Sport
07.09.2018

Streit & Streik: Werbewundern im Sport

Im Fußball und im Skisport bricht der Konflikt Verband gegen Individuum auf.

Dänemark vor dem Ausschluss aus der Fußball-EM-Qualifikation. Die Meldung sorgte für Aufsehen. Es ging ums liebe Geld. Darum, dass Teamspieler individuell Werbeverträge abschließen dürfen, die in Konkurrenz zu den Nationalteamsponsoren stehen. Die Spieler streikten, beim Testspiel in der Slowakei trat Notelf aus Futsal-Spielern und Halbprofis der 2. dänischen Liga an. Mittlerweile wird wieder geredet, aber es zeigte sich, dass auch im Fußball der Konflikt zwischen Verband und Sportlern in der Werbung gegeben ist.

Vor allem in Einzelsportarten bricht der Konflikt regelmäßig aus. Zuletzt vor allem im Wintersport.

Ledecka streitet

Ester Ledecka, Olympiasiegerin im Super-G auf Alpinskiern und im Parallel-Riesentorlauf auf dem Snowboard, streitet derzeit mit dem tschechischen Verband ums liebe Geld. Ihre Familie hat den Großteil ihrer bisherigen Karriere samt Betreuerteam finanziert. Bei der 23-Jährigen geht es jetzt um die Aufteilung der Reklameflächen auf Skianzug und Helm sowie die Wahl des Skiherstellers. „Nach Olympia hat sich ihr Marketingwert dramatisch gesteigert – jetzt geht es darum, wer wie viel vom Kuchen abbekommt“, erklärte Jiri Kejval, der Leiter des Nationalen Olympischen Komitees. Der Skiverband wies den Vorwurf zurück, er hindere Ledecka daran, während ihrer Vorbereitung in Chile unter tschechischer Flagge anzutreten, solange die Vertragsfrage nicht geklärt sei. Aber vielleicht steigt Ledecka ohnehin wieder um. Das Sport-Multitalent auf die Frage, ob sie vielleicht bei (Sommer-) Olympia 2020 in Tokio auf dem Surfbrett zu sehen sein werde, nur gesagt: „Ja, warum eigentlich nicht?“

Immerhin: Mit ihrem Streit mit dem Verband steigt die 23-Jährige in eine Riege großer Namen ein, die bereits ähnliche Erfahrungen gemacht haben, und letztlich ist es ja auch eine Form von Anerkennung.

Schlag’ nach bei Anna Veith, die 2015 – als damals noch unverheiratete Anna Fenninger – mit dem Österreichischen Skiverband übers Kreuz lag. Da war sie bereits Olympiasiegerin und hatte drei Mal WM-Gold gewonnen, dazu zwei Mal den Gesamtweltcup, doch dass sie seit bereits drei Jahren einen eigenen Manager hatte, das stieß doch einigen Herren im ÖSV sauer auf. Zumal Verhandlungen mit Konkurrenzunternehmen der ÖSV-Partner im Gang waren, und zumal Fenninger darauf beharrte, dass auch ihr Betreuerteam – wie es bei Marcel Hirscher bereits der Fall war – vom Verband bezahlt wird.

Als dann nach einer vorübergehenden „Einigung“ noch ein Konkurrent des deutschen ÖSV-Auto-Ausrüster mit Fenninger warb, war die weitere Karriere im ÖSV in großer Gefahr, vom Nationenwechsel bis zum Karriereende schien vieles möglich, ehe dann doch eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde.

Eigensinniger Elch

Ähnlich turbulent lief es vor zwei Jahren beim Norweger Henrik Kristoffersen, der in der Saisonvorbereitung gar vom Mannschaftstraining ausgeschlossen worden ist. Er wollte den roten Bullen auf dem Helm – wie sein Teamkollege Aksel Lund Svindal, der aber angesichts seiner deutlich größeren Erfolg eine Ausnahmestellung genoss und nicht den norwegischen Teamsponsor als Helm-Partner hatte.

Der Streit spitzte Kristoffersen vs.sich immer mehr zu, bis zu hin Kristoffersens Streik beim Slalom von Levi im November 2016 und einer wilden Tirade gegen den Verband und seine Regeln im französischen Val d’Isère vier Wochen später. Dabei hatte sich der Jungstar sogar zu einem Zugeständnis durchgerungen, 150.000 Euro hätte der Verband bekommen – „aber sie sagen immer nur Nein“, klagte Kristoffersen, der auch Gerichte bemühte.

Erst im Juli 2017 lenkte der ehrgeizige Techniker ein, und so zeigt er zwar brav wie auch viele Kollegen die Trinkflasche mit dem Red-Bull-Logo her, auf dem Helm steht aber Telenor. Kleine Anekdote am Rande: Inzwischen fährt auch Aksel Lund Svindal im Zeichen der norwegischen Telekom. Der Alpin-Großmeister schaffte es aber seinem Naturell entsprechend, ohne Aufsehen eine Regelung zu finden.