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Sport
01/30/2020

Thiem gegen Zverev: Ein heißes Duell in aller Freundschaft

Der 22-Jährige ist in Melbourne am Freitag der Halbfinalgegner von Thiem. Ein Vergleich mit Deutschlands Nr. eins.

von Harald Ottawa

Es ist ja immer etwas Feines, wenn sich österreichische und deutsche Sportsleute gegenüberstehen. Zumindest für die Österreicher, den Deutschen sind Dinge wie Cordoba heutzutage wurscht.

Das Semifinal-Duell am Freitag soll ohnehin nicht zum Länderkampf ausarten, Brisanz verspricht es auch ohne Länderkürzel nach dem Namen. Dominic Thiem trifft in seinem ersten Melbourne-Halbfinale auf Alexander Zverev (9.30 Uhr/Liveticker auf KURIER.at/sport). Die Nummer eins Deutschlands steht gar in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale. Erst zwei Mal stand der Hamburger in einem Major-Viertelfinale, beide Male bei den French Open. 2018 unterlag er Dominic Thiem, ein Jahr später Novak Djokovic, der am Sonntag als Finalgegner wartet.

Thiem oder Zverev? Was aber unterscheidet die aktuelle Nummer fünf von der Nummer sieben der Welt? Was verbindet die beiden?

  • Die Freundschaft

Der 26-jährige Thiem und der 22-jährige Zverev kennen einander seit Jugendjahren. „Wir sind mehr als nur Kollegen. Er ist ein netter Kerl, wir sind eigentlich gleichzeitig raufgekommen“, sagt Thiem. Privat endeten die Gemeinsamkeiten nicht auf dem Platz. Die Sessions mit dem Hamburger auf der Playstation sind fast schon legendär, auch, wenn zuletzt wenig Zeit dafür war. „Wir sind da echte Champions“, sagte Thiem im Juli des Vorjahres beim gemeinsamen Gastspiel in Hamburg.

Video: Die Teenager Thiem und Zverev, Backstage 2014

  • Die Befindlichkeit

Logisch, wenn zwei Herren nur noch zwei Siege vom großen Grand-Slam-Triumph getrennt sind, wäre es vermessen, nach der Form zu fragen. Beide starteten beim ATP-Cup mit mäßigem Erfolg, steigerten sich aber bei den Australian Open. Alexander Antonitsch warnt: "Zverev hat großes Selbstvertrauen, nachdem er zu Jahresbeginn mit allem gehadert hat." Damals schlug er Doppelfehler um Doppelfehler, Verzweiflung machte sich breit.

"Nun bringt er 80 Prozent aller Aufschläge", sagt Antonitsch. Zverev glaubt an sich. "Wenn ich ins Finale komme, wird das der glücklichste Tag in meinem Leben sein." Früher, sagt er, sei er bei den Grand Slams "zu ungeduldig" und "fast zu professionell" gewesen: "Jetzt bin ich relaxter, ich mache mehr Dinge, um mich zu entspannen." Die deutschen Journalisten sehen ihren Schützling leicht im Vorteil, auch, wenn Thiem in der Bilanz mit 6:2-Siegen führt.

  • Die Familie

Die Familie steht bei beiden Akteuren im Vordergrund. Bei Zverev hat der Vater das Sagen, der ehemalige russische Daviscup-Spieler Alexander Zverev Senior stand zuletzt beim ATP-Cup unrühmlich im Mittelpunkt, als ihn Zverev jun. während des Matches beschimpfte. Doch auch da blieb der 60-Jährige cool. "Trainervater Zverev ist ein Mann, der seine Emotionen in beinahe unheimlicher, übermenschlicher Weise kontrolliert", sagt der deutsche Journalist Jörg Allmeroth, der seit 40 Jahren für fast alle großen deutschen Medien schreibt.  

Nachsatz: "Und er ist der große Schweiger, der Akteur im Team Zverev, der zwar viel weiß und erlebt, der aber nichts von alledem preisgibt." Mutter Irina war ebenfalls Profispielerin. "Sie gab mir mit 13, 14 das Rüstzeug, heute hält sie alles zusammen", sagt Zverev jun. Bruder Mischa ist ebenfalls Profi (32), Thiems Bruder Moritz (20) widmet sich ebenso dem Tennissport.

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Dessen Eltern sind in Melbourne mit von der Partie. Auch, wenn der Sohnemann  in den vergangenen Jahren erwachsen wurde und letztlich selbst entscheidet – die Eltern reden stets mit. Unter anderem, weil Wolfgang und Karin Thiem selbst Tennistrainer sind. Auch das Umfeld wird von den beiden 47-Jährigen kontrolliert. Die Ausbildung  und das Rüstzeug hat Thiem  Günter Bresnik mitgegeben, Trainer ist nun der Chilene Nicolás Massú. Thomas Muster  agierte als Coach wie einst als (Nummer-1-) Spieler (Thiem: „Er setzte mich zu sehr unter Druck“) und wurde dafür gestanzt, in Deutschland wurde Boris Becker zuletzt als Zverev-Coach ins Spiel gebracht,  lehnte aber ab. "Ich habe als TV-Experte zu viel zu tun."

  • Die Beliebtheit

Zverev hat in Deutschland einen Standort-Nachteil. "Tennis hat in Deutschland niemals den Stellenwert wie in Österreich. In Deutschland wird viel weniger Tennis übertragen", sagt der Münchner Journalist Jens Huiber.  "Bei Zverev kommt auch dazu, dass er keinen deutschen Namen hat, selbst in Monte Carlo lebt und innerhalb der Familie Russisch spricht." 

TENNIS-GBR-ATP-FINALS

Zverev habe aber den Ruf eines Unsympathlers halbwegs abgelegt. Auf der anderen Seite genießt Thiem immer größere Beliebtheit und Aufmerksamkeit. Er ist einer der wenigen Sportler, die in den Medien Ski und Fußball verdrängen.

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