Christopher Froome konnte bei der Tour alle Angriffe souverän abwehren

© APA/EPA/KIM LUDBROOK

Radsport
07/20/2015

Gegenwind für den Dominator

Chris Froome, der beste Radfahrer der Gegenwart, muss sich gegen Doping-Anschuldigungen wehren.

von Florian Plavec

Es gibt wohl kaum etwas ekelhafteres, als von einem Fremden mit Urin beschüttet zu werden. Genau das widerfuhr Christopher Froome am Samstag auf der 14. Etappe der Tour de France. Ein Mann am Straßenrad habe ihn zuerst als "Doper" beschimpft und dann einen vollen Becher geworfen, sagte der Brite im Zielort. "Das ist nicht zu akzeptieren." Schuldig sei jedoch nicht nur der Mann am Straßenrand, sondern schuldig seien auch die Journalisten, die ihm vermehrt Doping unterstellen.

Unangenehme Fragen

Der 30-Jährige hat völlig Recht, wenn er die Urin-Attacke als "widerlich" bezeichnet. Der Spitzenreiter der Tour liegt aber falsch, wenn er sich gegen kritische Berichterstattung verwehrt. Fragen und unangenehme Analysen müssen erlaubt sein. Besonders im Radsport, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch unzählige Dopingskandale knapp vor dem Kollaps stand.

Denn natürlich werfen die Leistungen einiger Protagonisten bei der Tour Fragen auf. Allen voran die Leistung von Chris Froome. Der Kapitän vom Team Sky dominiert die Rundfahrt mit einer Souveränität, wie sie einst Lance Armstrong hatte. Unterstützt vom stärksten Team der Welt, wurde Froome auf den ersten 15 Etappen kein einziges Mal in Verlegenheit gebracht. Sollte der Brite nicht schwer stürzen, ist er auf dem Weg zu seinem zweiten Tour-Sieg nach 2013 nicht zu stoppen.

Der weiße Kenianer

Die Geschichte von Christopher Froome beginnt am 20. Mai 1985 in Nairobi. Seine Mutter ist eine in Kenia geborene Weiße, sein Vater kommt aus Brighton. Von seinem ersten Lebenstag an schnuppert er Höhenluft, die Hauptstadt Kenias liegt auf 1660 Metern.

Mit zwölf Jahren begleitet ihn die Mutter erstmals zum professionellen Radtraining – das Feuer ist entfacht. Er geht in Südafrika ins Internat, studiert anschließend zwei Jahre lang in Johannesburg Ökonomie – und trainiert. Bei den Afrika-Spielen 2007 gewinnt er für Kenia Bronze im Straßenrennen. Ohne Team reist der selbstbewusste 22-Jährige zur U-23-WM in Salzburg. Dort fährt der ungestüme Neuling beim Zeitfahren einen Rennkommissär um. Er stürzt, rappelt sich auf, kämpft sich ins Ziel – und macht mit Rang 36 auf sich aufmerksam.

Froome erhält bei Barloworld seinen ersten Profivertrag, fährt fortan mit britischer Lizenz und zieht nach Europa. Nach einem positiven Dopingfall bei einem Teamkollegen zieht sich der Sponsor aus dem Radsport zurück, und Froome wechselt zu seinem jetzigen Team Sky, wo er zum Spitzenmann reift. Mittlerweile hat er alles, um die großen Rundfahrten zu gewinnen:

Die Physis: Froome ist zwar mit 1,86 Metern für einen Radfahrer ungewöhnlich groß, wiegt aber nur 69 Kilogramm. Mit seinem Lungenvolumen von acht Litern (normal wären bei seinen Voraussetzungen sechs) kommt er hervorragend über die Berge. Trotz geringer Muskelmasse reicht seine Kraft, um auch im Zeitfahren mithalten zu können. Große Hitze wie heuer bei der Tour steckt er, der mehr als 20 Jahre in Afrika gelebt hat, locker weg.

Die Erfahrung: Froome lernte von den Besten. Schon 2012 hätte er die Tour gewinnen können, doch er stellte sich in den Dienst der Mannschaft und führte Bradley Wiggins zum Gesamtsieg. 2013 schlug er zu, 2014 schied er nach einem Sturz aus. "Heuer ist er souveräner und kompletter als früher", lobt sein Chef David Brailsford.

Das Team: Die besten Fahrer, die beste Trainingsmethodik, die beste medizinische Versorgung, die luxuriösesten Motorhomes. Das mit geschätzten 20 Millionen Euro pro Saison gesponserte Sky-Team liegt in allen Belangen vorne.

Internet: www.chris-froome.com

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