Volvo Ocean Race: Im Meer der Demut

EPAepa03150222 A Volvo Ocean Race handout picture shows yacht PUMA Ocean Racing skippered by Ken Read from the USA, crashing through waves in heavy weather, at the start of leg 5 from New Zealand to Itajai in Brazil, Auckland, New Zealand, 18 March 2012.
Foto: EPA Unter Extrembedingungen im Grenzbereich zwischen Risiko und Sicherheit versucht die Crew der Puma ihren Rückstand aufzuholen.

Königsetappe einer Gratwanderung rund um die Welt: Eisberge, null Grad, Windgeschwindigkeit 130 km/h.

dapdIn this photograph provided by the Volvo Ocean Race,  the fleet of Volvo Open 70s followed by spectator boats sail past downtown Auckland, New Zealand, after the start of the In-Port Race of the Volvo Ocean Race 2011-12, on Saturday, March 17, 2012. C Foto: dapd Die glorreichen Sechs: Start der Flotte vor Auckland in Neuseeland zur Königsetappe.

Ken Read, Skipper des US-Syndikats Puma, bringt es auf den Punkt: "Mensch und Material müssen sicher in Brasilien ankommen", sagt er voll Demut. "Der Rest ergibt sich vielleicht."

Kein Wort von Sieg, Aufholjagd oder Risiko. Die 6700 Seemeilen (12.000 km) von Auckland (Neuseeland) nach Italalj (Brasilien) stellen die härteste Etappe des Volvo Ocean Race dar. Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 Knoten (130 km/h) sind angesagt. Ein tropisches Tief von respektablem Ausmaß zieht über den südlichen Pazifik. "Ich hatte noch nie so viel Segelgewand an wie diesmal", berichtet Franck Cammas, Skipper der Groupama. Auf der vierten Etappe von China nach Neuseeland hatte der Franzose seine Crew zum Sieg geführt und die Gesamtwertung wieder spannend gemacht.

Tiefgang

EPAepa03150944 A Volvo Ocean Race handout picture released on 18 March 2012 shows the Abu Dhabi Ocean Racing yacht in Auckland, New Zealand, 18 March 2012, at the start of leg 5 from New Zealand to Itajai in Brazil. The Volvo Ocean Race is the worlds prem Foto: EPA Schiffbruch: Die Abu Dhabi musste mit schwerem Schaden zurück nach Auckland.

Auch Iker Martinez, Skipper der spanischen Telefonica, die in Führung liegt, kann sich auf der Königsetappe keinen Fehler leisten. "Bei null Grad und der permanenten Gefahr durch treibende Eisberge kann zu viel passieren", sagt er. Um Kollisionen zu vermeiden, dürfen die Boote nicht so weit in den Süden wie vorgesehen. Würde so ein Bruchstück der antarktischen Eisplatte den 7,5 Tonnen schweren Kiel abreißen, könnte dies das Todesurteil für die zwölfköpfige Mannschaft sein.

Es kommt aber vor, dass die rund 21 Tonnen schweren Yachten den Ozean für kurze Zeit verlassen: Sie können auf Grund der Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten (75 km/h) und hoher Wellen komplett abheben. Dieses fast unvorstellbare Schauspiel hat soeben die Abu Dhabi geboten.

Genießen konnte die Crew den spektakulären Augenblick nicht: Ein Schott ging dabei zu Bruch. Da an dieser Querverstrebung im Rumpf die Schwerwettersegel angebracht sind, die auf dieser Etappe zur Standardausrüstung werden, musste die Abu Dhabi nach Auckland zurücksegeln.

Grenzgang

EPAepa03150945 A Volvo Ocean Race handout picture released on 18 March 2012 shows the Team Telefonica yacht in rough conditions in Auckland, New Zealand, 18 March 2012, at the start of leg 5 from New Zealand to Itajai in Brazil. The Volvo Ocean Race is th Foto: EPA Führungsrolle: Die spanische Telefonica liegt an der Spitze der Gesamtwertung.

Die Bootsdesigner haben für diese berühmteste aller Weltumsegelungen wieder einmal Grenzen überschritten: Die Parameter Speedmaximierung und Gewichtsminimierung auf der einen, sowie Sicherheit auf der anderen Seite ergeben zwangsläufig eine Gratwanderung hart am Materialbruch.

Tatsächlich sind auf den bisherigen vier Etappen viel zu viele Unfälle passiert. Im unwirtlichen Südpazifik lässt dies nur eine Konsequenz zu: Risiko zurücknehmen. Vor allem, weil auch das Albtraum- und Traumziel jedes Seefahrers zu passieren ist: Kap Hoorn.

"Wenn es um Kap Hoorn geht, gibt es keine blöden Sprüche mehr", sagt Chris Nicholson, Skipper der Camper. "Dort geht es nur noch um Disziplin, Respekt, Demut ... und ja, auch um Angst."

Und wozu das alles? Zum einen geht es um den enormen Werbewert. Die Syndikate, die den High-Tech-Yachten ihre Namen geben, investieren bis zu 30 Millionen Euro in eine Kampagne.

Perfektion unter Extrembedingungen – dieses Image vermittelt Hochsee-Segeln auf ultimativem Niveau. "Wenn wir gewinnen, steigern wir den Wert des Unternehmens, das uns bezahlt. Das ist unser Job – mehr nicht", sagt Ken Read.

Diese abgebrühte Analyse ist ein Dämpfer für all jene, die dem Seemannsgarn und der Piraten-Romantik nachweinen. Jene, die vor vierzig Jahren das Whitbread Round the World Race (heute Volvo Ocean Race) erfunden haben, mögen Abenteurer vom alten Schlag gewesen sein. Doch die acht Millionen Klicks auf der Homepage www.volvooceanrace.com stammen auch von jungen Leuten, die von futuristischer Technik mindestens genauso fasziniert sind.

Teams und Zeitplan: 6-mal um die Welt

1. Team Telefonica (Spanien; Skipper: Iker Martinez) 122 Punkte.
2. Groupama (Frankreich; Franck Cammas) 107 Punkte.
3. Camper/T. New Zealand (Spanien/Neuseeland; Chris Nicholson) 104 Punkte.
4. Puma (USA; Ken Read) 83 Punkte.
5. Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate; Ian Walker/Gb) 55 Punkte.
6. Sanya (Volksrepublik China; Mike Sanderson/Nsl) 25 Punkte.

Etappen:
5. Etappe: 6705 Seemeilen Auckland–Itajai (Brasilien);
6. Etappe (Start: 22. 4.): 3590 Seemeilen Itajai–Miami,
7. Etappe (20. 5.): 3590 Seemeilen Miami–Lissabon.
8. Etappe (10. 6.) : 1940 Seemeilen Lissabon– Lorient (Frankreich).
9. Etappe (1. 7.): 485 Seemeilen Lorient–Galway (Irland).


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(kurier) Erstellt am
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