Sport
15.07.2018

Vierter Wimbledon-Triumph für Novak Djokovic

Ein glatter Dreisatzsieg gegen Kevin Anderson im Finale beschert dem Serben seinen 13. Grand-Slam-Titel.

Da kniete er. Auf dem Boden des ehrwürdigsten Turniers der Welt. Auf dem Rasen von Wimbledon. Viel Last war in diesem Moment abgefallen, die er lange mit sich herumgeschleppt hatte: Novak Djokovic ist zurück. Zurück in der Weltspitze. Der 31-Jährige schlug den Südafrikaner Kevin Anderson 6:2, 6:2, 7:6.

In einem Finale, das nur im dritten Satz ausgeglichen war. „Ich bin überglücklich, diesen Moment mit den Menschen zu genießen, die so wertvoll für mich sind“, sagte Djokovic vor den Augen seiner Gattin Jelena, seines Sohnes, der Mama, des Bruders und seines Teams. „In Wimbledon wieder zu gewinnen, ist ein großes Privileg.“

Erstmals seit einer langen Wartezeit von 25 Monaten gewann der Serbe, der als Zehnter erstmals heuer in den Top Ten steht, damit wieder ein Grand-Slam-Turnier, nachdem er zuletzt 2016 in Paris triumphiert hatte. Zum vierten Mal holte er den Siegerscheck in Wimbledon, der dieses Mal umgerechnet 2,55 Millionen Euro betrug, zum 13. Mal verließ er eines der vier Grand-Slam-Turniere als letzter Sieger. Kevin Anderson, der in seinem zweiten Major-Finale nach den US Open im Vorjahr stand, erhielt als Trost umgerechnet 1,25 Millionen Euro. Und Lob vom Gewinner: „Er ist ein großartiger Spieler.“

Überlegenheit

Lange war nur Djokovic selbst großartig. Der erste Satz lag ganz in seinen geschickten Händen, und er musste gar nicht an seine Grenzen gehen, um diesen mit 6:2 für sich zu entschieden. Aber aufgepasst: 2:6 hatte Anderson auch den ersten Satz gegen Rekordchampion Roger Federer verloren.

Doch dieses Mal kam es anders. Djokovic agierte klug, beherrschte das Spiel und ließ den 2,03-Meter-Mann laufen, der wiederum vor allem Probleme hatte, tiefe Bälle zu erwischen. Der zweite Satz war ein Spiegelbild des ersten und ging ebenfalls 6:2 an den Serben, der stets zeigte, dass er der beweglichste Spieler auf der Tour ist. Ein Breakball bei 2:5 – das war das Schönste, was Djokovic seinem Gegner gewährte.

Anfang des dritten Satzes ging Anderson erstmals in Führung. Und wurde stärker, er erreichte annähernd das Niveau, das ihm zwei Marathonsiege einbrachte (4:14 Stunden gegen Federer, 6:36 Stunden gegen John Isner). Und deshalb wurde es ein hochklassiges Tennis-Match, weil auch die Aufschläge des 32-jährigen Anderson kamen. Aber Djokovic zeigte sich kaltschnäuzig und wehrte bei 4:5 bzw. 5:6 mehrere Breakbälle ab. In dieser Phase und im Tie-Break (7:3) zeigte „Nole“, was ihn auch am 4. Juli 2011 erstmals zur Nummer eins gemacht hat: Nervenstärke. „Da war Kevin der bessere Spieler“, gab Djokovic danach zu.

Rückkehr

Vorbei ist die schwierigste Zeit im Leben des Novak D. Zu seiner Ellbogen-Verletzung gesellten sich familiäre Probleme, die ebenfalls überstanden sind. Die Experimente mit Andre Agassi oder Guru Pepe Imaz bewirkten nach der Entlassung seines Trainerteams im Mai 2017 keinen Aufschwung. „Immer wieder“, betonte Djokovic, „gingen mir die letzten 15 Monate durch den Kopf. Umso schöner ist der Triumph“.

Erst als er Anfang Mai wieder sein altbewährtes Team ins Boot holte, das ihn nach oben gebracht hatte, ging es aufwärts. Marjan Vajda und der Tiroler Gebhard Gritsch holten nicht nur Versäumtes im Fitnessbereich auf, sondern vermittelten ihm etwas Wesentliches im Leistungssport: Freude. Nach vielen noch so harten Trainingseinheit wird geblödelt. Bei einer Session am Rande der French Open, wo man Tennis-Boccia und Abschießen spielte, sah man: Der Spaß ist wieder da.

Gritsch blieb damals, vor sechs Wochen, noch vorsichtig: „Novak ist noch längst nicht dort, wo er einmal war, aber auf gutem Weg dahin. In einem halben Jahr wird er wieder der Alte sein.“ Einen Titel in Paris traute Gritsch seinem Schützling noch auf keinen Fall zu. „Weil er allein gegen Rafael Nadal auf Sand keine Chance hätte.“ Nun hat sein Schützling besagten Nadal zumindest auf Rasen geschlagen. Auch, weil er im Kopf wieder so stark ist wie in seiner besten Zeit. Oder, wie Gritsch sagt: „Das mentale Monster wacht langsam auf.“

Das Monster ist nun schon wieder hellwach. Und sagt den Weltranglistenbesten Nadal und Roger Federer den Kampf an. Die US Open starten am 28. August.