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Sport
07/31/2012

Viel Wind um Big Ben

Ben Ainslie könnte zum erfolgreichsten Segler der Geschichte werden und soll den America’s Cup nach England holen.

von Jürgen Preusser

Ben Ainslie wird Mister Methane – der wie er selbst aus dem reichen Städtchen Macclesfield bei Manchester stammt – nicht brauchen in Weymouth: Der Westwind ist derzeit gewaltig in Südengland – der berüchtigte Kunstfurzer muss also keineswegs für gute Winde sorgen.

Im Gegenteil: Windstärken bis zu sechs Beaufort setzten auch dem Giganten des internationalen Segelsports zu am ersten Tag. Der Finn-Segler war vorerst nur Zweiter, doch die meisten Buchmacher nehmen trotzdem keine Wetten mehr auf seinen Olympiasieg an.

Es wäre... nein, es wird der vierte. Damit wird er wohl zum erfolgreichsten olympischen Segler aller Zeiten gekürt. Danach darf er sich auf den America’s Cup vorbereiten, um noch einmal Geschichte zu schreiben: Diesmal wollen es die Briten, die die älteste Sport-Trophäe der Welt zwar erfunden, aber nie gewonnen haben, endlich wieder wissen: Ainslie wird 2013 ein britisches Team als Skipper anführen. Er wird sogar von anderen Titanen wie Russell Coutts gefürchtet. Schon drei Mal war Ainslie in verschiedenen Segel-Syndikaten als Berater für den America’s Cup im Einsatz.

Schlägertyp

Doch Olympia 2012 im eigenen Land hätte der Commander of the Order of the Britisch Empire (königlicher Ehrentitel) und fast unschlagbare Big Ben um ein Haar verpasst. Nein, nicht etwa durch eine schwache Leistung, sondern durch einen starken Auftritt: Beim Gold Cup in Perth, der offiziellen Finn-WM, sprang er kurz nach der Ziellinie ins Wasser, enterte ein TV-Boot und attackierte sowohl den Fahrer als auch den Kameramann tätlich. Danach ging er wieder per Kopfsprung ab, kletterte in sein Boot zurück und segelte in den Hafen.

Dort brach eine Welle der Empörung über Ainslie herein. Ein dänischer Fotograf hatte den spektakulären Vorfall in neun Sequenzen dokumentiert, Ainslie wurde bestraft und musste so auf den bereits sicheren WM-Titel verzichten.

Der Grund für den spektakulären Auszucker: Das Boot hatte ihn behindert. Eine Sperre blieb ihm erspart, zumal auch viele seiner Gegner oft Schwierigkeiten mit den Motorbootfahrern haben. Außerdem wurden kurz nach einem Bandscheibenvorfall zwei Wirbel operativ ersetzt. Schmerzen und Medikamente – zumindest plausible Erklärungen für den furiosen Wutanfall des sonst so besonnenen Stoikers.

Vorsegler

Bens Daddy Roderick war ein echter Segel-Pionier: 1973 nahm er am ersten Whitbread Round the World Race teil, das heute unter dem Namen Volvo Ocean Race zur spektakulärsten und prestigereichsten rennmäßigen Weltumseglung geworden ist.

Ben lernte in Falmouth (Cornwall) das Segeln, bevor er noch in die Schule ging. Im Zeichenunterricht malte er ausschließlich Segelboote. Er dominierte alle internationalen Jugend-Rennen nach Belieben. Nur an einem Mann biss er sich vorerst die Zähne aus: Robert Scheidt. Bei Olympia 2000 besiegte Ben den großen Brasilianer endlich. Nach Sydney 2000 stieg er ins Finn Dinghi um, inzwischen ist der 35-Jährige auch dreifacher Weltmeister in dieser Klasse.

Sollte er tatsächlich zum vierten Mal gewinnen, wird er wohl kaum den Kunstfurzer Mister Methane holen, sondern eher den etwas berühmteren Blues-Mundharmonika-Spieler John Mayall. Denn der kommt ebenfalls aus dem kleinen Binnenstädtchen Macclesfield und bläst nicht aus dem letzten Loch.

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