Allein gegen alle: Christopher Froome muss sich im Zeitfahren wieder auf sich selbst verlassen.

© APA/GUILLAUME HORCAJUELO

Auftakt zu Lostagen des Christopher Froome
07/16/2013

Auftakt zu Lostagen des Christopher Froome

Der Portugiese Rui Costa siegte in Gap. Und der führende Brite steht vor schwierigen Bergen.

von Stefan Sigwarth

Der viel diskutierten Sonderleistung am Mont Ventoux am Sonntag folgten viele Diskussionen am Montag – und ein schwer genervter Christopher Froome, der irgendwann nicht mehr über Doping reden wollte, sondern nur noch die schweren Beine auslüften. Der 28-jährige Brite versuchte, den Anschuldigungen davonzuradeln an diesem Montag, der für den Führenden in der Gesamtwertung der 100. Tour de France eher Unruhe- denn Ruhetag war.

Bis zu drei Mal am Tag wird Christopher Froome derzeit von den Dopingfahndern von französischer Anti-Doping-Agentur und Radsport-Weltverband zur Ader gelassen oder um eine Urinspende gebeten, alle Tests sind bisher negativ. Ein Ergebnis freilich mit bedingter Aussagekraft, denn die Vergangenheit des Weltsports lehrt, dass Spitzenleistungen oft genug aus Spritzenleistungen resultieren – und dass schnell machende Mittel verwendet werden, die erst in der Entwicklungsphase stecken, nach denen die Dopingjäger folgerichtig noch gar nicht suchen können.

Beispiele gibt es genug, die Heerscharen von Radsportfans, die die Jubiläumsrundfahrt vor Ort verfolgen, tun dies entweder mit Gleichgültigkeit – oder mit jenem Gottvertrauen in die Redlichkeit des Sports, das erst am Sonntag wieder einmal durch Asafa Powell und Tyson Gay erschüttert worden ist.

Und doch: Ist es nicht möglich, dass sich Christopher Froome zu Recht aufpudelt? Dass der in Kenia geborene und in Südafrika aufgewachsene Brite eben eines jener Ausnahmetalente ist wie ein Usain Bolt, der schon als 15-Jähriger 200 Meter in 20,58 Sekunden gelaufen ist (zum Vergleich: Der österreichische Rekord von Christoph Pöstinger steht bei 20,45)?

Portugiesischer Sieg

Sauber oder nicht – die Diskussionen werden weitergehen. Tatsache ist jedenfalls, dass die 16. Etappe der Tour de France Dienstag von einer großen Ausreißergruppe geprägt wurde, die nach 168 Kilometern von Vaison-la-Romaine nach Gap den Portugiesen Rui Costa als Sieger erlebte, Froome und die anderen kamen mit Verspätung.

Mittwoch geht es zum zweiten Mal bei der heurigen Tour solo gegen die Uhr: 32 Kilometer lang ist die Strecke des Einzelzeitfahrens von Embrun nach Chorges, allerdings enthält sie auch zwei Bergwertungen der zweiten Kategorie. Für Christopher Froome, der seine Klasse im Einzelzeitfahren schon beim ersten – flachen – Bewerb an der Atlantikküste gezeigt hat, eine weitere Chance, seinen Vorsprung auf die Konkurrenz auszubauen. Schaden kann das nicht, denn ab Donnerstag geht es für drei Tage in die Alpen. Mit der zweifachen Befahrung von Alpe d’Huez am Donnerstag und der Bergankunft in Semnoz am Samstag.

16. Etappe, Vaison-la-Romaine nach Gap (168,0 km):
1. Rui Costa POR Movistar 3:52:45 Stunden (Schnitt: 43,3 km/h)
2. Christophe Riblon FRA AG2R + 0:42 Minuten
3. Arnold Jeannesson FRA FDJ.fr
4. Jerome Coppel FRA Cofidis
5. Andreas Klöden GER RadioShack alle gleiche Zeit
6. Tom Dumoulin NED Argos 1:00
7. Mikel Astarloza ESP Euskaltel 1:01
8. Philippe Gilbert BEL BMC Racing 1:04
9. Cameron Meyer AUS Orica 1:04
10. Ramunas Navardauskas LTU Garmin gleiche Zeit
Weiter:
26. Nairo Quintana COL Movistar 11:08
29. Christopher Froome GBR Team Sky
30. Bauke Mollema NED Belkin
31. Roman Kreuziger CZE Saxo-Tinkoff
32. Alberto Contador ESP Saxo-Tinkoff alle gleiche Zeit
Gesamtwertung:
1. Froome 65:15:36
2. Mollema +4:14
3. Contador 4:25
4. Kreuziger 4:28
5. Quintana 5:47
6. Laurens ten Dam NED Belkin 5:54
7. Joaquim Rodriguez ESP Katjuscha 7:11
8. Jakob Fuglsang DEN Astana 7:22
9. Jean-Christophe Peraus FRA AG2R 8:47
10. Daniel Martin IRL Garmin 9:28
Die bisherigen Etappensieger:
1. Porto Vecchio - Bastia (213 km) Marcel Kittel (GER)
2. Bastia - Ajaccio (156 km) Jan Bakelants (BEL)
3. Ajaccio - Calvi (144 km) Simon Gerrans (AUS)
4. Nizza (25 km), Teamzeitfahren Orica-GreenEdge
5. Cagnes-sur-Mer - Marseille (228,5 km) Mark Cavendish (GBR)
6. Aix-Provence - Montpellier (176 km) André Greipel (GER)
7. Montpellier - Albi (205,5 km) Peter Sagan (SLK)
8. Castres - Ax-3-Domaines (195 km) Christopher Froome (GBR)
9. St. Girons - Bagnères de B. (168,5 km) Daniel Martin (IRL)
10. St-Gildas-des-Bois - St-Malo (197 km) Marcel Kittel (GER)
11. Avranches - Mont-St-Michel (33 km) Tony Martin (GER)
12. Fougères - Tours (218 km) Marcel Kittel (GER)
13. Tours - St.-Amand-Montrond (173 km) Mark Cavendish (GBR)
14. Saint-Pourcain-sur-Sioule - Lyon (191 km) Matteo Trentin (ITA)
15. Givors - Mont Ventoux (243 km) Christopher Froome (GB)
16. Vaison-la-Romaine - Gap (168 km) Rui Costa (POR)
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