker Konkurrent in Rot-Weiß-Rot erwachsen, der den US-Boy in diesem Winter auch schon bezwungen hat.

Benjamin Raich und Hannes Reichelt sind die weiteren Herausforderer, um den vierten Platz streiten Marcel Mathis (Bild) und der WM-Dritte von 2011, Philipp Schörghofer.

Medaillenchance: 4/5

Slalom (17. Februar):

Am letzten Tag ruhen die großen Hoffnungen erneut auf dem Mann der Stunde: Marcel Hirscher( Bild) hat fünf der acht Bewerbe im heurigen Winter gewonnen, zuletzt am Dienstag das City-Event in Moskau.

Und immer war der Annaberg-Lungötzer auf dem Stockerl. Eine Riesenserie, aber auch eine Riesenlast für den 23-Jährigen.

Hilfreich zur Seite stehen ihm die Routiniers Mario Matt, Benjamin Raich und Manfred Pranger; Reinfried Herbst muss vor dem Fernseher zuschauen. Vor zwei Jahren sicherte sich der Franzose Jean-Baptiste Grange den Titel.

Medaillenchance: 5/5

Teambewerb

Am 12. Februar steigt unter Flutlicht der Sie-und-Er-Lauf am Fuße der Planai. Vor zwei Jahren erlitt Benjamin Raich einen Kreuzbandriss, seine geschockten Mitstreiter holten Silber hinter Frankreich. Auch heuer ist der Teambewerb kein Selbstläufer: Italiener, Deutsche, Schweden und Franzosen sind starke Konkurrenz, von den Amerikanern ganz zu schweigen.

Medaillenchance: 4/5

Die Gewinner der WM-Generalprobe

Die Titelverteidiger

Das Damen-Team

Das Herren-Team

Eine Watschn im Herbst der Karriere

Reinfried Herbst spricht von einer brutalen Watschn. Der Olympia-Zweite von 2006 und Slalom-Weltcupsieger von 2010 bekommt keine WM-Chance.

In der Schweiz, wo nur vier von 13 für die WM nominierten Herren die WM-Kriterien (einmal unter Top Acht oder drei Mal unter Top 15) schafften, hätten sie einen wie ihn wohl mit der Sänfte Richtung Schladming getragen. Dem ÖSV aber haben die Plätze 6 und 7 des Salzburgers nicht genügt. Dabei, sagt Herbst, sei Benjamin Raich nur ein Mal schneller als er gewesen. „Daher hätte ich mir eine Qualifikation um den Slalom-Startplatz verdient.“

In Wahrheit geriet Herbst nicht wegen Raich, zumal dieser als Kombinierer Medaillenchancen hat, sondern wegen Marcel Mathis ins Abseits. Der 20-Jährige gilt im Riesenslalom als Riesentalent, nur hat er’s in dieser Saison nicht gezeigt.

Vielleicht erlebt Herbst, 34, vor Olympia 2014 in Sotschi einen dritten Frühling. Heuer war Russland für ihn noch keine Reise wert: Beim Moskauer Parallel-Rennen schied er aus. Marcel Hirscher setzte hingegen seine Erfolgsserie fort. Danach folgten eine zweistündige mitternächtliche Busfahrt von der Ski-Rampe zurück ins Hotel, vier Stunden Schlaf, neuerliche zwei Bus-Stunden zum Flughafen. Und, und, und. Aber Hirscher fühlt sich stressresistent, spekuliert er doch ernsthaft damit, in Schladming vor Riesentorlauf und Slalom in der Kombination auf Medaillenjagd zu gehen und sich damit ein Abfahrtsabenteuer anzutun.

Für die WM-Kombi war auch Trainersohn Frederic Berthold ein Thema gewesen. Gestern gewann der 21-jährige in Sarntal (Italien) die Europacup-Abfahrt. Zu spät. Chefcoach Mathias Berthold kennt keine Protektion. Er ließ sich weder durch den jüngsten Erfolg seines Juniors noch durch alte Verdienste von Herbst beeinflussen.