Einst brüllten Bauherrn wegen Wacker, jetzt gibt's den Turl-Wagner-Platz
Der legendäre Turl Wagner
Admira Wacker hat noch Chancen auf den Wiederaufstieg. Wobei die Betonung auf der in der Südstadt beheimateten Admira liegt. Denn den Fußballklub Wacker allein gibt es anders als in Innsbruck in Wien längst nicht mehr.
Und auch nicht jenen für Fußballspiele in Wien 12 genehmigten Wacker-Platz, auf dem Wacker im zweiten Nachkriegsjahr zum ersten (und einzigen) Mal österreichischer Meister geworden ist.
Ebendort wurde soeben mit politischem Trara per Namensschild ein Stückerl Meidlinger Grün zum Turl Wagner-Platz „umgetauft“.
Theodor „Turl“ Wagner (*1927, 2020) galt als einer der begnadetsten und elegantesten österreichischen Fußball-Stürmer. Über seine Spielkunst schwärmten selbst solche, die nie Wacker-Anhänger waren.
WM-Hattrick gegen die Schweiz
Bei der WM 1954 in der Schweiz gelang Wagner im Nationalteam gegen die Gastgeber sogar der Hattrick. Indem er bei der legendären Hitzeschlacht in Lausanne drei Tore hintereinander erzielte. Österreich siegte 7:5, wurde schließlich mit Wagner WM-Dritter.
Dass Wagner im Vergleich zu Austrianern und Rapidlern nicht immer ähnlich euphorisch gewürdigt wurde, lag vermutlich auch daran, dass er nie für einen Wechsel zu einem der beiden Großklubs zu haben war.
Brüllende Bauherrn
Als echten Meidlinger (der im 12. Bezirk auch ein Schuhgeschäft betrieb) ärgerte ihn wie viele Fußballfreunde die Nachricht, wonach der Wacker-Platz (dessen „Rest“ jetzt seinen Namen trägt) zubetoniert werden sollte.
Dass es nicht dazu kam, war auch dem KURIER zu verdanken. Ein großer, einflussreicher Bauherr dieser Zeit brüllte damals ins Telefon, dass er für die Entlassung jener Redakteure sorgen werde, die auch nur ein kritisches Wort über die Verbauung des Wacker-Platzes schreiben.
Worauf sich die Sportredaktion nicht einschüchtern ließ und erst recht die Rettung des Platzes forderte. Das war in den 70er-Jahren.
In der Südstadt landeten Admira und Wacker.
Wacker von Admira einverleibt
Obwohl die Einverleibung Wackers bei Admira längst vollzogen, die Haupttribüne in Meidling rasch abgerissen und Oberhaus-Fußball an der Rosasgasse unmöglich geworden war, wurde der öffentliche Druck letztlich so groß, dass das Spielfeld bleiben musste.
Und so wurde zumindest ein Rasenfleck am nunmehrigen Turl-Wagner-Platz für den Schulsport gerettet.
Was gar nicht so selbstverständlich war/ist, werden doch täglich in Österreich Flächen in der Größe von zehn Fußballfeldern verbaut.
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